Hoch mit den Zinsen! EZB hebt Leitzins auf 2,0 Prozent, weitere Erhöhungen möglich

Access to the comments Kommentare
Von euronews
EZB-Chefin Christine Lagarde
EZB-Chefin Christine Lagarde   -   Copyright  Thomas Lohnes/AP   -  

Die Inflation wütet in der Eurozone. Als Reaktion hat die Europäische Zentralbank nun die Zinsen angehoben, erneut um 0,75 Prozentpunkte. Der Leitzins, zu dem sich Banken frisches Geld leihen können, steigt damit auf 2,0 Prozent. Kredite sollen teuerer werden, um die Nachfrage zu bremsen, was die Preisteuerung wiederum senken soll.

Zögerlich hatte der EZB-Rat im Juli erstmals seit elf Jahren die Zinsen angehoben, dann im September noch einmal, erstmals in der Geschichte der EZB um 0,75 Prozent. Und nun hat der Rat noch einmal eine Erhöhung um ein dreiviertel Prozent angekündigt. 

Düstere Aussichten für die Eurozone

"Die Wirtschaftstätigkeit in der Eurozone dürfte sich im dritten Quartal dieses Jahres deutlich verlangsamt haben, und wir erwarten für den Rest dieses und den Beginn des nächsten Jahres eine weitere Abschwächung. Die hohe Inflation, die das Realeinkommen der Menschen schmälert und die Kosten für die Unternehmen in die Höhe treibt, dämpft weiterhin die Ausgaben und die Produktion. Die gravierende Unterbrechung der Gasversorgung hat sich fortgesetzt, und sowohl das Vertrauen der Verbraucher als auch der Unternehmen ist rapide gesunken, was die Wirtschaft ebenfalls belastet", so EZB-Chefin Christine Lagarde in Frankfurt.

Die Verbraucher haben bereits mit den Treibstoffpreisen zu kämpfen. Und auch Immobilienkredite wollen getilgt werden. Wer die jetzt neu verhandeln muss, sieht sich mit höheren Zinsen konfrontiert.

Ökonomin: Verbrauchervertrauen geht zurück

"Wir müssen bedenken, dass sich die europäischen Volkswirtschaften bereits deutlich verlangsamen und dass für die nächsten Monate und möglicherweise für 2023 eine Rezession vorhergesagt wird. Aber wenn man sich ansieht, was gerade passiert, dann ist das Verbrauchervertrauen rückläufig. Die neuesten Daten deuten darauf hin, dass sowohl das Vertrauen der Verbraucher als auch das der Unternehmen sinkt. Wenn nun also die Zinsen steigen, ist das nicht hilfreich", sagt Vicky Pryce vom Centre for Economics and Business Research.

Ein Sinken der Lebenshaltungskosten ist nicht in Sicht und die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine halten die Energiepreise oben. Beobachter erwarten eine weitere Steigerung des Leitzines um ein halbes Prozent bis Ende 2022. Vor weiteren Erhöhungen durch die EZB sei dann zunächst eine Pause zu erwarten.