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Türkischer Einfluss und arabischer Islam - halten Bosniens europäische Wurzeln?

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Türkischer Einfluss und arabischer Islam - halten Bosniens europäische Wurzeln?

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Über Jahrhunderte hinweg war Sarajevo ein Schmelztiegel der Kulturen. Schafft es Bosnien-Herzegowina, diese Tradition der Toleranz neu zu beleben? Oder tappt das Balkanland erneut in die Fallen religiöser und politischer Rattenfänger? Wohin geht die Reise? Nach Europa? Oder gerät die Region in den Einflussbereich einer immer imperialer auftretenden Türkei ?

Der Sultan-Mehmed-Fatih-Chor ist stolz auf seinen osmanischen Namensgeber. Mehmed II. gewährte weitgehende Religionsfreiheit. Der bosnische Chor steht zu dieser Tradition des multikulturellen Miteinanders, gesungen wird in vielen Sprachen, auch Türkisch. Doch der heutige Machthaber der Türkei, Präsident Erdogan, hat ein Problem mit dem Leiter des Chores. Mehmed Bajraktarević ist über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Erdogan wirft ihm vor, der Gülen-Bewegung nahezustehen. Er schickte seinen Botschafter nach Sarajevo, um einzugreifen.

Nicht nur in den bosnischen Medien macht sich der türkische Einfluss bemerkbar, auch im Erziehungssystem. Als Erdogan seine Hetzkampagne gegen die Gülen-Bewegung begann, machte er vor Landesgrenzen keinen Halt. Türkische Lehrer mit angeblichen Gülen-Verbindungen werden gefeuert – auch in Bosnien.

Auch die Golfstaaten machen mit bei diesem Gerangel um Einfluss. Die Saudis bauten Moscheen und Shopping-Zentren. Im Sommer verjubeln hier Tausende arabische Touristen ihre Petrodollar. Überall im Land entstanden bewachte Wohnanlagen für reiche Araber. „Buroj-Ozone” soll die größte Touristenstadt Südost-Europas werden. Ein Investor aus Dubai will für zwei Milliarden Euro ein Areal in die unberührte bosnische Berglandschaft klotzen.

Nach dem Krieg waren Investitionen bitter nötig. Doch macht sich mittlerweile ein Gefühl der Überfremdung breit. Werden liberale Islamtraditionen verdrängt durch konservative Strömungen?

Saudi-Arabien finanzierte nicht nur den Wiederaufbau zahlreicher Moscheen, sondern auch kostenlose Arabischkurse. Wir besuchen das König-Fahd-Kulturzentrum in Sarajevo. Saudi-Arabien möchte heute nicht länger mit radikalreligiösen, gewaltbereiten Gruppen in Bosnien in Verbindung gebracht werden.

Tausend radikalisierte Muslime gibt es in Bosnien-Herzegowina. Viele illegale Salafisten-Gruppen haben sich in entlegenen Bergdörfern niedergelassen, beispielsweise in Dubnica. Die Integration in den islamischen Dachverband Bosniens verweigern sie. Nur wenige Radikalreligiöse sind gewaltbereit. Und diese Grüppchen überwacht der bosnische Geheimdienst. Der islamische Dachverband Bosnien-Herzegowinas bemüht sich um die Resozialisierung der Salafisten.

Insiders - die ganze Reportage aus Bosnien hier.