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Sand der Zukunft hilft gegen Versteppung

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Sand der Zukunft hilft gegen Versteppung
Copyright  euronews   -   Credit: Dubai
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Laut Vorhersagen könnten 90 Prozent der Land-Erdoberfläche aufgrund von Verstädterung und Klimawandel bis 2050 veröden und sich in Staub und Sand verwandeln. Sand macht 75 Prozent des Landes in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) aus. Dort setzen Forscher Nanotechnologie und lebende Organismen ein, um verborgenen Fähigkeiten zu erschließen und unser Leben zu verbessern.

Der Versteppung entgegenwirken

Die Welt verwandelt sich immer mehr in eine Wüste, denn Abholzung, Überweidung und Bebauung verwandeln den Boden in eine unfruchtbare Mischung aus Staub und Sand.

Den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) ist der Gedanke der Wüstenbildung nicht fremd, denn Sand macht etwa 75 Prozent ihrer Landesfläche aus. Um diese natürliche Ressource besser zu nutzen, sind Forscher nach Dubai gekommen, um sicherzustellen, dass ihnen das verborgene Potenzial nicht durch die Finger rinnt.

Sand: eine wichtige Ressource

Sand ist die am zweithäufigsten genutzte natürliche Ressource nach Wasser. Daraus werden Produkte wie Glas, Kosmetika oder Hightech-Solarzellen hergestellt. Am häufigsten wird das Sediment im Bauwesen verwendet.

2019 gab die Welt etwa eine Milliarde Euro aus, um Kieselsäure und Quarz zu importieren. Die VAE waren der viertgrößte Importeur, denn einheimische Sandkörner haben nicht die erforderliche Dichte und Rauheit für Baumaterialien. In Dubai arbeiten Wissenschaftler an einem Verfahren, das Enzyme von Mikroorganismen nutzt, um aus dem heimischen Sand Ziegelsteine herzustellen: "Das wirkt wie ein Kleber oder Zement zwischen den Sandkörnern", erklärt Stephen Wilkinson, außerordentlicher Professor and der Universität von Wollongong in Dubai.

Dieser Prozess ist bisher zu langsam und kostspielig, um praktikabel zu sein. Man erwartet bessere Ergebnisse von Enzymen aus Bohnen und Samen und hofft, dass dieser Prozess auch für Weltraummissionen nützlich sein könnte: "Der Vorteil der Verwendung dieser Mikroben oder dieses Enzyms ist die Materialmenge, die man von der Erde zu dem Ort transportieren muss, an dem gebaut wird", so Wilkinson. "Man kann den Sand verwenden, der auf der Erde verfügbar ist und ihn mit den Mikroorganismen härten."

Versteppung lässt die Erde veröden

Die Versteppung kostet die EU jährlich Milliarden Euro, um dem Verlust von Süßwasser und Ernten entgegenzuwirken. Der Europäischen Kommission zufolge könnte das Phänomen bis 2050 über 90% der Landfläche der Erde veröden lassen.

Die Welt steht vor einer Sandkrise, da das Sediment schneller verbraucht wird, als es entsteht - wodurch ganze Ökosysteme und Ackerflächen für die Landwirtschaft zerstört werden. Die Antwort, um diesen Prozess umzukehren, liegt laut einigen Experten in der Wüstenforschung. Das ist der Schwerpunkt von Dubais internationalem Zentrum für biosaline Landwirtschaft (ICBA). Dort erforschen Wissenschaftler, wie Flora und Fauna in wasserarmen Gebieten in ungünstigen Klimazonen überleben können. Mai Shalaby, Kuratorin des "Emirates Soil Museum ICBA":

"Es gibt bereits jetzt 1,7 Milliarden Menschen oder mehr, die in solchen Umgebungen leben. Wenn immer mehr Orte umgewandelt werden und veröden, werden immer mehr Gebiete wie die VAE aussehen, was die ICBA-Arbeit für den Rest der Welt noch wichtiger macht."

Die Forscher reichern den Sand mit Bakterien und Pilzen an, um ein stärkeres Netzwerk von Wasser und Nährstoffen zu schaffen, das Pflanzen ernährt.

Und die reichlich vorhandenen Dattelpalmenabfälle der Region werden in Biokohle umgewandelt: Sie dient als Nährstoffaufbereiter für Sand und bindet Kohlenstoff.

Das Klimatechnik-Unternehmen Desert Control will diesen Prozess mit flüssigem Nano-Ton oder LNC beschleunigen. Laut eigenen Angaben kann man Wüstensand in etwa sieben Stunden in fruchtbaren Boden verwandeln. Diese Technologie beschichtet Sandkörner. Damit wird eine Oberflächenspannung wie ein Netz erzeugt, die verhindert, dass Wasser und Nährstoffe nach unten und weg von den Pflanzenwurzeln sickern. Orn Supaphol, leitende Bodenwissenschaftlerin bei Desert Control sagt: "Wir haben im Moment eine Einheit zur LNC-Produktion mit einer Kapazität von 100.000 Litern pro Tag. Damit können wir Wüstenland in eine landwirtschaftlich nutzbare Fläche umwandeln."

Desert Control hat fast 20 Millionen Euro an Kapital eingesammelt, um sich zu vergrößern. Man will in den VAE, Saudi-Arabien und vielleicht weltweit expandieren, da die Versteppung weiter zunimmt.