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Usbekistan schließt Energieabkommen über 4,7 Mrd. Dollar und plant zwei weitere Atomkraftwerke

Usbekistans Präsident Schawkat Mirsijojew trifft ausländische Investoren beim Energiesektor-Investorenrat in Taschkent.
Usbekistans Präsident Schawkat Mirziyoyev berät sich in Taschkent mit ausländischen Investoren beim Energiesektor-Investorenrat. -  Copyright  Centre for the Production of Content of Mass Media
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Von Rushanabonu Aliakbarova
Zuerst veröffentlicht am •Zuletzt aktualisiert
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Ausländische Konzerne wie ACWA Power, EDF und Toyota Tsusho planen 3000 MW Kraftwerksleistung und 400 MW Speicher. Taschkent bereitet 128 Öl- und Gasfelder für Investoren vor und strebt eine Stromverbindung nach Europa an.

Usbekistan hat sechs Energieabkommen im Wert von 4,7 Milliarden US-Dollar (4,19 Milliarden Euro) unterzeichnet und zwei weitere Atomkraftwerke angekündigt. Präsident Schawkat Mirsijojew will damit ausländische Investoren anziehen und die wachsende Nachfrage der Industrie und von Rechenzentren decken.

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Die Vereinbarungen kamen am Freitag bei Gesprächen in Taschkent zustande. Sie umfassen 3.000 Megawatt neuer Erzeugungskapazität und 400 Megawatt Speicherleistung, wie das Präsidialamt mitteilte.

Auf einer Projektliste, die Euronews vorliegt, stehen unter anderem ACWA Power und Saudi Tabreed aus Saudi-Arabien, AMEA Power aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Toyota Tsusho und Sojitz aus Japan, EDF aus Frankreich, Nebras Power aus Katar sowie StorEn und CRE International.

Neuer Kurs bei Energieinvestitionen

Nach Angaben von Präsident Mirsijojew haben Investoren in den vergangenen zehn Jahren rund 35 Milliarden US-Dollar (31,2 Milliarden Euro) in den Energiesektor des Landes gesteckt.

Er räumte aber ein, dass Projektentwickler die Standorte bisher weitgehend selbst wählen konnten. Dadurch habe sich die Stromerzeugung auf einige Regionen konzentriert und die Übertragung in andere Landesteile verteuert.

„Wir brauchen ein integriertes Energiesystem, nicht isolierte Kraftwerke“, sagte er.

Künftige Projekte sollen über wettbewerbliche Ausschreibungen laufen. Netzanschlüsse und Abnahmebedingungen will die Regierung vorab offenlegen. Sechs Solar- und Windparks mit zusammen 2.200 Megawatt gehen getrennt von den jetzt geschlossenen Vereinbarungen in die Ausschreibung.

Der erste nationale Energie-Masterplan bis 2050 soll bis Juli 2027 vorliegen. Eine Karte mit möglichen Netzanschlusspunkten wird bereits für März erwartet.

Bis 2030 will die Regierung 22 Gigawatt zusätzliche Erzeugungskapazität schaffen, 5.000 Kilometer Stromleitungen und 16 Umspannwerke bauen und die Speicherkapazität auf 4,5 Gigawatt erhöhen.

Die jährliche Stromproduktion soll auf mehr als 129 Milliarden Kilowattstunden steigen. Erneuerbare Energien, einschließlich Wasserkraft, sollen dann 54 % der Erzeugung ausmachen; heute sind es 31 %.

Zudem schlägt die Regierung zwölf Industrieprojekte im Umfang von 850 Millionen US-Dollar (758 Millionen Euro) vor. Sie sollen die heimische Produktion von Energieanlagen stärken.

Nach Einschätzung von Najy Benhassine, Regionaldirektor der Weltbank für Zentralasien, erfordert das schnelle Wachstum mehr Kraftwerkskapazitäten und bessere Netze. „Für das künftige Wachstum des Landes brauchen wir mehr Energie, mehr Erzeugung, aber auch Übertragungsnetze und eine effiziente Verteilung“, sagte er Euronews.

Als weitere Schwachstelle nannte Neil McKain, Länderdirektor der International Finance Corporation für Usbekistan und Turkmenistan, die geringe Energieeffizienz. „Im Energiesektor ist das der entscheidende Punkt. Die Wirtschaft ist weiterhin sehr energieintensiv“, sagte er Euronews.

