Der Indexanbieter prüft, Indonesien von einem Schwellenmarkt zu einem eigenständigen Markt hochzustufen. Das könnte MSCI-Fonds zum Verkauf ihrer Indonesien-Positionen zwingen.
Indonesiens Aktienmarkt hat am Freitag rund elf Prozent eingebüßt. Es war der stärkste Tagesverlust seit 28 Jahren, nachdem einer der weltweit größten Indexanbieter den Status des Landes als Schwellenmarkt infrage gestellt und damit mögliche Kapitalabflüsse aus globalen Fonds ausgelöst hat.
MSCI erklärte, der anhaltende Status Indonesiens als Schwellenmarkt sei nach den zuletzt geäußerten Sorgen von Investoren „nicht mehr angemessen“. Der Indexanbieter startet nun eine Konsultation über den Vorschlag, Indonesien als „Standalone Market“, also als eigenständigen Markt, einzuordnen. Das Land würde damit aus den zentralen globalen MSCI-Indizes herausfallen.
MSCI unterscheidet zwischen entwickelten Märkten, Schwellenmärkten, Grenzmärkten und eigenständigen Märkten.
Die geplante Neueinstufung würde die größte Volkswirtschaft Südostasiens aus der Kategorie Schwellenmarkt herauslösen, die Zwischenstufe Grenzmarkt überspringen und sie in dieselbe Gruppe wie Jamaika, Panama und Palästina einreihen.
Viele weltweit aufgelegte Fonds, die den MSCI-Schwellenmarktindex nachbilden, müssten indonesische Aktien dann voraussichtlich verkaufen.
Der Indexanbieter teilte mit, Marktteilnehmer hätten „erhebliche Bedenken hinsichtlich der Investierbarkeit des indonesischen Aktienmarkts“ geäußert. Genannt werden unter anderem unklare Eigentümerstrukturen und der Verdacht auf abgestimmte Handelsaktivitäten.
MSCI hatte bereits im Januar auf eine mögliche Herabstufung hingewiesen. Die Behörden in Jakarta erklärten im April, sie hätten Reformen abgeschlossen, um genau das zu verhindern.
Nach Einschätzung von MSCI reichen die angekündigten Reformen jedoch nicht aus. Es gebe weiterhin „erhebliche Sorgen über Funktionsstörungen des Marktes“.
„MSCI rechnet damit, die geplante Neueinstufung umzusetzen, sofern die Konsultation keine klaren Belege für wesentliche Verbesserungen bei Marktaufsicht und Marktstruktur liefert, die eine erneute Bewertung rechtfertigen würden.“
Die endgültige Entscheidung will MSCI bis Ende Juni 2027 bekanntgeben.
Laut Bloomberg trifft dies die Anleger in einer Phase, in der internationale Fonds bereits netto rund 4,9 Milliarden Dollar aus dem indonesischen Aktienmarkt abgezogen haben. Das Land steuert damit auf sein womöglich schwächstes Jahr überhaupt zu. Der Leitindex in Jakarta ist seit Januar um etwa 39 Prozent gefallen, was auch die Landeswährung belastet: Die Rupiah hat rund acht Prozent nachgegeben, obwohl die Zentralbank Bank Indonesia ihre Bereitschaft bekräftigt, die Stabilität der Rupiah zu sichern.