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"Aquarius": Die Chronik einer Odyssee

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"Aquarius": Die Chronik einer Odyssee

"Aquarius": Die Chronik einer Odyssee
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Nach fünf nervaufreibenden Tagen auf dem Mittelmeer werden die 629 Migranten, die letzte Woche vor der Küste Libyens aus dem Meer gerettet wurden, bald in Spanien ankommen.

11 Kinder, sieben schwangere Frauen und 123 unbegleitete Minderjährige befinden sich an Bord der "Aquarius", zwei italienische Boote eskortieren das Schiff nach Spanien. Das Rettungsschiff "Aquarius" ist für die Organisationen "Ärzte ohne Grenzen" und "SOS Méditerranée" im Einsatz.

Euronews-Korrespondentin Anelise Borges ist als einzige Journalistin an Bord des Schiffes und hat alle Etappen seiner Irrfahrt durch das Mittelmeer begleitet und dokumentiert. Täglich berichtet sie von Bord. Sie hat mit Migranten, Freiwilligen und Helfern über ihre Ängste und ihre Zukunftspläne gesprochen.

Hier ein Überblick über die Ereignisse der vergangenen Woche:

7. Juni

Euronews-Korrespondentin Annelise Borges hat sich in der italienischen Hafenstadt Catania an Bord des Rettungsbootes "Aquarius" begeben. Von dort brechen viele Nicht-Regierungsorganisationen zu ihren Missionen auf, um Flüchtlingen aus Nordafrika bei der gefährlichen Überquerung des Mittelmeers zu helfen.

10. Juni

Anelise Borges ist an Bord der "Aquarius". Allein an einem Wochenende sind mehr als 600 Flüchtlinge von seeuntauglichen Booten oder aus dem Mittelmeer gerettet worden. Das Rettungsboot plant, die Flüchtlinge in Italien an Land zu bringen. Doch der neue italienischen Innenminister Matteo Salvini droht mit einer Hafensperre. Außerdem fragt er beim Inselstaat Malta um Aufnahme der Flüchtling an.

11. Juni

Ein Rettungsschiff "Aquarius" wartet auf grünes Licht, um mehr als 600 Flüchtlinge an Land zu bringen. Doch sowohl Italien und als auch Malta verweigern der "Aquarius" die Anlegeerlaubnis.

Während sich eine diplomatische Krise zwischen Italien und Malta hochschaukelt, warten mehr als 600 Einwanderer an Bord der Aquarius auf Hilfe. Die Zeit drängt - Nahrung und Wasser auf dem Rettungsschiff reichen für zwei bis drei Tage.

12. Juni

"Ich habe Jura studiert. Ich will helfen. Ich will Boko Haram. Ich möchte eine Anwältin werden", sagt ein Passagier. Pläne, die in weiter Ferne scheinen.

Doch es gibt Hoffnung auf eine baldige Anlandung. Spanien bietet der "Aquarius" an, die Flüchtlinge aufzunehmen. Aber sie dort ankommen, dauert es noch mindestens drei Tage. Freiwillige und Helfer befürchten, dass die Nahrungsmittelvorräte schnell zu Ende gehen könnten.

Unsere Korrespondentin Anelise Borges spricht mit Passagieren der "Aquarius", viele von ihnen haben eine traumatisierende Reise mit Gewalt, Missbrauch und Todesdrohungen hinter sich.

13. Juni

Es geht vorwärts, die "Aquarius" nimmt Kurs auf Spanien. Die Flüchtlinge sind erleichtert, weil ein Ende ihrer Odyssee in greifbare Nähe rückt.

"Wir bitten Gott Spanien zu segnen und alle Länder, die mit Europa zusammenhängen. Danke", sagt ein junger Nigerianer an Bord.

Ein Schiff der italienischen Marine und ein Schiff der Küstenwache haben 500 Personen an Bord genommen, jetzt eskortieren sie die "Aquarius", auf der sich jetzt etwas mehr als 100 Migranten befinden, nach Valencia.

Doch die Fragen bleiben: Was passiert als nächstes? Werden sie in Europa bleiben können? Wenn nicht, was wird aus ihnen?

14. Juni

Die politische Krise zwischen Italien und Malta hat sich auch auf Frankreich ausgeweitet. Der französische Präsident Emmanuel Macron hatte Italien "Zynismus und Verantwortungslosigkeit" vorgeworfen, weil es sich weigerte, das Rettungsschiff "Auqarius" in einen italienischen Hafen einfahren zu lassen. Daraufhin hatte Italiens Innenminister Matteo Salvini eine Entschuldigung gefordert und mit einer Absage eines Treffen zwischen Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte und Macron gedroht.

Das Schiff von Ärzte ohne Grenzen und der französischen Hilfsorganisation SOS Mediterranée nähert sich unterdessen dem Zielhafen Valencia in Spanien. "Eine Ausnahmelösung", so Außenminister Josep Borrell. Auf dem EU-Gipfel am Monatsende müsse man dringend über dieses "Problem aller Staaten" sprechen.