Wettbewerbliche Ausschreibungen und höhere Stromtarife machten Projekte inzwischen attraktiver für Investoren, so McKain. Als Beispiel nannte er ein Gaskraftwerk mit 1,6 Gigawatt in Syrdarja, das mit internationalen Partnern finanziert wird und noch in diesem Jahr in Betrieb gehen soll.

Ausbau der Atomenergie

Präsident Mirsijojew kündigte an, nach dem ersten auch ein zweites und drittes Atomkraftwerk zu bauen. Gespräche mit potenziellen Investoren für das zweite Projekt sind für Samstag angesetzt.

„Wir haben mit dem ersten Kernkraftwerk begonnen, und wir planen auch ein zweites und drittes“, sagte er.

Der Bau der ersten Anlage in der Region Dschizak hat im Juni begonnen; Projektpartner ist der russische Konzern Rosatom.

Sie soll mit zwei großen und zwei kleineren Reaktoren 2.110 Megawatt liefern. Die Kosten werden auf bis zu 9,5 Milliarden US-Dollar (8,48 Milliarden Euro) geschätzt. Die erste technische Inbetriebnahme ist für 2029 vorgesehen, die Fertigstellung für die Jahre 2034 bis 2035.

Zu Partnern, Kosten und Zeitplänen der weiteren Werke gibt es noch keine Angaben.

Investitionen in Öl und Gas

Die britische BP und das aserbaidschanische Staatsunternehmen SOCAR erkunden derzeit sechs Blöcke in der Region Ustjurt. Für ausländische Investoren hat Usbekistan weitere 128 Blöcke vorbereitet.

Vorläufige Regierungsangaben deuten darauf hin, dass diese zusätzlichen Blöcke rund 5,8 Billionen Kubikmeter Erdgas und 560 Millionen Tonnen flüssiger Kohlenwasserstoffe enthalten könnten.

Außerdem will die Regierung die heimische Verarbeitung ausbauen. In Buchara im Südwesten Usbekistans ist ein Methanol-to-Olefins-Projekt geplant, das Methanol in Chemikalien für die Kunststoffproduktion umwandeln soll. Zwei Raffinerien sollen modernisiert werden. Beim Vertrieb von Flüssiggas will der Staat private Unternehmen stärker beteiligen.

Energieanbindung nach Europa

Mirsijojew erklärte, die Pläne zum Export von Strom aus erneuerbaren Quellen nach Europa über Kasachstan und Aserbaidschan kämen voran.

Das Projekt eines „Caspian Green Energy Corridor“, das von der Asiatischen Entwicklungsbank und der Asiatischen Infrastruktur-Investitionsbank unterstützt wird, sieht eine Leitung über das Kaspische Meer und weiter durch den Südkaukasus und das Schwarze Meer vor.

Der Korridor befindet sich allerdings noch in der Machbarkeitsphase.

Internationale Investoren drängen auf weitere Reformen

Mirsijojew räumte ein, dass es weiterhin Hindernisse für Investoren gibt. „Wir haben ernsthafte Probleme, Defizite, Bürokratie und Korruption“, sagte er.

Ein neuer Energie-Investorenrat unter Vorsitz von Saida Mirsijojewa, der Leiterin der Präsidialverwaltung, soll Probleme etwa bei der Flächenvergabe und beim Netzanschluss angehen.

Auf der Sitzung forderte Mohammad Abunayyan, Gründer und Vorsitzender des saudischen Konzerns ACWA Power, Reformen der Finanz- und Kapitalmärkte in Usbekistan. „Wir brauchen Reformen im Finanzsektor. Wir brauchen Reformen am Kapitalmarkt“, sagte er dem Präsidenten. Zugleich drängte er auf strengere Vorgaben für die Beschäftigung usbekischer Arbeitskräfte und für den Einsatz lokaler Zulieferer bei künftigen Projekten.

Mohamed Jameel Al Ramahi, Vorstandschef des in den Vereinigten Arabischen Emiraten ansässigen Unternehmens Masdar, erklärte, seine Firma habe seit 2019 mehr als 2 Milliarden US-Dollar (1,78 Milliarden Euro) investiert, über 2 Gigawatt an erneuerbaren Kapazitäten aufgebaut und sich zu weiteren 2 Gigawatt verpflichtet.

„Im Gegenzug erwarten wir Vorhersehbarkeit, Verlässlichkeit und Stabilität bei Politik, Regulierung und den Vereinbarungen, die unseren Investitionen zugrunde liegen“, sagte er.

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