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Wettbewerb um Londoner Finanzjobs: Vom Nebel in den Froschteich


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Wettbewerb um Londoner Finanzjobs: Vom Nebel in den Froschteich

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Wer zu einem Franzosen “frog” (Frosch) sagt, riskiert eigentlich eine Ohrfeige. Jetzt bezahlt das Département des Hauts-de-Seine im Westen von Paris eine Kampagne, die Banker von London an die Seine locken soll. In dem Département liegt das Finanzzentrum “La Défense”, es gilt als Europas größte Bürostadt.

Da sitzt also der französische Frosch – abgeleitet vom ursprünglichen Schimpfnamen “Froschschenkel” (“frog legs”) – mit seinem Schlips in den Nationalfarben vor der Skyline von “La Defense” und drunter steht: “Nase voll vom Nebel? Probier’s mit den Fröschen” (“Tired of the fog? Try the frogs”). Er sitzt am Flughafen London Heathrow und am Londoner Bahnhof des Eurostar. “So bedauerlich auch Großbritanniens Ausstieg aus der Europäischen Union sein mag,” so Patrick Devedjian vom Département Hauts-de-Seine, “wir müssen pragmatisch sein und unsere eigene Sache fördern.”

BEGEHRTE FINANZJOBS DERROSBIFS

Die Finanzjobs der “Rosbifs” (von “roast beef” – französischer Spottname für Briten) ‎sind ein fetter Brummer für die “Frösche” aus Paris:

In der City London konzentrieren sich 41 Prozent des weltweiten Devisenumsatzes, mehr als das Doppelte des nächsten Wettbewerbers, New York, laut Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Paris kommt zur Zeit auf etwa 3 Prozent des weltweiten Devisenumsatzes.

Rund 85 Prozent der in Europa ansässigen Hedgefonds sitzen in London, nebenbei auch der führende internationale Versicherungs- und Rückversicherungsmarkt.

In der Londoner City arbeiten zur Zeit 360.000 Menschen im Finanzsektor, mehr als doppelt so viele wie in “La Défense” (alle Branchen zusammen 160.000), fast sechsmal so viele wie in der Frankfurter Bankenszene (66.000). Das Beratungsunternehmen Oliver Wyman schätzt, dass bei einem “Brexit” rund 75.000 Jobs im britischen Finanzsektor verloren gehen könnten.

Und was ist mit Frankfurt, Dublin, Luxemburg und Amsterdam und deren “City”-Ambitionen?

„Frankfurt ist leise und effizient. Wir setzen auf leise Worte und nüchterne Argumente,“ sagt Hubertus Väth, Geschäftsführer der Finanzplatzinitiative ""Frankfurt Main Finance"". Würstchen, Meister Goethe und Äppelwoi bleiben aus dem Spiel, man setzt auf die Europäische Zentralbank und 200 Auslandsbanken, die schon da sind. Und immerhin ist die Börsenfusion London-Frankfurt noch nicht abgeblasen, über den Standort nicht entschieden: “Welcome to Frankfurt-Rhein-Main.”

Obwohl sie dort in Selbstironie auch nicht schlecht sind:

Sigrid Ulrich mit Reuters

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