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Barcelona trauert, die Polizei sucht jetzt auch im Ausland

Demonstrationen auf den Ramblas und Spur nach Frankreich

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Barcelona trauert, die Polizei sucht jetzt auch im Ausland

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Trauer und Trotz mischen sich auf den Ramblas, der großen Einkaufsstraße in Barcelona, die zum Schauplatz des tödlichen Anschlags geworden ist. Am Tag Eins nach dem Anschlag sagen die Menschen hier wieder einmal, sie hätten keine Angst. Wieder einmal versuchen sie, ihren Lebensstil und ihre Werte zu verteidigen.

Zuweilen war die Stimmung dabei aufgeheizt. Eine Minidemonstration von rechtsradikalen Identitären forderte auf den Ramblas einen Stop der “Islamisierung Europas”; die Forderungen der Rechten wurden mit einer Gegendemonstration gegen Faschismus beantwortet. Das spanische Fernsehen berichtete, es sei am Freitag auf den Ramblas zu kurzen Panikmomenten gekommen. Menschen rannten plötzlich in Schrecken den Boulevard herunter. Die Angst erwies sich als unbegründet.

Wegen der Demonstrationen legte der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel am Freitag keine Blumen an den Ramblas nieder. Dies will er nach Informationen der Deutschen Presseagentur am Samstag nachholen.

Die Zahl der Todesopfer in Barcelona – bisher sind es 13 – könnte am Wochenende weiter steigen. Noch immer befinden sich Verletzte in Lebensgefahr, unter ihnen seien zwei Deutsche, berichtet ein Krankenhausarzt in Barcelona.

Suche nach Tätern und einem Auto

Derweil geht in der Region die Suche nach den Tätern, nach den Drahtziehern und nach den mutmaßlichen Mitgliedern der Terrorzelle von Alcanar weiter. Dort sollen die Fäden zusammenlaufen, die Täter von Barcelona und Cambrils nahe Tarragona verbinden. In Alcanar war zudem in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ein Wohnhaus explodiert, mindestens eine Person kam ums Leben. Was zunächst wie eine Gasexplosion aussah, steht Polizeiangaben zufolge in Verbindung mit dem Anschlag in Barcelona.

In Cambrils bei Tarragona wurden fünf mutmaßliche Attentäter erschossen. Ob unter den Getöteten tatsächlich – wie zunächst berichtet – der Todesfahrer von Barcelona ist, daran äußerte die Polizei zuletzt Zweifel. Derzeit sucht die Polizei noch nach einem 22-jährigen Verdächtigen. Außerdem gesucht: Der Fahrer eines weißen Renault Kangoo, eines der drei Autos, das die Täter gemietet haben sollen, berichtet die Zeitung Le Parisien. Möglicherweise sei es nach der Tat nach Frankreich gefahren worden.

In mehreren Orten um Barcelona hat die Polizei Verdächtige festgenommen. Nach derzeitigen Erkenntnissen ist keiner von ihnen bisher als Terrorist in Erscheinung getreten.

In Deutschland reagierte die Politik auf den Anschlag. Der deutsche Städtetag hält Poller für eine sinnvolle Lösung, um Amokfahrer von belebten Plätzen fernzuhalten. Und mehrere Parteien einigten sich darauf, die kommenden Wahlkampftage etwas ruhiger anzugehen, im Gedenken an die Opfer von Barcelona.