Die Region Schjetysu zählt zu den vielfältigsten Gegenden Kasachstans: Wüste, Berge, Wasserfälle, Seen und historische Stätten in einer Reise.
Kasachstan, das flächenmäßig größte Land Zentralasiens, verbinden viele mit endlosen Steppen. Ein großer Teil der natürlichen Schönheit des Landes ist jedoch noch unentdeckt. Ein besonders gutes Beispiel dafür ist die Region Zhetysu.
Dieser Zipfel im Südosten Kasachstans vereint Wüsten, Wälder, Wasserfälle, Bergseen, Skigebiete, alte Monumente und archäologische Stätten – und das alles auf einer einzigen Reise. Wer verstehen will, warum Zhetysu so vielfältig ist, beginnt am besten mit seiner Lage.
Die Region grenzt an China und diente seit Langem als Brücke zwischen Ost und West. Als Teil der alten Seidenstraße verband sie Menschen, Kulturen und Waren aus unterschiedlichen Teilen der Welt.
Naturschätze des Dzungarian Alatau
Der Dzungarian Alatau gehört zu den am meisten unterschätzten Gebirgsregionen Kasachstans. Entlang der Grenze zu China ziehen sich hier Bergseen, Gletscher, Wasserfälle und dichte Wälder.
Der Dzungarian Alatau eignet sich hervorragend zum Wandern und Entdecken der Natur. Jeden Frühling feiern die umliegenden Dörfer das Sievers-Apfelblütenfest, gewidmet dem wilden Sievers-Apfel.
Genetische Studien deuten darauf hin, dass er der ursprüngliche Vorfahr unserer heutigen Äpfel ist. Besucher können durch blühende Obstgärten spazieren, lokale Speisen probieren und traditionelle Musik genießen.
Eines der bemerkenswertesten Naturmerkmale des Gebirgszugs ist das Dzungarian Gate, ein natürliches Gebirgstor von etwa 50 Kilometern Länge. Im 13. Jahrhundert nutzten die Heere von Dschingis Khan diese Passage als strategische Route auf ihren Feldzügen durch Zentralasien.
Zu den malerischsten Zielen im Dzungarian Alatau zählen der See Zhasylkol und der Wasserfall Burkhan Bulak.
Der See Zhasylkol, sein Name bedeutet auf Kasachisch „grüner See“, ist berühmt für sein smaragdgrünes Wasser. Umgeben von Wäldern und Gipfeln ist er ein beliebter Ort zum Wandern, Campen und Fotografieren.
Nationalpark Altyn-Emel
Zwischen Taldykorgan und Almaty liegt der Nationalpark Altyn-Emel. Er ist vor allem für seine „Singende Düne“ bekannt. Warum „singt“ sie? Wenn der Sand den Hang hinabrutscht, reiben die Körner aneinander und erzeugen einen Ton. Wer ihn hören will, steigt auf den Kamm der Düne und läuft wieder hinunter.
Viele vergleichen den Klang mit dem der Qobyz, einem traditionellen kasachischen Streichinstrument. Andere fühlen sich eher an eine Flöte oder sogar an das Brummen eines Flugzeugs erinnert.
Nur eine kurze Autofahrt entfernt eröffnet sich mit den Kreidebergen von Aktau eine völlig andere Landschaft. Ihre weißen, gelben, rosafarbenen und purpurroten Schichten entstanden vor rund 400 Millionen Jahren, als dieses Gebiet noch vom Urmeer bedeckt war.
Besucher können die Singende Düne und die Aktau-Berge auf Tagestouren erkunden, die von Almaty oder Taldykorgan starten.
See Alakol
Der See Alakol zählt zu den beliebtesten Badeseen Kasachstans. Lange bevor er zum Ferienziel wurde, kamen die Menschen jedoch aus einem anderen Grund hierher. Der See ist bekannt für sein mineralreiches Wasser und seinen Heilschlamm.
Zu Sowjetzeiten erholten sich Kosmonauten nach langen Weltraummissionen am See Alakol. Später diente der See auch Kindern, die 1989 von der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl betroffen waren, als Ort der Rehabilitation und Kur.
