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Gesundheits- und Umweltverbände fordern WHO: Nitratgrenzwert im Trinkwasser senken

Gesundheitsorganisationen verlangen Überprüfung der Grenzwerte für Trinkwasser
Gesundheitsverbände fordern Überprüfung der Trinkwasserstandards -  Copyright  Cleared/Canva
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Von Marta Iraola Iribarren
Zuerst veröffentlicht am
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Gesundheits- und Umweltorganisationen verlangen von der WHO strengere Nitrat-Grenzwerte im Trinkwasser. Ihrer Ansicht nach können schon geringe Mengen Krebs und Frühgeburten begünstigen.

Dutzende internationale Gesundheits- und Umweltorganisationen haben die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Dienstag aufgefordert, ihre seit Jahrzehnten geltenden Grenzwerte für Nitrat im Trinkwasser zu überarbeiten. Sie argumentieren, die bisherigen Werte spiegelten neuere wissenschaftliche Erkenntnisse über mögliche Schäden nicht wider.

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In einem offenen Brief, (Quelle auf Englisch) den 85 Organisationen unterzeichnet haben, darunter Greenpeace International, die World Organization of Family Doctors (WONCA) und das European Environmental Bureau, fordern die Gruppen die UN-Gesundheitsbehörde auf, Nitrat in eine anstehende Überprüfung ihrer Leitlinien für Trinkwasser aufzunehmen.

Nitrate und Nitrite sind natürlich vorkommende Verbindungen aus Stickstoff und Sauerstoff. Sie finden sich überall in der Umwelt, in Böden, im Wasser und in vielen Lebensmitteln, darunter Fleisch, und werden auch als Lebensmittelzusatzstoffe eingesetzt.

Aktivitäten des Menschen wie der Einsatz von Kunstdünger in der Landwirtschaft, das Abfließen von Gülle und defekte Klärsysteme lassen die Nitratwerte im Wasser steigen. Dadurch kann Wasser für Menschen schädlich werden, besonders für Kinder und schwangere Frauen.

„Wasser sollte Leben schenken, nicht Leben bedrohen“, sagte Amanda Larsson, globale Projektleiterin für Landwirtschaft bei Greenpeace, in einer Stellungnahme (Quelle auf Englisch).

Die aktuellen WHO-Leitlinien, die den maximal akzeptablen Nitratgehalt im Trinkwasser auf 50 Milligramm pro Liter (mg/L) als Nitrat oder 11,3 mg/L als Nitrat-Stickstoff festlegen, stammen aus dem Jahr 1958 und seien „veraltet“, warnen die Organisationen.

Dieser Grenzwert wurde speziell festgelegt, um das sogenannte „Blue-Baby-Syndrom“ zu verhindern, eine potenziell tödliche Erkrankung, bei der die Fähigkeit des Blutes, Sauerstoff zu transportieren, vermindert ist.

Der Grenzwert „ist jedoch nicht im Lichte robuster epidemiologischer Belege aktualisiert worden, die eine chronische, niedriggradige Nitratbelastung mit langfristigen Gesundheitsrisiken für den Menschen in Verbindung bringen“, heißt es in dem offenen Brief. Genannt werden insbesondere „Kolorektalkrebs und nachteilige Geburtsverläufe“.

„Studien bringen Nitrat im Trinkwasser inzwischen schon bei Werten deutlich unterhalb des aktuellen WHO-Grenzwerts mit Darmkrebs und Frühgeburten in Verbindung“, sagte WONCA-Vorsitzender Pratyush Kumar in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Die Organisationen verweisen darauf, dass ein Expertengremium, das von der dänischen Regierung (Quelle auf Englisch) eingesetzt wurde, im vergangenen Jahr zu dem Schluss kam, dass der aktuelle internationale Grenzwert die öffentliche Gesundheit nicht ausreichend schützt.

Das Expertengremium empfahl, den Nitratgrenzwert auf 6,0 mg/L zu senken. Dänemark hat sich in diesem Jahr dazu verpflichtet, einen Termin für die Umsetzung gibt es jedoch noch nicht.

„Diese regulatorische Änderung führt zu einer Diskrepanz zwischen globalen Leitlinien und nationalen Gesundheitspolitiken“, schrieben die Organisationen.

Die meisten nationalen Regierungen stützen ihre Trinkwasserstandards auf die WHO-Leitlinien, erklärten die Organisationen. Eine Aktualisierung dieser Leitlinien sei „entscheidend für eine globale Politikreform“.

Der Brief wurde am jährlichen One Health Day der WHO (Quelle auf Englisch) verschickt. Der Aktionstag soll das Bewusstsein dafür schärfen, wie eng das Wohlergehen von Menschen, Tieren, Pflanzen und gemeinsamen Ökosystemen miteinander verbunden ist.

„Regierungen müssen entschlossen handeln, um das Wachstum der intensiven Viehwirtschaft zu bremsen und Produzenten aktiv dabei unterstützen, auf ökologische Landwirtschaft umzusteigen. So wird sauberes, sicheres Trinkwasser keine Luxusware, sondern zur Garantie“, sagte Larsson.

Weitere Quellen • AFP

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