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Nissan steigt beim "Schwarzen Peter" Mitsubishi ein

In Japan wird die Autobranche nach dem Skandal um manipulierte Verbrauchswerte bei Mitsubishi Motors neu sortiert. Nissan steigt mit rund 1,9

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Nissan steigt beim "Schwarzen Peter" Mitsubishi ein

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In Japan wird die Autobranche nach dem Skandal um manipulierte Verbrauchswerte bei Mitsubishi Motors neu sortiert.

Meinung

Die Präsenz von Mitsubishi in Südostasien ist der entscheidende Pluspunkt für Nissan

Nissan steigt mit rund 1,9 Milliarden Euro bei dem angeschlagenen Rivalen ein. Dafür bekommt der Branchenzweite in Japan nach Toyota 34 Prozent der Anteile an Mitsubishi Motors und wird größter Aktionär. Nissan ist bereits mit dem französischen Hersteller Renault verbündet.
Zusammen kommen die drei Marken auf 9,3 Millionen verkaufte Fahrzeuge im Jahr – die Weltmarktführer Toyota und Volkswagen setzten zuletzt je gut zehn Millionen ab.

Carlos Ghosn, Vorstandschef Renault-Nissan:

“Bei Nissan sind wir entschlossen, die Marke Mitsubishi Motors zu bewahren und zu pflegen. Wir werden dem Unternehmen helfen, seine Herausforderungen zu meistern, besonders bei der Wiederherstellung des Verbrauchervertrauens in seinen Kraftstoffverbrauch.”

Der jetzt eingefädelte Deal, bei dem Nissan einen Abschlag von gut fünf Prozent auf die Mitsubishi-Aktien bekommt, werde dabei helfen.

Osamu Masuko Vorstandschef Mitsubishi Motors:

“Ich glaube, dass Verbraucher, Geschäftspartner , Aktionäre und Mitarbeiter diesen großartigen Zusammenschluss schätzen.”

Seit dem Skandal um manipulierte Spritverbrauchstests, der am 20. April öffentlich wurde, waren Mitsubishi-Papiere an der Börse um 45 Prozent abgestürzt. Der Konzern hatte eingeräumt, bei Verbrauchsdaten für zwei eigene und zwei für Nissan produzierte Modelle geschummelt zu haben. Aufgedeckt wurden die Tricksereien durch Nissan, als das Unternehmen ein Nachfolgemodell entwickelte. Für Mitsubishi Motors ist es bereits der dritte größere Skandal in zwei Jahrzehnten.

Mitsubishi und sein Unternehmen würden nun Technologien teilen und zusammen entwickeln, sagte Nissan-Chef Carlos Ghosn. Nissan werde im Top-Management von Mitsubishi etwa ein Drittel der Führungskräfte stellen und dort wohl auch den Vorsitz übernehmen. Beide Firmen kooperieren bereits seit 2011 in einigen Bereichen, ohne aber aneinander beteiligt zu sein – anders als bei Nissans Partnerschaft mit Renault. Bei den Franzosen ist Ghosn ebenfalls Vorstandschef.

Experten zufolge ist Nissan in Asien nur in der Heimat und in China stark vertreten. In anderen Märkten, zum Beispiel Thailand oder den Philippinen, sind Mitsubishi-Modelle beliebter. “Die Präsenz von Mitsubishi in Südostasien ist der entscheidende Pluspunkt für Nissan”, sagte der Branchenexperte Koji Endo vom Analysehaus Advanced Research Japan.

Wie dem von einem Abgasskandal erschütterten Volkswagen-Konzern drohen Mitsubishi Schadenersatzzahlungen und Strafen. Analysten schätzen, dass das Unternehmen bis zu eine Milliarde Dollar auf den Tisch legen muss.

Nissan rechnet im laufenden Geschäftsjahr 2016/17 wegen der jüngsten Yen-Aufwertung mit einem Rückgang des operativen Gewinns um elf Prozent. Im abgelaufenen Bilanzjahr steigerte der Konzern das Betriebsergebnis noch um 35 Prozent auf umgerechnet 6,4 Milliarden Euro. Auch Toyota ist aus dem gleichen Grund vorsichtig geworden und rechnet nicht mehr mit neuen Rekorden.

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su mit Reuters