Eilmeldung

Zwangsräumung in Ostjerusalem

Eine arabische Familie muss für Israelis ein Haus in Ost-Jerusalem räumen.

Sie lesen gerade:

Zwangsräumung in Ostjerusalem

Schriftgrösse Aa Aa

Die israelische Polizei hat eine palästinensische Familie zur Räumung eines Hauses in Ost-Jerusalem gezwungen. Laut Polizeiangaben wurde ein Gerichtsbeschluss umgesetzt. Das Haus wurde Medienberichten zufolge vor Jahren erneut von Juden erworben. Der Mietvertrag wurde seit 2008 nicht mehr verlängert, die arabische Familie habe sich aber geweigert auszuziehen.

“Das ist pure Ungerechtigkeit, dreiundvierzig Jahre in diesem Haus und dann kommen sie und werfen uns auf die Straße. Das ist Unterdrückung. Ich bekam noch nicht mal die Gelegenheit, meine Krankenhauspapiere mitzunehmen. Sie haben meinen Mann und mich auf Stühlen aus dem Haus getragen”, so die 75-jährige arabische Mieterin Fahima Shamasneh.

Sie lebten seit 1964 in dem Haus, sie seien “geschützte Mieter”, argumentierte die Familie. Es ist das erste Mal seit 2009, dass Araber in dem Viertel zur Räumung gezwungen werden.

Bereits Anfang August wurde über die Familie berichtet:


Das Haus gehörte Medienberichten zufolge bis 1948 jüdischen Eigentümern. Danach sei es an Palästinenser vermietet worden und später verkauft worden. Nach israelischem Recht könnten Juden Ansprüche auf Häuser in Ost-Jerusalem geltend machen, wenn sie nachweisen können, dass ihre Familie bis 1948 dort gelebt hat. Menschenrechtsorganisationen kritisierten die Räumung als diskriminierend.

Nach dem ersten Nahostkrieg 1948 befanden sich der Ostteil Jerusalems unter jordanischer Kontrolle, der Westteil unter israelischer. Während des Sechs-Tage-Krieges 1967 eroberte Israel unter anderem Ost-Jerusalem und annektierte es später.

Die Palästinenser beanspruchen Ost-Jerusalem als Hauptstadt für einen unabhängigen Staat Palästina. Israel sieht Jerusalem als “unteilbare” Hauptstadt Israels. In Ost-Jerusalem leben heute mehr als 200.000 israelische Siedler und rund 300.000 Palästinenser.