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FinTech: ein Strukturschock für den Finanzsektor

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FinTech: ein Strukturschock für den Finanzsektor
Copyright  euronews   -   Credit: Dubai Tourism
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Die globale Finanzlandschaft unterliegt einem tief greifenden Veränderungsprozess. Er wird durch die Finanztechnologie, kurz "FinTech", angetrieben. Dubai bietet einen speziellen FinTech-Fonds mit 90 Millionen Euro, Mentoren-Unterstützung über Start-up-Entwicklungsprogramme sowie die Möglichkeit, sich auf großen Tech-Veranstaltungen zu vernetzen. Zahlen sich Innovationen im Finanzsektor für die Nutzer aus? Das ist das Thema diese Target-Folge aus Dubai.

Seit 2018 sind in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) fast die Hälfte der FinTech-Startups in der Region Naher Osten-Nordafrika (MENA-Region) beheimatet. 2019 entfielen 47 Prozent der FinTech-Investitionen in der MENA-Region auf die VAE. Und die Emirate erhielten im gleichen Zeitraum satte 69 Prozent der gesamten Fondsmittel.

FinTech setzt traditionelle Unternehmen unter Druck

Mit Innovationen in Bereichen wie Mobiltelefonie und Big Data fordert FinTech Großbanken heraus. Wie fördert man Fintech-Startups? In Dubai gibt es dafür die DIFC: Das "Dubai International Financial Centre" ist eine Sonderwirtschaftszone, die 2004 gegründet wurde und ein Finanzzentrum für den Nahen Osten, Afrika und Südasien ist.

"Um Start-ups speziell im Bereich Fintech anzuziehen, muss man ein attraktives Wirtschaftssystem aufbauen, das ihnen den Zugang zu diesem Sektor ermöglicht", sagt Raja Al Mazrouei, geschäftsführende Vizepräsidentin DIFC FinTech Hive. "Dazu gehört: Zugang zu Regulierungen, Zugang zu Finanzmitteln. Das DIFC hat einen 100 Millionen Dollar schweren Fonds für Investitionen in Fintech aufgelegt. Und hier kommt unser Entwicklungsprogramm ins Spiel, bei dem wir Start-ups die Möglichkeit geben, ihre Ideen bei mehr als 22 Finanzinstitutionen vorzustellen."

Talal Tabbaa, Chef und Co-Gründer Jibrel Network, berichtet über seine Erfahrungen: "Die Teilnahme am DIFC-FinTech-Programm hat uns definitiv sehr geholfen. Vor allem in Bezug auf die Visa und die subventionierten Büroräume. Alles war sehr gut durchdacht. Wir haben Niederlassungen in der Schweiz, in Russland, in den USA, in Bahrain und Jordanien gegründet, und die Gründung in Dubai war definitiv die beste Erfahrung."

Dubai stellt die Weichen für eine zukunftsfähige Wirtschaft

Die STEP-Konferenz in Dubai ist eine Netzwerkveranstaltung für junge FinTech-Unternehmen: "Es geht darum, Dubai als globales Start-Up-Drehkreuz aufzubauen, das die besten Start-ups und Technologien der Region und Dubais präsentiert", meint Ray Dargham, Chef und Gründer Step Group.

Sarwa ist ein FinTech-Start-up, das an dem DIFC Fintech-Entwicklungsprogramm teilgenommen hat. Seit seinem Start 2018 ist die Firma exponentiell gewachsen:

"Sarwa ist ein "Robo Advisor" (Algorithmen-basiertes System, das automatische Empfehlungen zur Vermögensanlage gibt). Wir helfen Menschen, ihr Geld auf internationalen Märkten zu investieren. Man beantwortet einfach ein paar Fragen auf unserer Webseite. Auf dieser Grundlage bewerten wir das Risikoprofil und empfehlen ein Investitions-Portfolio. Das Geld wird in internationale Märkte investiert. Wir sehen ein monatliches Wachstum von etwa 20 Prozent", sagt Nadine Mezher, Co-Gründerin und Marketingchefin.

Der Risikokapitalfonds "500 Startups" verwaltet ein Vermögen von 370 Millionen Euro in über 2000 Investitionen in über 75 Ländern. Was muss ein Start-up bieten, damit Geld fließt?

"Ehrlich gesagt, das Wichtigste ist die Qualität des Teams", meint Hassan Haider, Partner des 500-Startups-Fonds. "Und dabei geht es mir nicht um Ausbildung oder die Herkunft oder ähnliches. Es geht um die Frage, ob die Leute sich anstrengen. Wollen sie um jeden Preis Erfolg haben? Können sie auch mit Problemen und Hindernissen fertig werden? Wir suchen nach diesem Funken Leidenschaft, Entschlossenheit und einem Hinweis darauf, dass sie bereits etwas geleistet haben. Sie haben sich bereits mit ihrer Idee auf dem Markt ausprobiert."

FinTech-Start-ups als Mittler

Manche Banken haben Mühe, mit dem Innovationstempo im Finanzsektor Schritt zu halten. Es gibt Fintech-Startups, die genau das ändern wollen:

"Verbraucher mögen die traditionellen Arten des Bankgeschäfts nicht mehr", meint Mirna Sleiman, Gründerin und Chefin FinTech Galaxy."Jede Bank spürt jetzt den Technologiedruck. Irgendwann müssen sie sich überlegen, mit wem sie sich zusammenschließen. Wir übernehmen die Suche für sie. Wir überprüfen die FinTechs, wir kennen sieund wir vermitteln die Kontakte zwischen den FinTechs und den Institutionen."

FinTech-Start-ups wirbeln die Branche durcheinander: Viele etablierte Institutionen folgen dem Motto: "Ich kann's nicht verhindern, also gehe ich's an".