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Wie Emirates aus der Krise fliegt

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Von James O'Hagan
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Wie Emirates aus der Krise fliegt
Copyright  euronews   -   Credit: Dubai
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Heute zu Gast in Interview ist Sir Tim Clark), der Präsident von Emirates Airline. Er arbeitet seit über drei Jahrzehnten für das Unternehmen und hat es durch mehrere Krisen geführt, nicht zuletzt durch die derzeitige Covid-19-Pandemie.

Euronews-Reporter James O'Hagan:

Dubai war eine der ersten Flugdestinationen, die aus dem Lockdown herauskam. Wie hat man das geschafft?

Sir Tim Clark, Präsident Emirates Airline:

Es war eines der ersten Länder - nicht das einzige Land, das die Regeln zum Umgang mit COVID wirklich umgesetzt hat, sei es die soziale Distanzierung, "track and trace", das Tragen von Masken und so weiter. Man konnte das Virus also besser als in vielen anderen Ländern unter Kontrolle bringen. Auch wir bei Emirates hatten viele Schutzmaßnahmen ergriffen, wie Hygiene- und Gesundheitsregeln in den Flugzeugen, persönliche Schutzausrüstung für die Besatzung, Protokolle in Bezug auf die Essensausgabe und den Flughafen. Es war ein guter Zeitpunkt, um wieder zu starten. Das deckte sich mit den Überlegungen der Regierung. Und so legten wir los. Wir profitieren von dem Flugkorridor, der zwischen Großbritannien und den Vereinigten Arabischen Emirate geschaffen wurde. Die Nachfrage steigt und die Buchungen haben ab Mitte Dezember zugenommen.

**Euronews:

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Es war ein schwieriges Jahr für Emirates, Sie haben kürzlich den ersten Verlust seit über drei Jahrzehnten bekannt gegeben. Aber es wurde berichtet, dass Sie sehr optimistisch für das Jahr 2021 sind. Sie erwarten, dass die gesamte A380-Flotte wieder einsatzbereit ist. Woher kommt dieser Optimismus?

Sir Tim Clark:

Ich glaube wirklich daran, dass die besten Köpfe der Welt in der medizinischen Forschung, in der Pharmazie und in den Regierungen erkannt haben, dass der einzige Ausweg aus dieser Krise ist, schnell einen wirksamen Impfstoff zu entwickeln. Und genau das ist passiert. Ich habe noch nie erlebt, dass etwas erfolgreich so forciert wurde. Aber genau das ist passiert. Wir bereiten uns darauf vor, die 380er-Flotte so schnell wie möglich zu reaktivieren, parallel zum Wachstum der Nachfrage in unserem gesamten Netzwerk, und hoffen, dass alle Flugzeuge bis nächstes Jahr um diese Zeit fliegen werden.

Impfbestimmungen ist Sache der Länder

Euronews:

Qantas-Chef Alan Joyce wurde kürzlich mit der Aussage zitiert, dass internationale Passagiere geimpft sein müssen, bevor sie an Bord dürfen. Ist es Sache der Fluggesellschaften, den Menschen diese Regeln vorzuschreiben?

Sir Tim Clark:

Die Regelung der Impfbestimmungen wird nicht von den Fluggesellschaften entschieden werden. Das wird Sache der Länder sein, in die diese Menschen reisen. Die Länder müssen also zufriedenstellende Einreisebestimmungen festlegen und darauf achten, dass die Menschen die Impfbestimmungen einhalten. Und daraus ergeben sich dann die Anforderungen vor einer Reise. Ich glaube eher nicht, dass diese weltweit einheitlich sein werden. Es wäre schön, wenn die G20 mit einer einheitlichen Bestimmung aufwarten. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das der Fall sein wird. Die Fluggesellschaften werden sich also anpassen müssen, so wie sie es in den vergangenen sechs Monaten mit all den verschiedenen Anforderungen der Länder tun mussten.

Euronews:

Wie behalten Sie da den Überblick?

Sir Tim Clark:

Das ist eine Herkulesaufgabe. Die Situation vor dem Abflug ist sehr unbeständig. Wir haben darauf keinen Einfluss und die Länder haben ihre Meinung zu bestimmten Zeiten im Juli, August und September etwa alle 10 Minuten geändert.

Mit dem Frachtgeschäft durch die Krise steuern

Euronews:

Zu Beginn der Pandemie haben Sie Ihr Geschäftsmodell ziemlich schnell geändert, die Fracht nimmt einen wichtigen Platz ein. Hat sich das fortgesetzt oder schwenken Sie zurück zu den kommerziellen Flügen?

