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Terrorvorwurf: Prozess gegen 49-jährige Deutsche in der Türkei

Eine 49-jährige Deutsche muss sich vor einem türkischen Gericht verantworten. Sie soll Mitglied der Gülen-Bewegung sein.

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Terrorvorwurf: Prozess gegen 49-jährige Deutsche in der Türkei

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Eine 49-jährige Deutsche muss sich vor einem türkischen Gericht in Karaman verantworten. Ihr wird Mitgliedschaft in der Bewegung des türkischen Predigers Fetullah Gülen vorgeworfen. So soll sie eine lokale Frauengruppe der in der Türkei verbotenen Organisation geleitet haben.

Bei der Verdächtigen seien “elektronische Beweise” ihrer Straftaten gegen die Türkei sichergestellt worden, so die Anklage. Sollte die Frau für schuldig befunden werden, droht ihr eine mehrjährige Haftstrafe.

Gülen wird von der türkischen Regierung für den gescheiterten Militärputsch im Juli 2016 verantwortlich gemacht. Die regierungskritische Gülen-Bewegung gilt in der Türkei als “bewaffnete Terrororganisation” und ist verboten. Der islamische Prediger Gülen lebt im US-Exil und streitet jegliche Verantwortung für den Putsch ab.

Die in der Türkei geborene Frau hatte 20 Jahre in Südwestdeutschland gelebt und besitzt seit 15 Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft. Im August 2016 war sie von türkischen Sicherheitskräften festgenommen worden. Sie war die erste Deutsche ohne doppelte Staatsbürgerschaft, die seit dem gescheiterten Militär-Coup gegen Präsident Erdogan in türkische Haft kam.

Nach Angaben des deutschen Außenministeriums sitzen mindestens zehn Deutsche aus “politischen Gründen” in türkischen Gefängnissen. Die Verhaftungen deutscher Staatsbürger seit dem Putschversuch sorgt für Spannung im Verhältnis zwischen Ankara und Berlin.

Erst in der vergangenen Woche waren erneut zwei Deutsche am Flughafen von Ankara festgenommen worden, sie sind inzwischen wieder auf freiem Fuß, dürfen aber die Türkei nicht verlassen.

Im Gegensatz zu den Festnahmen der prominenten Journalisten Deniz Yücel und Mesale Tolu und des Menschenrechtlers Peter Steudtner hatte die Verhaftung der 49-Jährigen für deutlich weniger Aufmerksamkeit gesorgt.