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Schutz von Ideen und Leben

Wettbewerbsfähiger dank Schutz des geistigen Eigentums. Ein Beispiel aus Malmö in Schweden.

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Schutz von Ideen und Leben

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Warum sind kleine und mittlere Unternehmen, die in ihr geistiges Eigentum investieren, wettbewerbsfähiger? Warum schaffen sie mehr Arbeitsplätze? Antworten darauf findet Business Planet im schwedischen Malmö bei einer Firma, die einen Helm-Airbag für Radfahrer auf den Markt brachte. Je besser man sein geistiges Eigentum schützt, desto effizienter kann man seinen Markt nutzen.

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"Es gibt Studien, die belegen, dass Unternehmen, die in ihr geistiges Eigentum investieren und es schützen, mehr als 30 Prozent höhere Einnahmen haben als die, die es nicht tun."

Ann Charlotte Soderlund Björk Anwältin

Euronews-Reporter Serge Rombi sprach mit Ann Charlotte Soderlund Björk, Anwältin und Spezialistin für Rechte am geistigen Eigentum:

“Ja, es gibt Studien, die belegen, dass Unternehmen, die in ihr geistiges Eigentum investieren und es schützen, mehr als 30 Prozent höhere Einnahmen haben als die, die es nicht tun. Außerdem beschäftigen sie mehr Angestellte und können auch höhere Gehälter zahlen”, erklärt die Anwältin.

Airbag-Fahrradhelm zum Schutz von Leben

In Malmö hat euronews ein konkretes Beispiel gefunden: Ein Fahrradhelm mit Airbag. Im vergangenen Jahr verkaufte das Unternehmen 30.000 Stück in Europa und Japan.

Dank seiner Sensoren analysiert der Helm die Bewegungen des Radfahrers 200-mal pro Sekunde. Im Notfall entfaltet er sich innerhalb einer Zehntelsekunde. Seit der Einführung 2009 haben diese Airbaghelme mehr als 1000 potenziell tödliche Unfälle verhindert.

“Laut jüngsten Studien schützt unser Helm den Kopf bis zu acht Mal besser als herkömmliche Helme. Und es ist nicht irgendeine Studie, sondern sie kommt von der Stanford University”, sagt der Chef von Hövding Fredrik Carling.

Das Unternehmen investiert jährlich zwischen 20 und 30.000 Euro in den Schutz seines geistigen Eigentums. Auch deshalb betrug das Investitionsvolumen in den vergangenen zehn Jahren 25 Millionen Euro. Das Unternehmen wuchs von 2 auf 35 Mitarbeiter. Das Ziel ist, bis 2020 den Umsatz jährlich zu verdoppeln.

Recht am geistigen Eigentum (IPR)

  • Das Recht am geistigen Eigentum (intellectual property rights – IPR ) schützt die immateriellen Vermögenswerte von Unternehmen und ermöglicht ihnen, von ihren Ideen und Innovationen zu profitieren.
  • 42 Prozent des BIP der EU werden durch Industrien geschaffen, die reich an geistigem Eigentum sind. Sie bieten 60 Millionen Arbeitsplätze in Europa.
  • Unternehmen, die ihre Rechte am geistigen Eigentum (Intellectual Property – IP) schützen, haben 32 Prozent höhere Einnahmen als diejenigen, die das nicht tun. Sie beschäftigen auch mehr Menschen und zahlen höhere Gehälter.
  • Doch nur neun Prozent der europäischen KMU nutzen diese Möglichkeit im Vergleich zu 36 Prozent der großen Unternehmen. Sie sehen keine Vorteile im Schutz ihrer Rechte in diesem Bereich, es fehlt ihnen an Wissen und Know-how, oder sie finden die Verfahren, um die Rechte an ihrem geistigen Eigentum zu schützen zu teuer.

Nützliche Links

“In unser geistiges Eigentum zu investieren, erlaubt uns zweierlei – einerseits kontrollierter zu entscheiden, wie wir den Markt weiter aufrollen wollen. Und zweitens über den Bereich des Radfahrens hinaus in andere Bereiche vorzustoßen”, so Carling.

“Ann Charlotte, jetzt haben wir dieses Beispiel gesehen. Es ist sicherlich wichtig, seine Patente zu schützen, aber reicht das?”, fragt der euronews-Reporter.

EU-Netzwerk und Schulungen

Die Anwältin: “Nein. Man darf die anderen Rechte des geistigen Eigentums wie Marken, Design- und Urheberrechte und auch Geschäftsgeheimnisse nicht vergessen. Das alles zu schützen und zu vermarkten ist sehr wichtig.”

Weniger als 10 Prozent der europäischen KMUs schützen ihr geistiges Eigentum. Dabei gibt es Instrumente und sogar ein Netzwerk, das von der Europäischen Union eingerichtet wurde, das kleine und mittlere Unternehmen bei der Verwaltung ihres geistigen Eigentums begleitet.

“Ann-Charlotte, zum Abschluss ein kleiner Tipp: Es gibt einen europäischen Dienst für Unternehmer, die Märkte im Ausland erschließen wollen”, so der Euronews-Reporter. “Ja, es gibt KMU-IPR Helpdesks in China, Südostasien und Lateinamerika. Dort bekommen kleinere und mittlere Unternehmen Ratschläge von Experten und auch Schulungen”, erklärt die Anwältin.