36 Stunden verbringen Geflüchtete auf einem Boot im Ärmelkanal, um nach Großbritannien zu gelangen. Dort warteten Demonstranten, welche die Ankunft verhindern wollten. Die Polizei musste eingreifen. Behörden zufolge ist die Zahl der Ankünfte von Migranten auf einem neuen Tiefststand.
Die Polizei in Großbritannien hat sechs Demonstranten festgenommen, die gegen die Ankunft eines Bootes mit Migranten demonstrierten. Die Kundgebung gegen Migration in Südengland sei "feindselig gegenüber den Einsatzkräften" geworden, teilten die Behörden mit. Zu diesem Zeitpunkt war ein Boot mit Migranten seit 36 Stunden auf dem Weg über den Ärmelkanal von Frankreich nach Großbritannien.
Angesichts härterer Kontrollen durch französische und britische Behörden greifen Migranten, die verzweifelt nach Großbritannien wollen, seit einigen Monaten zu neuen Strategien. Sie nutzen größere Schlauchboote und weichen auf neue Routen aus.
Das hat in England neue Wut ausgelöst. In südlichen Küstenorten versammeln sich nun Gegner von Einwanderung, die die Ankunft von Asylsuchenden verhindern wollen.
Ankunft von Booten mit Migranten sorgt für Unmut
Rund 200 Menschen demonstrierten nach Berichten britischer Medien in der Hafenstadt Gosport an der Südküste. Einige trugen schwarze Kleidung und vermummten sich. Sie protestierten gegen die erwartete Ankunft eines Bootes mit Migranten.
Nach Angaben der britischen freiwilligen Küstenwache war das kleine Boot 36 Stunden auf See. Das Schlauchboot mit 51 Migranten landete schließlich jedoch im südostenglischen Dover.
Die französischen Behörden erklärten, die Migranten an Bord des "ungeeigneten" Bootes hätten Hilfe abgelehnt, weil sie "fest entschlossen seien, jedes Risiko einzugehen, um das Vereinigte Königreich zu erreichen".
Die Insassen hätten "mehr als 33 Stunden unter prekären Bedingungen auf See verbracht", hieß es in einer Mitteilung der maritimen Präfektur des Ärmelkanals und der Nordsee der französischen Regierung.
Bereits Anfang des Monats hatten sich in Portsmouth im südenglischen County Hampshire Hunderte Demonstranten versammelt. Sie versuchten, die per Schlauchboot angekommenen Asylsuchenden zu blockieren.
Die Behörden befürchten, dass Hampshire, wo bislang nur selten kleine Boote ankamen, zu einem neuen Ziel der Überfahrten wird.
Üblicherweise erreichen die Boote weiter östlich die Küste der Grafschaft Kent, wo der Ärmelkanal zwischen Frankreich und Großbritannien am schmalsten ist.
Geflüchtete suchen neue Routen
Auch die französischen Behörden berichten von "zunehmendem" Druck. Migranten brechen demnach weiter westlich auf, wo die Grenzpatrouillen dünner besetzt sind.
Großbritannien ringt seit Langem mit der Frage, wie es die gefährlichen Überfahrten eindämmen kann. Sie haben der rechtsaußenstehenden Partei Reform UK zusätzlichen Zulauf verschafft.
Das Innenministerium erklärte Anfang September, die Zahl der Überfahrten im August sei auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2018 gefallen. Auch die Zahl der ankommenden Migranten liege so niedrig wie seit 2020 nicht mehr.
Aber in den vergangenen Monaten meldeten die Behörden, dass pro Boot mehr Menschen an Bord sind.
Nach Angaben des Innenministeriums haben seit Jahresbeginn bis einschließlich Sonntag 17.480 Menschen in kleinen Booten den Ärmelkanal überquert.
Das ist nur ein sehr kleiner Teil der Gesamtzahl der Menschen, die jedes Jahr nach Großbritannien ziehen wollen. Die große Mehrheit kommt über legale Wege, wie Regierungsdaten zeigen.