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State of the Union: Was die Superleague vom Klima-Gesetz unterscheidet

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State of the Union: Was die Superleague vom Klima-Gesetz unterscheidet
Copyright  MLADEN ANTONOV/AFP
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Es war eine Woche voller Top-Nachrichten.

Das oberste deutsche Verfassungsgericht wies eine Klage von Europskeptikern zurück, den EU-Corona-Wiederaufbaufonds zu stoppen.

Vertreter von EU-Parlament, Rat und Kommission einigten sich auf ein europäisches Klimagesetz.

Und die Konferenz über die Zukunft Europas ging an den Start, bei der die Bürger in Echtzeit an Reformdebatten teilnehmen können.

Doch nichts bewegte die Menschen so sehr wie das, was einmal als eine der gigantischsten Management-Fehlkalkulationen des Profi-Fussballs in die Geschichte eingehen könnte.

Nur zwei Tage nach ihrer Ankündigung, brachten Proteste von Fans, Spielern, Trainern und sogar Politikern die Super League zu Fall, ein elitärer Konkurrenzwettbewerb, der seinen handverlesenen Clubs Milliardeneinnahmen versprach.

Doch angesichts einer Tsunami-ähnlichen Opposition zogen die meisten Clubs ihr Engagement zurück, und das Projekt wurde zu den Akten gelegt. Es war als hätten wie eine Atombombe gezündet, sagte der Präsident von Real Madrid.

Die Kapitulation wurde weithin applaudiert.

Nun sind Versuche im Gange, die Rebellen-Vereine in Europas Fußballfamilie zurückzuholen.

Die ganze Episode zeigt, dass selbst in der Sportpolitik Mehrheiten, Kompromiss und öffentliche Unterstützung gebraucht werden.

Ob es genug öffentliche Unterstützung für das neue EU-Klimagesetz gibt, muss sich erst noch zeigen.

Die EU-Kommission lobte es als Kernelement ihres Green Deals, das die Union für lange Jahre auf einen grünen Pfad führen werde. Doch so mancher ist enttäuscht.

Stefan Grobe sprach darüber mit Michael Bloss, Umweltpolitiker der deutschen Grünen im Europäischen Parlament.

Euronews: Sie sind einer der Schlüsselakteure, wenn es in Brüssel um Klimapolitik geht, und Sie sind über das Klimagesetz nicht glücklich. Warum ist es Ihnen nicht genug?

Bloss: Also, die nächsten zehn Jahre werden die wichtigsten im Kampf gegen den Klimawandel sein. Und dabei müssen wir wirklich den Anstieg der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius drücken. Dafür brauchen wir aber eine Schadstoffreduzierung von 65 Prozent, vereinbart sind aber nur 52,8 Prozent.

Das ist aber nicht genug und auch nur der globale Durchschnitt.

Die EU sollte hier mehr tun. Wir sind also weit weg von wirklichen Zielen, und darüber bin ich nicht glücklich. Wir können aber immer noch Verbesserungen erzielen, etwa beim Preis für CO2 in den einzelnen Sektoren, etwa bei Autos oder erneuerbaren Ennergien.

Euronews: Dennoch lobte die Kommission das Gesetz als historisch. Gibt es denn positive Aspekte Ihrer Meinung nach?

Bloss: Ja, ich verstehe, dass sie ihre eigene Arbeit loben, aber ich beurteile es danach, was tatsächlich für die Atmosphäre nötig ist, für das Klima, und da ist das Gesetz einfach ungenügend.

Es gibt aber ein paar gute Elemente. Zum Beispiel ist ein Wissenschaftsrat mit 15 Forschern geschaffen worden, der Empfehlungen aussprechen soll. Das ist positiv. Dann ist es gelungen, die Art, wie wir Erfolg messen, etwas zu korrigieren.

Bisher wurde das in Prozent gemessen. Das ist zwar schön, aber die Atmosphäre schert sich nicht um Prozentangaben. Für die Atmosphäre ist entscheidend, wieviel Tonnen CO2 wir tatsächlich ausstoßen.

Euronews: Das Klimagesetz wurde rechtzeitig zu Joe Bidens virtueller Klimakonferenz vereinbart. Sind Sie optimistisch, dass mit der neuen US-Regierung eine globale Klimapoliitk wirklich zur internationalen Priorität wird?

Bloss: Also, ich denke, der Klimagipfel ist eher etwas für das Publikum. Die USA präsentieren ihre Klimaziele, Kanada tut das, und die EU tut das. Jeder spendet dem anderen Beifall.

Das ist gut, weil es eine neue Dynamik bringt. Aber wir sollten keine Klimapolitik aus PR-Gründen betreiben, fürs Foto, sondern für die Atmosphäre.

Und wir wissen, was uns die Wissenschaft sagt und was wichtig ist. Im Moment besteht immer noch ein Unterschied zwischen dem Schadstoffausstoß, den wir reduzieren müssen und dem, den wir tatsächlich reduzieren.

Das ist also das Problem, das ich mit der Klimavereinbarung habe. Sie wurde einfach zu hastig geschlossen. Es gab am Ende sehr viel Druck, rechtzeitig vor dem Biden-Gipfel fertig zu werden. Ich glaube, wenn wir ein wenig länger verhandelt hätten, hätten wir einen besseren Deal bekommen.