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Übersteht Boeing das 737-Debakel?

Übersteht Boeing das 737-Debakel?
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Das euronews-Wirtschaftsprogramm "Business Line" dieses Mal mit folgenden Themen: Der weltweite Flugverkehr wurde durch das Flugverbot für Boeings 737-MAX-Flotte stark beeinträchtigt. Welche finanziellen Auswirkungen hat das auf den amerikanischen Flugzeughersteller? Wir stellen Ihnen ein florierendes Marketingunternehmen vor, das sich um die Sicherheit personenbezogener Daten kümmert. Und euronews spricht mit einer Expertin über Cybersicherheit.

Boeing: "too big to fail"?

Der globale Flugverkehr erlitt einen Schlag durch das Flugverbot für die Boeing 737 MAX-Flotte: Diese Flugzeuge mussten Anfang des Jahres nach zwei tödlichen Unfällen am Boden bleiben. Jetzt ist die Fabrik des Flugzeugherstellers wohl der teuerste Parkplatz der Welt. Dort stehen Dutzende Flugzeuge in Warteposition.

Das sind die Folgen nach zwei Flugzeugabstürzen - mit Ethiopian Airlines im März und fünf Monate zuvor eine Lion Air-Maschine in Indonesien. Damals sagten einige Analysten voraus, dass der Flugzeugbauer bzw. die MAX-Serie zu groß seien, um sie untergehen zu lassen.

Boeing kündigte kürzlich an, im zweiten Quartal dieses Jahres Sonderkosten in Höhe von 4,3 Milliarden Euro zu verbuchen. Dieses Geld soll für potenzielle Entschädigungen der betroffenen Fluggesellschaften verwendet werden.

"Sie haben verstanden, dass es allgemeiner Konsens ist, dass Boeing einen Großteil der Verantwortung für das, was passiert ist, trägt", meint Verkehrsexperte Seth Kaplan. "Sie machen endlich diesen proaktiven Schritt, dieses Geld auszahlen, ohne dass sie dazu gezwungen werden."

Obwohl das Unternehmen unter der eingebrochenen 737-Produktion leidet, die später im Jahr wieder anziehen soll, stieg die Aktie bei Bekanntgabe der Kompensationsabsichten um zwei Prozent.

Zwar wird erwartet, dass die 737-MAX-Flugzeuge im vierten Quartal dieses Jahres wieder in Dienst gestellt werden. Da Boeing aber strenge Kontrollen von Aufsichtsbehörden weltweit durchlaufen muss, kann der Flugzeugtyp länger als erwartet am Boden bleiben.

Cybersicherheit treibt Unternehmer um

Der Weg zur digitalen Gesellschaft verläuft nicht ohne Probleme. Laut der "Pulse Report"-Studie halten fast siebzig Prozent der Führungskräfte im Mittleren Osten digitale Akzeptanz und Cybersicherheit für die größten Hemmnisse in ihrem Unternehmen. Was können sie tun, um diesen Herausforderungen zu begegnen? Darüber sprach euronews-Reporterin Rebecca McLaughlin-Eastham mit Alya Al Zarouni vom Internationalen Finanzzentrum in Dubai.

"Die wichtigsten Ergebnisse der Studie - die sich mit der Einstellung von Führungskräften zum Corporate Learning und Entwickeln von Unternehmen beschäftigt -, ist zum einen die Tatsache, dass Cybersicherheit, große Datenmengen und digitale Übernahme bzw. Transformation heute an der Spitze der Prioritäten von Führungskräften weltweit stehen", sagt Alya Al Zarouni. "Das ist überraschenderweise im Mittleren Osten noch ausgeprägter. Auch Weiterbildung ist nach wie vor eine Priorität, das ist ein weiterer Aspekt. Unternehmer glauben, dass Schulungsanbieter sich und ihre Programme neu erfinden müssen, um sicherzustellen, dass sie den aktuellen und zukünftigen Bedürfnissen ihrer Unternehmen gerecht werden. Es bleibt also noch viel zu tun."

Euronews-Reporterin Rebecca McLaughlin-Eastham:"Die Studie beleuchtet die Herausforderungen, vor denen Führungskräfte im gesamten Nahen Osten stehen. Aber wie ist die Situation in den Vereinigten Arabischen Emiraten im Vergleich zu den anderen?"

Alya Al Zarouni:"Es besteht die Notwendigkeit, schneller zu werden. Einer der Gründe dafür könnte sein, dass wir in Sachen digitaler Transformation wirklich den Rückstand aufgeholt haben. Natürlich wird Cybersicherheit ein Thema: Wenn es mehr Systeme gibt, hat man mehr Daten im Internet in Clouds und auf Servern. Man muss seine Daten schützen."

Euronews:"Wie schneidet die VAE im Vergleich zum Rest der Region ab?"

Alya Al Zarouni: _"Meiner Meinung nach haben die VAE die Bedeutung der Studienergebnisse in Bezug auf Cybersicherheit, Datenschutz und Digitalisierung bereits vor vielen Jahren erkannt. In Dubai gibt es Vorschriften zur Informationssicherheit, wir und alle Regierungsstellen sind verpflichtet, bestimmte Anforderungen zu erfüllen, um sicherzustellen, dass in Dubai jedermanns Daten geschützt sind."
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Humankapital ist ein wichtiges Gut

Euronews:"Was sind die wichtigsten Lehren aus dem 'Pulse Report'?"

