Spanien rechnet dieses Jahr mit 100 Millionen ausländischen Gästen und stellt im Kampf gegen Overtourism Menschen und Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt seiner Tourismuspolitik.
Spanien steuert in diesem Jahr auf 100 Millionen internationale Gäste zu. Zugleich wächst die Sorge vor Massentourismus, daher denkt das Land neu darüber nach, wie es das weitere Wachstum steuert.
In einer Präsentation auf der Arabian Travel Market in Dubai skizzierte Carlos Ruiz González, Direktor des Spanischen Fremdenverkehrsamts für die Golfregion bei Turespaña, wie der Plan „Spain Tourism 2030“ Menschen und Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt der nächsten Wachstumsphase stellt – mit besonderem Blick auf die Bevölkerung vor Ort und wenig besuchte Reiseziele.
Der Plan entstand in Abstimmung mit mehr als 200 Tourismusfachleuten, Unternehmen, Behörden und anderen Organisationen. Er erkennt an, dass die Reiseziele in Spanien sehr unterschiedliche Herausforderungen haben. Sie reichen von reifen Badeorten und stark frequentierten Städten wie Barcelona bis zu ländlichen und innerländischen Regionen, die mehr Gäste anziehen wollen.
Spanien ist das weltweit zweitmeistbesuchte Land. 2025 kamen 96,8 Millionen internationale Gäste. Der Tourismus steht für 12,6 % des Bruttoinlandsprodukts und sichert rund drei Millionen Arbeitsplätze.
Die Besucherzahlen steigen auch 2026 weiter, doch die Regierung schaut zunehmend über reine Ankunftszahlen hinaus. Sie sucht Wege, das Wachstum zu steuern und den Druck auf überfüllte Reiseziele zu mindern.
„In den vergangenen Jahren haben wir uns gefragt, wie wir mit diesem Erfolg umgehen sollen“, sagte Ruiz González. „Manche Ziele sterben vor lauter Erfolg, würde ich sagen. Und doch haben wir ein großes, sehr vielfältiges Land.
Deshalb hat Spaniens Regierung entschieden, dass dies zu einer umfassenden Staatspolitik werden muss und nicht nur Tourismuspolitik. Alle Ministerien, alle Branchen in Spanien ziehen an einem Strang.“
Spanien: So soll der Tourismus nachhaltiger werden
Der in drei Phasen angelegte Fahrplan soll über jeweils zweijährige Aktionspläne umgesetzt werden. „Spain Tourism 2030“ ist eine regierungsweite Strategie, die wirtschaftliche, soziale und ökologische Nachhaltigkeit zusammenführt.
Nach Angaben von Ruiz González reichen die wichtigsten Herausforderungen von der Klimakrise und der Beschäftigungslage über Druck auf den Wohnungsmarkt und Überfüllung bis hin zur Entvölkerung ganzer Regionen.
Bewohnerinnen und Bewohner gelten als „Kernzielgruppe“, nicht als „Nebeneffekt“. Sie bilden eine von fünf Gruppen im Zentrum der neuen Strategie, neben Reisezielen, Unternehmen, Beschäftigten im Tourismus und Gästen.
„Wir wollen, dass die Einheimischen Teil des Systems sind“, sagte Ruiz González. „Touristen reisen dorthin, wo Menschen leben. Also müssen die Menschen weiter dort leben können, sich ein Haus oder eine Wohnung leisten und sich frei bewegen können, ohne ständig auf Probleme zu stoßen.“
Ein Teil der Strategie soll Gäste stärker über das ganze Land verteilen und zu langsameren Reisen mit längeren Aufenthalten anregen.
Reiseziele in Spanien: Wohin sich Besucher verteilen sollen
Spanien will Reisende nicht aktiv von seinen beliebtesten Zielen fernhalten. Turespaña möchte sie jedoch dafür gewinnen, ländliche Regionen und weniger bekannte Gegenden zu entdecken.
„Einige Reiseziele brauchen kaum Werbung – sie sind weltweit bekannt“, sagte Ruiz González. „Im Grunde möchten wir, dass die Menschen weiter ins Landesinnere fahren. Und wir wünschen uns, dass sie langsam reisen und so lange wie möglich bleiben.“
Für Reisende, die Natur und Wanderungen suchen, nannte er die Pyrenäen und die Picos de Europa sowie die Bergkette Sierra de Guadarrama, einen Nationalpark unweit der Hauptstadt Madrid.
Ruiz González verwies außerdem auf die historischen Städte und kleineren Orte in Kastilien. Das dichte Netz an Hochgeschwindigkeitszügen erleichtert inzwischen Reisen in Gegenden fern der etablierten Tourismushochburgen.
„Wir wollen, dass alle unsere Reiseziele Teil der Lösung werden“, sagte er.