Die Regierung arbeitet am Haushalt 2027, Canal+ warnt vor einer Verdoppelung der Mehrwertsteuer auf Pay-TV. Chef Maxime Saada droht, die Ausgaben für Kinoproduktionen zu kürzen – ein Risiko für eine Branche, die stark von Canal+ abhängt.
Zwischen Canal+ und der Regierung verschärft sich der Konflikt. Die Exekutive arbeitet am Haushalt für 2027, Canal+-Chef Maxime Saada stellt sich entschieden gegen den Plan, den ermäßigten Mehrwertsteuersatz für Bezahlfernsehen zu streichen. Der Unternehmenschef hält die Maßnahme für „politisch“ und „absurd“. Nach seinen Berechnungen würde sie seinem Konzern Mehrkosten von rund 200 Millionen Euro pro Jahr aufbürden.
Die Anhebung der Mehrwertsteuer von zehn auf zwanzig Prozent dürfte aus seiner Sicht höhere Abopreise nach sich ziehen. Zudem rechnet er mit Sparprogrammen im Unternehmen und dem Abbau von Stellen.
„Wir können 200 Millionen Euro nicht einfach wegstecken“, sagte Saada im Sender RTL. Canal+ müsse seine Ausgaben neu prüfen, warnte er.
Kino wird zum Druckmittel
Canal+ ist eine Schlüsselfigur in der Finanzierung des französischen Kinos. Im Jahr 2025 investierte der Konzern 155,6 Millionen Euro in französische Filme und beteiligte sich an der Finanzierung von 148 Produktionen. Damit steht Canal+ fast für die Hälfte der Investitionen klassischer Privatsender. Eine Kürzung dieser Ausgaben würde die Filmproduktion direkt treffen.
Genau hier setzt die Drohung an. Zwischen 2028 und 2032 sollte Canal+ 980 Millionen Euro in das französische und europäische Kino stecken. Saada kündigt nun an: Verdoppelt sich die Mehrwertsteuer, könnten diese Zusagen schrumpfen. Im Extremfall würde der Sender „vielleicht drei Viertel weniger Filme“ mitfinanzieren.
Das Kräftemessen fällt in eine ohnehin angespannte Phase rund um Canal+. Bereits im Mai hatte Saada erklärt, der Konzern wolle nicht mehr mit Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern eines Meinungsbeitrags zusammenarbeiten, der den Einfluss des konservativen Milliardärs Vincent Bolloré kritisiert. Bolloré kontrolliert Canal+.
Die Ligue des droits de l’homme und die Gewerkschaft CGT-Spectacle sind inzwischen vor Gericht gezogen. Sie werfen dem Sender eine Diskriminierung aufgrund politischer Überzeugungen vor.
Mit dem Haushalt für 2027 will die Regierung das öffentliche Defizit von fünf Komma vier auf fünf Prozent des BIP senken. Die höhere Mehrwertsteuer auf Canal+ soll zusätzliche Einnahmen bringen. Sie eröffnet aber zugleich eine neue Konfliktlinie mit einem Medienkonzern, der seine Gewinnmargen und seine Rolle in der französischen Kulturproduktion verteidigen will.