Euronews Business analysiert, wie sich die Wohneigentumsquote junger Europäer im Vergleich zu früheren Generationen verändert hat und welche Kräfte dahinterstehen.
Europa steckt in einer schweren Wohnungskrise, und vor allem junge Menschen geraten unter Druck. Viele träumen von den eigenen vier Wänden, doch der Weg dorthin wird immer steiniger. Laut OECD liegt die Wohneigentumsquote der jüngeren Generationen deutlich unter der ihrer Vorgänger.
Wie haben sich die Eigentumsquoten zwischen den Generationen verschoben? Warum sinkt der Anteil junger Europäerinnen und Europäer mit eigenem Zuhause? Und in welchen Ländern ist der Druck besonders groß?
Dem Bericht „Mapping trends and gaps in household wealth across OECD countries“ zufolge kommen jüngere Generationen in Europa immer schwerer auf das gleiche Niveau beim Wohneigentum wie frühere Jahrgänge im gleichen Alter.
Die OECD-Zahlen bilden den Durchschnitt aus 20 EU-Staaten ab. Von den Menschen, die um 1975 herum geboren wurden, besaßen mit 32 Jahren 60 Prozent ein Eigenheim. Bei der 1980er-Kohorte waren es nur noch 58 Prozent, bei den im Jahr 1985 Geborenen 52 Prozent. Zwischen den Jahrgängen 1975 und 1985 liegt damit eine Lücke von 8 Prozentpunkten.
Mit 36 Jahren besaßen 65 Prozent der 1970er- und 1975er-Jahrgänge ein Eigenheim, bei der 1980er-Kohorte waren es nur 60 Prozent.
Ähnliches zeigt sich mit 29 Jahren: In der 1980er-Kohorte lag die Eigentumsquote bei 52 Prozent, bei den 1985 Geborenen sank sie auf 45 Prozent und bei der 1990er-Gruppe auf 41 Prozent.
Die Unterschiede treten auch in jüngeren Jahren und bei den jüngsten Kohorten deutlich zutage. Mit 23 Jahren hatten 32 Prozent des Jahrgangs 1985 ein eigenes Zuhause, im Jahrgang 1990 waren es nur 26 Prozent.
Bei den früheren Jahrgängen lagen die Quoten deutlich näher beieinander. Mit 44 Jahren besaßen 68 Prozent des Jahrgangs 1965 ein Eigenheim, beim Jahrgang 1970 waren es 69 Prozent, beim Jahrgang 1975 wieder 68 Prozent.
Ähnlich bei den heute Älteren: Von den 1960 Geborenen verfügten mit 46 Jahren 70 Prozent über Wohneigentum; bei der 1965er-Kohorte waren es 71 Prozent, bei den 1970 Geborenen 70 Prozent.
Weniger Wohneigentum bei jungen Menschen: Gründe
„Eine Reihe miteinander verknüpfter Faktoren dürfte eine Rolle spielen“, erklärten OECD-Expertinnen und -Experten gegenüber Euronews Business. Sie betonen, dass der Zugang zu Hypothekenkrediten schwieriger geworden ist, weil steigende Zinsen seit 2021 die Kosten für Kredite nach oben treiben. Hauspreise sind in vielen OECD-Ländern zudem deutlich schneller gestiegen als die Einkommen.
„Das relativ schwache Lohnwachstum schmälert die Erschwinglichkeit zusätzlich. Für Erstkäuferinnen und Erstkäufer wird es dadurch schwerer, genügend Eigenkapital für die Anzahlung anzusparen und überhaupt einen Kredit zu bekommen“, so die OECD.
Die Fachleute verweisen außerdem darauf, dass mehr junge Menschen ein Hochschulstudium aufnehmen. Das verzögert den Eintritt in den Arbeitsmarkt und den Schritt in ein eigenes Zuhause.
Wohneigentum: Mitte der 1990er Jahre und späte 2010er im Vergleich
Neuere Daten auf Länderebene zeigen, dass sich dieser Trend in den meisten europäischen Staaten fortsetzt. Laut dem Bericht OECD Employment Outlook 2025 ist der Anteil der Menschen in ihren Dreißigern, die ihre Hauptwohnung besitzen, in rund zwei Dritteln der Länder gesunken – im Vergleich zwischen Mitte der 1990er Jahre und dem jeweils aktuellsten Jahr.
„Jüngere Generationen besitzen heute seltener Wohneigentum als noch vor drei Jahrzehnten“, heißt es in dem Bericht.
