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Brasilien: Petrobras sucht Wege aus dem Filz

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Brasilien: Petrobras sucht Wege aus dem Filz

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Brasiliens größtes Unternehmen, der Ölkonzern Petrobras, soll unter einem neuen Chef aus seiner tiefen Krise finden. Der Finanzexperte Pedro Parente (63) soll den glücklosen Aldemir Bendine ablösen, so Interimspräsident Michel Temer. Bendine hatte den Posten als Petrobras-Chef erst 2015 angetreten. Petrobras hat 78.500 Mitarbeiter, ist in 19 Ländern aktiv, fördert 2,8 Millionen Barrel Erdöl am Tag und besitzt 9.000 Tankstellen.

Pedro Parente, Konzernchef Petrobras:

“Petrobras braucht, wie gesagt, ein strikt professionelles Management. Wir sprechen über die Zusammensetzung des Verwaltungsrates, des Vorstands, wo wir schauen werden, was braucht das Unternehmen in diesen Funktionen, um den Anforderungen im Interesse des Unternehmens gerecht zu werden.”

Der 1953 gegründete halbstaatliche Konzern ist nach einem großen Korruptionsskandal um Schmiergeldzahlungen bei Auftragsvergaben, etwa für den Bau von Bohrinseln, in einer existenziellen Krise. 2015 machte Petrobras – auch wegen des gefallenen Ölpreises – den bisher größten Verlust seiner Geschichte – 8,8 Milliarden Euro. Nach Jahren satter Gewinne war es der zweite Verlust in Folge.

Pedro Parente, Konzernchef Petrobras:

“Es gibt keine politischen Vorgaben für Positionen im Unternehmen, was das Leben des Verwaltungsrats und mein Leben einfacher macht. Wenn das jemand versuchen würde – wovon ich nicht ausgehe – werden diese Vorgaben nicht akzeptiert.”

Ein ehrgeiziges Entfilzungsvorhaben von Staat und Wirtschaft: Nicht nur war Parente von 1999 bis Ende 2002 Kabinettschef des damaligen Präsidenten Fernando Henrique Cardoso.

Die suspendierte linksorientierte Staatspräsidentin Dilma
Rousseff – Vorwurf: Verschleierung des wahren
Haushaltsdefizits – war 2003 bis 2010 als Energieministerin und später Stabschefin sieben Jahre lang Vorsitzende des Aufsichtsrats von Petrobras.

Brasilien, bisher siebtgrößte Volkswirtschaft der Welt, ist in einer tiefen Rezession: Die Wirtschaftsleistung brach 2015 um 3,8 Prozent ein, 2016 könnten es minus 3,5 Prozent werden.

Sigrid Ulrich mit dpa, Reuters

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