Erinnerungen an die Mondlandung: Matera lässt den Apollo-Soundtrack aufführen

Erinnerungen an die Mondlandung: Matera lässt den Apollo-Soundtrack aufführen
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50 Jahre ist es her, dass Apollo 11 auf dem Mond landete, aber die Bilder von Menschen auf der staubigen Mondoberfläche mit der Erde im Hintergrund sind heute noch genauso atemberaubend wie 1969. In der Europäischen Kulturhauptstadt 2019 Matera im Süden Italiens soll diesem denkwürdigen Ereignis nun erneut Leben eingehaucht werden. Der Apollo-Soundtrack, eine Multimedia-Performance, wird auf dem atemberaubenden Open-Air-Gelände Cava del Sole aufgeführt.

Matera setzt alle Hebel in Bewegung, um dieses Jahr eine feste Größe in der Kulturlandschaft Europa zu sein. Die beeindruckende und immersive Apollo-Aufführung ist nur eins der zahlreichen Spektakel, die die Stadtbevölkerung und Gäste dort erwarten. Der Apollo-Soundtrack wurde 1983 vom Ambient-Meister Brian Eno, seinem Bruder Roger Eno und Daniel Lanois geschrieben. Die Musik nimmt die Vorstellungen, die wir alle von der Mondlandung haben, und verwandelt die unscharfen Bilder in ein meditatives Klanggerüst, das das Publikum über die Bedeutung der Mondlandung reflektieren lässt. Die ikonischen Bilder werden von leichten und schwerelosen Klängen untermalt, und der Soundtrack scheint neben dem Ereignis an sich auch den Mond als Inspiration für menschliche Ziele und Träume thematisieren zu wollen.

Die Aufführung des Apollo-Soundtracks in Matera findet am 18. Juli statt. Roger Eno tritt gemeinsam mit dem zeitgenössischen Ensemble Icebreaker auf, das aus 12 britischen Musikern besteht. An der Stahlsaitengitarre wird BJ Cole zu hören sein und das Cello übernimmt die Isländerin Gyða Valtýsdóttir von der experimentellen Elektrogruppe Múm. „Viele glauben, dass Wissenschaft und Kunst nicht zusammenpassen, aber das stimmt nicht“, sagte James Poke, Mitgründer von Icebreaker, zu Ansa. „Man benötigt [für beides] Disziplin, Kreativität und Vorstellungskraft.“

Die Integration einer Stahlsaitengitarre in der Komposition geht darauf zurück, dass jeder der Apollo-Astronauten eine Kassette mit in den Weltraum nehmen durfte und sich bis auf einen alle für Countrymusik entschieden. Daraus ging Enos Konzept der „schwerelosen Countrymusik“ hervor, das die sonst eher minimalistisch gehaltenen Lieder auflockert. Die sanften, schwebenden Töne der Stahlsaitengitarre fungieren als Echo der kalten Weite des Weltraums.

Die Bevölkerung von Matera hat einen ganz eigenen Bezug zu dem unvergesslichen Tag 1969, an dem Neil Armstrong und Buzz Aldrin die ersten Schritte auf der Mondoberfläche machten. Der Ingenieur Rocco Petrone, Sohn einer eingewanderten Familie aus der Basilikata-Region, überwachte alle NASA-Starts und war derjenige, der die endgültige Starterlaubnis für die Apollo-Missionen gab. Die Aufführung soll daher auch eine Würdigung seiner Arbeit sein.

Doch Matera will als Europäische Kulturhauptstadt 2019 nicht nur die Vergangenheit ehren, sondern auch in die Zukunft blicken. Das Giuseppe Colombo Centre for Space Geodesy in Matera schickt regelmäßig Laserstrahlen zum Mond, die von Reflektoren zurückgeworfen werden, die von den Apollo-Missionen und den sowjetischen Lunochod-Mondmobilmissionen aufgestellt wurden. Die Laserstrahlen messen die Entfernung zwischen Erde und Mond und ermöglichen Erkenntnisse über die allgemeine Relativitätstheorie und die innere Mondstruktur. Außerdem erstellt das 1983 von der italienischen Raumfahrtagentur ASI gegründete Giuseppe Colombo Centre auch Bilder von der Erde aus dem Weltraum, die wichtige Informationen über Vegetation, Luftverschmutzung, Grundwasser, Gletschererosion, Biodiversität und Naturkatastrophen liefern.

Während der Aufführung des Apollo-Soundtracks werden in der Cava del Sole Bilder der Mondlandung sowie spektakuläre Satellitenbilder der Erde zu sehen sein, die vom Matera Space Centre bereitgestellt werden. Das Space Centre wird vom Geoinformations-Gemeinschaftsunternehmen e-GEOS geleitet, das ein Zusammenschluss aus Telespazio (80 %) und ASI (20 %) ist. Telespazio wiederum gehört zu zwei Dritteln dem Luft- und Raumfahrtkonzern Leonardo, der auch die Veranstaltung sponsert. e-GEOS spielt eine wichtige Rolle bei der Erstellung und Verarbeitung von Satellitenbildern, die die Gesundheit unseres Planeten protokollieren und schützen und letztlich die Lebensqualität der Menschheit verbessern sollen.

Auch nach 50 Jahren ist es immer noch erstaunlich, unseren Planeten aus dem Weltall zu sehen. Brian Eno erinnert sich noch genau an die Fernsehübertragungen der Mondlandung. „Ich erinnere mich, wie seltsam das war, die Bilder auf dem kleinen Schwarzweißfernseher zu sehen, dann hoch zum Mond zu blicken und mir geschockt vorzustellen, was gerade in diesem Moment da oben passiert“, sagte Eno in The Guardian. „Es war einer dieser Augenblicke, an dem die Zeit still zu stehen scheint und etwas, das vorher unwirklich erschien, plötzlich wahr wird.“ In diesem Sommer soll der Apollo-Soundtrack an das legendäre Ereignis erinnern, seine einzigartige Aufregung und Ehrfurcht neu erwecken und uns alle daran erinnern, dass das Unmögliche näher ist, als es scheint.