Sir Tim Clark:

Nein, ganz im Gegenteil, die Fracht entwickelt sich weiterhin prächtig. Die Nachfrage danach ist sehr stark. Die internationale Langstrecken-Kapazität ist fast vollständig verschwunden. So hat Emirates jetzt 151 ihrer 777er im Einsatz. Einige von ihnen sind reine Frachtflugzeuge. Viele davon haben wir für Passagiere angepasst. Das haben wir ziemlich früh getan, als absehbar war, was passieren würde. Denn was auch immer mit der Weltwirtschaft passiert, Waren werden immer transportiert. Aktuell fliegen wir etwas mehr als 104 Ziele an. Das ist nur ein bisschen weniger als die 142, die wir normalerweise anfliegen. Die meisten dieser Flugzeuge transportieren Fracht, sehr ertragreiche Fracht. Mit unserer Restrukturierung konnten wir Passagiere auf diese Flüge bringen. Alles in allem war diese Operation also besonders erfolgreich.

Euronews:

Hat dieses Jahr Emirates eine Denkpause verschafft, wie das Unternehmen seine Strategie nachhaltiger ausrichten kann?

Sir Tim Clark:

_Das ist unabdingbar für unser Geschäft. Nicht nur in Bezug auf den Antrieb, d.h. den Treibstoff, den wir verbrauchen, sondern auch in Bezug auf alle anderen Aspekte, wie wir unser Geschäft betreiben, sowohl an den Flughäfen als auch innerhalb des Unternehmens, usw. Und es gibt messbare Veränderungen in der Art und Weise, wie wir das tun. Und unser CO2-Fußabdruck ist schon seit langem rückläufig. Biokraftstoffe sind in vielerlei Hinsicht der Weg in die Zukunft. Das Problem ist die Skalierbarkeit der Produktion. Mir hat es schon immer Sorgen bereitet, dass man mit Biokraftstoffen sehr viel Land, oder Meer für die Algenproduktion benötigt, um die thermische Leistung zu erhalten, die der eines Düsentriebwerks entspricht. Es wird also immer schwierig sein, den benötigten Umfang zu erreichen. Vergessen Sie nicht, dass Emirates 100 Millionen Barrel Öl pro Jahr verbrauchen, das ist ein Prozent... die Tagesproduktion der Weltwirtschaft. Auf dieses Niveau zu kommen, ist also ziemlich schwierig. Welche Möglichkeiten gibt es? Es gibt Elektromotoren, aber ich glaube nicht, dass sich dieser Antrieb bei Flugzeugen durchsetzen wird. Elektoantrieb ist gut für die Automobilbranche, gut für eine Menge Dinge, aber nicht um ein 600 Tonnen schweres Flugzeug mit 600 Meilen pro Stunde (ca. 966 km/h) zu bewegen und 500 Menschen zu befördern. Das wird nicht funktionieren.
_

Wasserstoff - der Antrieb der Zukunft?

Euronews:

Was halten Sie von Wasserstoff?

Sir Tim Clark:

Wasserstoff könnte das Problem lösen. Schon jetzt sehen wir im Automobilbereich, dass noch nicht entschieden ist, ob Wasserstoff besser ist als Elektro. Beide Antriebsarten existieren. Wenn überhaupt, dann wird das der Weg in die Zukunft sein.

Euronews:

Der Airbus 380 ist ein wichtiges Element Ihres Markenimages. Aber ist dieses Flugzeug sowohl ökologisch als auch ökonomisch so nachhaltig wie einige der neuen zweimotorigen Flugzeuge wie die Boeing 787 oder der Airbus A350?

Sir Tim Clark:

Der 380 wird immer als das am wenigsten nachhaltige - wenn man so will Sorgenkind in der Welt der Luftfahrt bezeichnet. Aber der Airbus 380, den wir mit Business- und Economy-Klasse anbieten, befördert 615 Passagiere. Wir setzen ihn beispielsweise auf der Strecke Dubai/London ein: Eine 787-9 müsste mehrmals diese Strecke fliegen, um 615 Passagiere zu befördern. Zählt man dazu, dass die 787-9 in Heathrow und Dubai mehrfach abgefertigt werden muss, erhöht sich der CO2-Fußabdruck dieses Jets im Vergleich zu einem Einsatz der 380 in vielerlei Hinsicht. Der Airbus A380 ist also ein besseres Flugzeug für die Arbeit, für die wir es einsetzen. Aber die Fluggesellschaft reduziert pro Sitzplatzkilometer ohnehin schrittweise ihren CO2-Fußabdruck.