Auf und neben dem Platz hält Getty viele unvergessliche WM-Momente fest. Hier erzählen Fotograf:innen, wie ihnen besonders emotionale Bilder gelingen.
Wettbewerb führt fast immer zu Vergleichen. Doch in diesem Beitrag geht es nicht um einen Titel. Stattdessen haben wir mehrere Fotografen von Getty gebeten, ihre Lieblingsmomente aus den vergangenen fünf Weltmeisterschaften auszuwählen. Bilder, die die Schönheit und Emotion von Einsatz, Eleganz, Sieg und Niederlage einfangen.
Argentinien gegen Frankreich: WM-Finale 2022 in Katar
„Dieses Foto entstand mindestens eine halbe Stunde nach der großen Pokalübergabe. Alle Fans aus Argentinien und alle Fotografen warteten darauf, dass Messi zu ihnen geht und die Kurve begrüßt. Wir Fotografen von Getty Images hatten grob abgesprochen, was wir festhalten wollten. Am Ende spielte aber auch Glück eine Rolle. Dies ist der erste Moment, in dem er die Arme öffnet und mit einem riesigen Lächeln nur zwei Meter vor mir steht, während ich mit einem 24-70-mm-Objektiv nach oben schaue.“ Shaun Botterill.
Frankreich gegen Kroatien: WM-Finale 2018 in Russland
„Besonders an diesem Bild ist nicht nur der Jubel selbst, sondern auch der Zugang und die Atmosphäre drumherum. Dank des exklusiven Zugangs der FIFA war ich der einzige Fotograf, der nach den Feierlichkeiten noch auf den Rasen durfte. Das gab mir einen völlig anderen Blick auf das, was nach einem WM-Finale passiert.
Die Feuerwerke waren gerade vorbei, Regen hatte Rauch und Nebel im Luschniki-Stadion hängen lassen. Als das Licht durch diesen Schleier fiel, entstanden sichtbare Strahlen über Paul Pogba, der den Pokal in den Händen hielt. Die Kombination aus Rauch, Regen, Licht und dem freien Raum um ihn herum verlieh dem Bild eine viel stärkere Stimmung als ein gewöhnliches Pokalfoto.
Technisch wollte ich den Bildausschnitt weit genug lassen, um die Größe des Stadions, die Menge, den Nebel und den Rasen zu zeigen. Der Zugang erlaubte mir, tief und nahe zu bleiben, aber die weite Komposition macht die Atmosphäre selbst zum Teil der Geschichte. Für mich wirkt es weniger wie ein klassisches Trophäenbild und mehr wie ein surrealer, emotionaler Moment nach Frankreichs Sieg bei der WM 2018.“ David Ramos
Italien gegen Frankreich: WM-Finale 2006 in Deutschland
„Das Bild entstand nach dem Finale 2006, das Italien im Elfmeterschießen gegen Frankreich gewann. Mein Kollege Shaun Botterill und ich standen für die Pokalpräsentation in bester Position.
Ich fotografierte enger mit einem 400-mm-Objektiv und konzentrierte mich auf Kapitän Fabio Cannavaro. Als die Spieler ihre Ehrenrunde drehten, griffen plötzlich alle gleichzeitig nach dem Pokal. Ich balancierte schnell auf einer Metallabsperrung vor der ersten Sitzreihe, um Höhe zu gewinnen, und machte die Aufnahme. Ich erinnere mich, wie andere Fotografen an meinen Füßen zogen, um ebenfalls auf die Absperrung zu kommen, doch der Moment war im Bruchteil einer Sekunde vorbei. Konfetti und Pyrotechnikrauch verstärken zusätzlich die Wirkung des Fotos.
Pokalübergaben wirken manchmal gestellt. Hier fühlte es sich wie ein spontaner, natürlicher Moment an, in dem ein Team zusammenkommt und seinen historischen Erfolg feiert.“ Michael Steele
Niederlande gegen Spanien: WM-Finale 2010 in Südafrika
„Bei jeder FIFA-WM gibt es Momente, die über das Spiel hinausgehen und zu Fußballlegenden werden. Nigel de Jongs Attacke gegen Xabi Alonso im WM-Finale 2010 gehört ohne Zweifel dazu.
Ich stand perfekt, um die Szene einzufangen. Dieses Foto hält den exakten Moment fest, in dem de Jongs ausgestreckter Fuß Alonsos Brust trifft. Es bewahrt einen der umstrittensten Momente der WM-Geschichte. Schiedsrichter Howard Webb zeigte nur Gelb, was sofort Debatten auslöste. Viele fanden, der Mittelfeldspieler der Niederlande habe Glück gehabt, weiterspielen zu dürfen. Mehr als 15 Jahre später bleibt die Aufnahme eines der prägenden Bilder des Turniers in Südafrika. Ein Augenblick, der Spannung, Härte und Kontroverse eines hoch umkämpften Finals auf den Punkt bringt.“ Laurence Griffiths
England gegen Belgien: Gruppe G – WM 2018 in Russland
„Manchmal dürfen wir von dem sogenannten ‚Catwalk‘ eines Stadions aus arbeiten, 80 oder 100 Meter über dem Spielfeld. Nur eine kleine Gruppe erhält diese Erlaubnis. Sie ist mit einem langen Genehmigungsprozess verbunden, mit Schulungen, Sicherheitsgurten, Helmen, manchmal sogar mit ärztlichen Attesten, weil man in der Höhe arbeiten können muss.
Der Druck ist enorm. Man steht über den Köpfen der Zuschauer. Wenn einem auch nur ein kleines Teil herunterfällt, kann das Menschen ernsthaft verletzen. Alles, was man hinaufträgt, braucht eine doppelte Sicherung. Jede Kamera, jedes Objektiv, sogar das Handy wird befestigt. Die Taschen sind leer, Ersatzteile bleiben unten, weil alles fallen könnte. Trotzdem ist es eine Mega-Chance.
Dies war Belgien gegen England, eine Kopfballszene mit sechs Spielern. So etwas passiert nicht oft und ist aus dieser Höhe schwer vorherzusehen. Ich mag das Bild, weil es eine andere Fußballperspektive zeigt, einen Blickwinkel, den man nicht jeden Tag sieht. Ich bin ein großer Fan von sattgrünem Rasen und ruhigem Hintergrund. Aber hier zählt auch, was nötig ist, um überhaupt dorthin zu kommen. Man hat Glück, wenn sechs Spieler zum Kopfball steigen und man dennoch Gesichter, Aktion, Körpersprache, die weiße Linie und die Farben erkennt. Am Ende fügte sich einfach alles zusammen.“ Matthias Hangst
Argentinien gegen Frankreich: WM-Finale 2022 in Katar
„Das WM-Finale in Doha war mein erstes WM-Endspiel. Mir war klar, dass ich Geschichte erlebe. Wie alle anderen auf dem Platz rechnete ich damit, dass das Bild des Abends Lionel Messi mit dem Pokal über dem Kopf sein würde. Vor diesem Moment ging er am Pokal vorbei, als er den Goldenen Ball für den besten Spieler des Turniers erhielt. In diesem Augenblick drehte er sich zu den Fotografen, und ich konnte diese Aufnahme machen. Es ist ein ruhiges, schlichtes Foto, aber dennoch sehr kraftvoll.“ Maja Hitij