Eigentlich wollte Khaled Khalil nur Gurken ernten. Stattdessen stieß er auf einen Stein mit uralten Reliefs und löste eine Grabung aus, die zwei Kolossalstatuen zutage brachte.
Ein ägyptischer Landwirt, der auf seinem Feld Gurken anbaut, hat Archäologen auf die Spur zweier kolossaler Königsstatuen gebracht. Unter den Funden befindet sich ein 1,6 Meter hoher Kopf von Ramses II.
Der Landwirt Khaled Khalil stieß vor seinem Haus in Behbeit el-Hagar, einem Dorf im Gouvernement Gharbia im Nildelta, auf einen Stein mit uralten Reliefs. Er alarmierte die Antikenbehörde.
Fachleute nahmen den Stein zunächst unter die Lupe. Danach begann ein ägyptisches Team des Obersten Rates für Antikenwesen mit einer Rettungsgrabung, teilte das Ministerium für Tourismus und Antiken mit.
Die ägyptische Nachrichtenseite Youm7 berichtete, Khalil habe auf dem Grundstück in einem Gewächshaus Gurken gezogen und nicht im Traum mit einer derart großen antiken Statue gerechnet. "Siehst du? Gurken bringen Antiquitäten hervor", witzelte der Gouverneur von Gharbia, Alaa Abdel Moaty, bei einem Besuch im Haus des Bauern in der vergangenen Woche, wie die Zeitung meldete.
Was Archäologen entdeckten
Der neu entdeckte Kopf zeigt Ramses II. mit der Doppelkrone von Ober- und Unterägypten. Außerdem fanden die Archäologen einen Teil der Rückenstütze der Statue mit seinem Horus-Namen, einem seiner offiziellen Königstitel.
Der Generalsekretär des Obersten Rates für Antikenwesen, Hisham el-Leithy, erklärte, die Proportionen des Kopfes deuteten darauf hin, dass die vollständige Statue samt Sockel rund 8,5 Meter hoch gewesen sein könnte.
Das erhaltene Fragment der zweiten Statue ist etwa 2,4 Meter hoch. Beine und Sockel fehlen, das Gesicht ist jedoch gut erhalten. Die Figur trägt das königliche Nemes-Kopftuch, von dem ebenfalls Teile fehlen. Die Archäologen vermuten, dass auch sie Ramses II. darstellt, weil die Gesichtszüge dem ersten Kopf ähneln. Bestätigt ist diese Zuordnung bislang nicht.
Ein weiterer, etwa 1,3 Meter langer Block aus Rosengranit trägt hieroglyphische Inschriften mit Titeln wie "König von Ober- und Unterägypten" und "Sohn des Re".
Ramses II. herrschte mehr als sechs Jahrzehnte über Ägypten, etwa von 1279 bis 1213 v. Chr., in der 19. Dynastie. Kolossalstatuen des Pharaos stehen bis heute in Abu Simbel, einem der bekanntesten Monumente seiner Regierungszeit.
Behbeit el-Hagar ist bekannt für die Überreste eines großen Tempels zu Ehren der Göttin Isis. Die Archäologen graben weiter und untersuchen, wie die neu gefundenen Stücke zueinander und zur Umgebung des Fundorts passen.
Tourismus- und Antikenminister Sherif Fathy besuchte Khalil und dankte ihm, dass er den Fund gemeldet hatte. Der Landwirt und seine Frau erhielten als Anerkennung eine Reise zur Umrah, der muslimischen Pilgerfahrt nach Mekka, die das ganze Jahr über möglich ist.
Bei dem Besuch bat Khalil den Gouverneur außerdem, die Restkosten für einen Krankenwagen des Dorfes zu übernehmen. Die Dorfbewohner hätten bereits einen Teil des Geldes gesammelt, sagte er laut lokalen Medien.