Mitte der 1990er Jahre bedeutet hier 1995 oder das jeweils nächstgelegene Jahr. Als aktuellstes Jahr gilt das letzte Jahr vor der COVID‑19-Pandemie oder 2022/23.
Irland verzeichnete den stärksten Rückgang bei der Wohneigentumsquote der 30- bis 39‑Jährigen. Mitte der 1990er Jahre besaßen 81 Prozent ein Eigenheim, in den jüngsten Jahren sind es nur noch 53 Prozent.
In Griechenland sank der Anteil von 78 auf 58 Prozent – ein Minus von 20 Prozentpunkten.
Zu den Ländern mit besonders deutlichen Rückgängen zählen auch zwei große Volkswirtschaften Europas. Im Vereinigten Königreich fiel die Wohneigentumsquote von 74 auf 56 Prozent. Spanien verzeichnete ein Minus von 18 Prozentpunkten, von 77 auf 60 Prozent.
Wohneigentum in der Krise: Es geht um mehr als die Anzahlung
„Das größte Hindernis sind die im Verhältnis zu den Einkommen extrem hohen Immobilienpreise für die Generationen, die seit den frühen 2000er‑Jahren erwachsen geworden sind“, sagt Jonathan Cribb, stellvertretender Direktor des Institute for Fiscal Studies (IFS), im Gespräch mit Euronews Business. So erklärt er den Einbruch im Vereinigten Königreich.
„Es geht nicht nur darum, wie schwierig es ist, die Anzahlung zusammenzubekommen. Selbst mit einem soliden Eigenkapital können viele schlicht nicht genug leihen, um in ihrer Wohngegend oder in der Nähe eine Immobilie zu kaufen“, fügt er hinzu.
J. Antonio Módenes von der Autonomen Universität Barcelona verweist für Spanien auf den Zusammenbruch des Kreditbooms nach der Finanzkrise 2008, auf unsichere Arbeitsverhältnisse, strengere Vergabekriterien für Hypotheken und einen Rückgang beim Wohnungsbau.
Auch Dänemark (13 Prozentpunkte), Österreich (11 Prozentpunkte) und Luxemburg (10 Prozentpunkte) meldeten zweistellige Rückgänge. Deutschland und die Schweiz liegen mit jeweils 9 Prozentpunkten nur knapp darunter.
Postsozialistischer Übergang: Auswirkungen auf Wohneigentum
Ganz anders sieht es in drei europäischen Ländern aus, in denen die Eigentumsquoten kräftig gestiegen sind. In der Slowakei wuchs der Anteil der Menschen in ihren Dreißigern, die ihre Hauptwohnung besitzen, von 38 auf 88 Prozent. In Tschechien stieg er von 36 auf 76 Prozent.
Ján Výbošťok, Senior Researcher an der Slowakischen Akademie der Wissenschaften, erläutert, dass der Wohnungsmarkt in der sozialistischen Zeit vor 1989 stark zentralisiert war und der Staat nahezu den gesamten Wohnungsbestand besaß. Wie in anderen Ländern mit postsozialistischem Übergang konnten viele Bewohnerinnen und Bewohner ihre Wohnungen für symbolische Beträge kaufen. Dadurch wurde fast der gesamte Bestand privatisiert.
In Polen stieg die Wohneigentumsquote um 20 Prozentpunkte, von 57 auf 77 Prozent. Die Niederlande folgen mit einem Plus von 9 Prozentpunkten.
Niederländischer Experte stellt OECD-Zahlen infrage
Doch Cody Hochstenbach von der Universität Amsterdam widerspricht den OECD-Daten. Unter Verweis auf die Wohnungsbefragung WoON hält er fest, dass die Wohneigentumsquote junger Erwachsener in den Niederlanden seit der globalen Finanzkrise gesunken ist. Bei den 25- bis 34‑Jährigen etwa ging der Anteil der Eigentümerinnen und Eigentümer von 50 Prozent im Jahr 2002 auf 44 Prozent im Jahr 2024 zurück.
Er betont zugleich, dass die 1990er- und 2000er‑Jahre in den Niederlanden eine Phase stark expandierenden Wohneigentums über viele Altersgruppen hinweg waren – begünstigt durch Förderprogramme für Eigentum und einen boomenden Hypothekenmarkt.
Unter den fünf größten Volkswirtschaften war Frankreich das einzige Land, in dem die Wohneigentumsquote um vier Prozentpunkte zulegte.