Heute stehen entlang des Ufers zahlreiche Hotels, Pensionen und Resorts zur Auswahl. Der See ist leicht erreichbar – mit saisonalen Flügen aus Astana und Almaty oder über die Straße von Taldykorgan.
See Balchasch
Man stelle sich einen See vor, dessen eine Hälfte aus Süßwasser besteht und dessen andere Hälfte salzig ist. Genau das macht den See Balchasch zu einem der seltenen Naturphänomene der Welt.
Der See erstreckt sich über mehr als 600 Kilometer im Südosten Kasachstans und teilt sich in zwei deutlich unterschiedliche Becken: Süßwasser im Westen, Salzwasser im Osten.
Abseits seiner ungewöhnlichen Geografie ist der See Balchasch ein beliebtes Sommerziel der Einheimischen. Besucher kommen zum Baden, Angeln und für Bootstouren.
Holzmoschee von Zharkent
Neben Nationalparks und Naturwundern beherbergt Zhetysu auch bemerkenswerte historische Bauwerke. Eines der eindrucksvollsten ist die Holzmoschee von Zharkent.
Sie steht in der Nähe der historischen Handelsrouten zwischen Kasachstan und China und zeigt, wie sich entlang der Seidenstraße unterschiedliche Traditionen, Religionen und Baustile begegneten.
Auf den ersten Blick erinnert die Moschee eher an einen chinesischen Tempel als an ein klassisches islamisches Gotteshaus. Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1886. Damals war Zharkent eine kleine uigurische Siedlung. Die gesamte Konstruktion der Moschee entstand ohne einen einzigen Nagel.
Heute dient die Moschee als Museum. Sie ist täglich von neun bis 16.30 Uhr geöffnet.
Khorgos: Tor der modernen Seidenstraße
Die Seidenstraße und das Dzungarian Gate existieren auch heute noch, nur in anderer Form.
Aus der einstigen Route für Kamelkarawanen wurde der Handelskorridor von Khorgos, das Internationale Zentrum für Grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Er gehört zu den größten Trockenhäfen der Welt und bildet ein wichtiges Tor für den Handel zwischen China, Zentralasien und Europa.
Beim Bummel durch Khorgos lässt sich kaum erkennen, wo das eine Land endet und das andere beginnt. Man hört sowohl Kasachisch als auch Chinesisch, sieht Schilder in mehreren Sprachen und trifft auf Käufer, Händler und Touristinnen und Touristen von beiden Seiten der Grenze.
Viele Gäste kommen allein wegen der zollfreien Einkaufsmöglichkeiten. Andere wollen eine der ungewöhnlichsten Grenzzonen der Welt aus nächster Nähe erleben.
Uralte Petroglyphen
Wer noch weiter in die Vergangenheit reisen möchte, besucht die prähistorischen Petroglyphen von Zhetysu. Vor Tausenden von Jahren in den Fels geritzt, zeigen sie Jagdszenen, Wildtiere, rituelle Handlungen und geheimnisvolle Figuren mit Sonnenköpfen.
Diese uralten Darstellungen erzählen vom Leben bronzezeitlicher Gemeinschaften und früher Nomadengesellschaften. Viele der Felsbilder sind bis heute gut erhalten.
Zu den weniger bekannten Sehenswürdigkeiten Zhetysus gehört der sogenannte Buddha-Stein bei Tekeli. Wer ihn geschaffen hat, ist bis heute ungeklärt. In den Fels ist eine buddhistische Inschrift in tibetischer Schrift eingeritzt, die vermutlich im 17. oder 18. Jahrhundert entstand.
Zhetysu entwickelt sich zudem zu einem Ziel für Abenteuersport. Die Gebirgsflüsse eignen sich ideal zum Rafting, die umliegenden Gipfel und Täler bieten beste Bedingungen für Paragliding, Klettern und Trekking.
Ob Natur, Geschichte oder Outdoor-Aktivitäten – in Zhetysu finden Reisende eine ungewöhnliche Mischung aus Landschaften und Erlebnissen. Genau das macht die Region zu einem der markantesten Reiseziele Zentralasiens.