Der Tuzkan-See verwandelt die trockene Landschaft der Region Jizzakh in ein Ziel für Fischerei, Tourismus und Erholung. Neue Verkehrswege sollen die Anreise erleichtern.
Die Landschaft der Region Jizzakh verändert sich rasch. Rund um Mirzachul bestimmen trockene Erde und Sandstreifen das Bild, bis am Horizont plötzlich ein großer See auftaucht.
Der Tuzkan-See ist Teil des Aydar-Arnasay-Seensystems, eines der größten Binnengewässer Usbekistans. Seine Lage zwischen der „Hungrigen Steppe“ und der Kysylkum-Wüste gibt ihm eine besondere Bedeutung in der Region.
Für Besuchende gehört der krasse Gegensatz zur Umgebung zum Reiz des Ortes. Für die Menschen vor Ort sind die Seen vor allem Lebensgrundlage: Sie verdienen ihren Lebensunterhalt mit Fischerei, Tourismus und anderen Tätigkeiten.
Ein See mitten in der Steppe
Tuzkan zählt zu den größten Seen Usbekistans und ist seit Langem eng mit dem Leben der umliegenden Gemeinden verbunden.
Viele Einwohnerinnen und Einwohner leben von der Fischerei, der Tourismus bringt eine zusätzliche Einnahmequelle. Gäste kommen, um am Wasser zu entspannen, zu angeln oder sich zu erholen. Manche suchen gezielt das mineralreiche Wasser von Tuzkan, dem sie gesundheitliche Wirkungen zuschreiben.
Der Tourist Ulugbek Musulmonov sagt, die Natur sei für ihn ein Hauptgrund für die Reise.
„Unser Hauptgrund, hierherzukommen, ist die Natur und der Gesundheitsnutzen des Tuzkan-Sees“, erklärt er. Einige Gäste hoffen demnach, bestimmte gesundheitliche Beschwerden zu lindern.
Der See gehört zum größeren Aydar-Arnasay-System, in dem die Fischerei für die umliegenden Orte wirtschaftlich weiter wichtig ist.
In der Umgebung sind nach und nach Angebote für Gäste entstanden. So wächst neben den traditionellen Nutzungen rund um die Seen eine kleine Tourismuswirtschaft.
Tourismus am Wasser gewinnt an Fahrt
Am Ufer des benachbarten Aydarkul-Sees bietet das Resort Aydarkul Übernachtung und Freizeitangebote für Besuchende an.
Die Anlage verfügt über 225 Zimmer und kann bis zu 600 Gäste aufnehmen. Es gibt klassische Zimmer, Kapsel-Unterkünfte, Restaurants, einen Strand und überdachte Plattformen im Freien, die vor Ort „Tapchans“ heißen, außerdem Boote und andere Wassersportangebote.
Betriebsleiter Jamshid Qarshiboyev berichtet von hohen Besucherzahlen in der Sommersaison. Unter den Gästen sind Menschen aus Usbekistan, Russland und Kasachstan.
Am Wochenende stehen Veranstaltungen wie Festivals und Konzerte auf dem Programm. Schwimmen, Bootfahren und Zeit am Strand gehören zu den wichtigsten Angeboten.
Zum Resort gehört auch ein medizinisches Zentrum. Es bietet Behandlungen wie Massage und Hydromassage an. Wer im Resort übernachtet, kann eine Behandlung kostenlos in Anspruch nehmen.
Die Lage des Resorts am Aydarkul ermöglicht den Gästen zudem Ausflüge zum Tuzkan, dessen Wasser salziger und mineralreicher ist.
Angeln bleibt ein weiterer Anziehungspunkt. In bestimmten Zeiten des Jahres ist es verboten, danach wird die Saison wieder eröffnet.
Manche Ausflüge beginnen als Tagestrip und enden spontan mit einer Übernachtung.
Ein Reiseziel im Wandel
Der wachsende Tourismus rund um die Seen verändert auch die Wege, auf denen die Gäste anreisen.
In Arnasoy nahe der Seen ist ein neuer Flughafen entstanden. Außerdem begann 2026 der Bau einer Eisenbahnlinie von Do‘stlik zum Aydar-Arnasay-Seensystem. Beides soll die Anreise für Gäste aus Usbekistan und dem Ausland erleichtern.
Dadurch könnte das Seengebiet im regionalen Tourismus eine größere Rolle spielen, vor allem für Reisende, die ohnehin durch Usbekistans bekannte historische Städte kommen.
Für Ahmad Jabir Abdullah Mohammed Al Harbi aus den Vereinigten Arabischen Emiraten kann der neue Flughafen das Gebiet einem breiteren internationalen Publikum eröffnen.
Er beschreibt das Seeufer als einen Ort der Ruhe und Entspannung und würde es Menschen aus seiner Heimat und anderen Ländern empfehlen.
Das Gebiet entwickelt sich jedoch noch. Einige geplante Einrichtungen sind noch im Bau.
Sicherheit für Gäste
Mit steigenden Besucherzahlen rückt auch die Sicherheit stärker in den Fokus.
Das Erholungsgebiet Aydar-Arnasay existiert seit November 2025. Seither sind dort Sicherheitskräfte für den Tourismus rund um die Uhr im Einsatz.
Tourismuspolizist Meyirbek Amirxanov sagt, an einem Samstag oder Sonntag können zwischen 6.000 und 7.000 Menschen kommen.
Überwachungskameras decken das Gelände ab und sind an das Sicherheitsüberwachungssystem „Qalqon“ des Innenministeriums angeschlossen.
Die häufigsten Hilfeersuchen betreffen Kinder, die von ihren Familien getrennt werden, und Gäste, die persönliche Gegenstände verlieren. Amirxanov berichtet von etwa fünf bis sechs solchen Fällen pro Tag, die die Beamtinnen und Beamten direkt vor Ort klären.
Mit besseren Verkehrsverbindungen dürften noch mehr Menschen kommen. Das Management großer Besucherströme bleibt daher ein wichtiger Teil der weiteren Entwicklung.
Eine Landschaft vom Wasser geprägt
Die Geschichte von Tuzkan reicht über den wachsenden Tourismus hinaus.
Der See ist ein natürliches Gewässer, doch der größere Landschaftsraum ist stark vom Menschen geprägt. Bewässerungs- und Wasserbauprojekte im 20. Jahrhundert veränderten die Hydrologie der Region und trugen zur Entstehung des Aydar-Arnasay-Seensystems bei.
Heute entsteht so eine ungewöhnliche Landschaft: Weite Wasserflächen, umgeben von trockener Steppe und Wüste.
Entlang der Ufer bringen Erholungsgebiete eine weitere Nutzungsebene hinzu. Familien kommen am Wochenende, Gäste schwimmen und angeln, Resorts bieten Unterkünfte und organisierte Unterhaltung.
Für die Gemeinden vor Ort bleiben die Seen Teil des täglichen wirtschaftlichen Lebens. Für Besuchende zeigen sie eine andere Seite von Jizzakh, fern vom vertrauten Bild der offenen Steppe.
Die neuen Verkehrsverbindungen dürften nach ihrer Fertigstellung noch mehr Gäste an die Seen bringen.
Die Landschaft selbst bleibt jedoch die Hauptattraktion: Wasser, das bis zum Horizont reicht, dahinter trockene Ebenen und Wüste.