Alya Al Zarouni:"Unternehmen müssen wirklich massiv in die Fortbildung und Entwicklung ihrer Mitarbeiter investieren. Denn alle Kontrollen in ihrem System für Cybersicherheit helfen ihnen nicht viel, wenn ihre Mitarbeiter nicht wissen, wie sie sich in solchen Situationen verhalten sollen. Für ein Unternehmen ist es sehr wichtig, nachhaltig zu sein, zu wachsen und voranzukommen. Aber das Humankapital ist genauso wichtig. Mitarbeiter können voneinander lernen. Bei uns im Finanzzentrum bilden Mitarbeiter intern andere Mitarbeiter aus. Es gibt auch Ausbildung am Arbeitsplatz sowie Mentoren. Das ist eine wertvolle Hilfe, um intern zu wachsen. Und dann gibt es noch das E-Learning, das sich immer mehr entwickelt. Wir verzeichnen tatsächlich gute Ergebnisse damit."

Euronews:"Beeindruckend. Sie haben als Programmiererin gearbeitet. Wie sind Sie dazu gekommen und gibt es besondere Herausforderungen vor denen Frauen im Technologiesektor stehen?"

Alya Al Zarouni:"Ich habe drei Jahre lang als Programmiererin gearbeitet und obwohl ich es damals hasste, hat es mir tatsächlich einen Vorteil verschafft und mir sehr geholfen, innerhalb des Finanzzentrums voranzukommen. Denn alles, was wir heute tun, dreht sich um die Automatisierung, egal ob man in der IT, im Beschaffungswesen oder einer Abteilung arbeitet, die mit Kunden zu tun hat. Die Ausbildung als Programmiererin half mir, diese Prozesse zu strukturieren. Als ich vor vielen Jahren in der IT anfing, war das wirklich eine Männerdomäne. Aber heutzutage gibt es, besonders in den VAE, viele Frauen in Führungspositionen und als Leiterinnen von IT-Abteilungen. Das ist wirklich interessant."

Wann werden Grenzen im Datenschutz überschittten?

Datenschutz hat sich in den vergangenen Jahren zu einem brandheißen Thema entwickelt. Ab welchem Punkt überschreiten Unternehmen die Grenze bei der Erfassung persönlicher Daten? Darüber hat euronews-Reporter James O'Hagan auf dem "AI-Everything"-Gipfel mit Jonathan Lacoste gesprochen, dem Mitbegründer von Jebbit.

"Die Idee von Jebbit ist, dass im digitalen Marketing jede Website, die Sie besuchen, jede E-Mail, die Sie sehen, die ganze Welt versucht, persönlicher zu werden, man den Kunden besser verstehen will", erzählt der Internet-Unternehmer. "Die Daten, die Marketingspezialisten dafür verwenden, werden Verhaltens- und Transaktionsdaten genannt. Im Grunde analysieren wir alles, was Sie in der Vergangenheit angeklickt und alles, was Sie gekauft haben, um vorherzusagen, wofür Sie sich interessieren könnten. Und Jebbit verfolgt den Ansatz: Warum fragen wir nicht einfach nach. Warum führen wir kein Gespräch mit dem Kunden. Wir entwickeln eine Technologie, die genau das den Vermarktern ermöglicht, die mit diesen Daten ihre Personalisierungsstrategie mit Künstlicher Intelligenz entwickeln.

Euronews:"Spielen ethische Gesichtspunkte eine Rolle?"

Jonathan Lacoste:Das ist die zentrale Frage. Ein Technologieunternehmen fragt nach ihrer Einwilligung, wenn Sie die Website besuchen, gibt sie aber an drei weitere Werbe- und Marketingfirmen weiter, um Ihnen relevante E-Mail- oder personalisierte Werbung senden zu können. Oft sind Dutzende Unternehmen an diesem Prozess beteiligt. Dann ist nur noch schwer zu durchschauen, wer die Datenkontrolle hat und wer sie verarbeitet."

Euronews:"Von welchen neuen Technologieanwendungen sind Sie begeistert?"

Jonathan Lacoste:"Im Marketing gibt es bisher nur sehr wenige echte Anwendungen von Künstlicher Intelligenz im großen Stil. Als Kunde bin ich besonders begeistert über die Fortschritte beim autonomen Fahren, ein Bereich in dem insbesondere Tesla voran prescht und Elon Musk vor kurzem bis Ende nächsten Jahres eine Flotte an autonomen Roboter-Taxis versprach. Tesla-Besitzer sollen dann ihr Fahrzeug über eine App im Ride-Sharing-Netzwerk zur Verfügung stellen können, wenn sie es selbst nicht benötigen. Und jedes Mal, wenn ich entweder in einen Tesla steige oder ein wenig mehr über Künstliche Intelligenz lese, die das alles vorantreibt. Es ist einfach so beeindruckend, wie dieses Unternehmen es schafft, Software-Updates an seine Autos zu senden, die sich dadurch kontinuierlich verbessern, anstatt ein Auto zu kaufen und es mit der Zeit abzunutzen. Es gibt in der Automobilindustrie einfach so viel Raum für Innovationen und wir stehen erst am Anfang."