Zwei europäische Länder schaffen es in einem neuen globalen Ranking der Steuersysteme für Auswanderer unter die Top zehn, Deutschland landet auf dem letzten Platz. Der Bericht zeigt, warum niedrige Steuern allein ein Land nicht automatisch lebenswert machen.
Ein neues Ranking von Global Citizen Solutions (GCS) vergleicht 48 Staaten und Territorien anhand dieser Faktoren. In Europa liegen Malta und Zypern vorn, obwohl keines der beiden den niedrigsten offiziellen Einkommensteuersatz bietet.
Der Bericht stützt sich auf elf Indikatoren, gebündelt in drei Kategorien: Steuerlast, Steuerstruktur und Investitionsmigration, also Programme für Aufenthalt oder Staatsbürgerschaft. Daraus entsteht ein Gesamtscore. Ein höherer Wert bedeutet günstigere Bedingungen für international mobile Menschen.
Steueroptimierung bedeutet, die eigenen Finanzen legal so zu strukturieren, dass die Steuerbelastung sinkt.
Malta und Zypern in den Top zehn
Die beiden europäischen Länder in den globalen Top Ten, Malta und Zypern, punkten vor allem, weil sie Zugezogenen teils eine vorteilhafte steuerliche Behandlung bieten – insbesondere für im Ausland erzielte Einkünfte – und nicht nur mit niedrigen Steuersätzen werben.
Malta und Zypern erreichen jeweils 82 von 100 Punkten bei der Steuerlast und 63 Punkte bei der Steuerstruktur. Bei der Investitionsmigration kommt Malta auf 83 Punkte, Zypern auf 78. Insgesamt liegt Malta damit auf Rang sechs, Zypern auf Platz zehn.
GCS schreibt, beide Länder hätten ihre Positionen „durch bevorzugte Regelungen statt durch niedrige Spitzensteuersätze“ erreicht.
Monaco (68,6), Georgien (68,3) und Bulgarien (62,8) komplettieren die europäischen Top fünf.
Nach diesen Spitzenreitern fallen alle europäischen Werte unter 60 Punkte und rutschen im weltweiten Vergleich aus den Top 20.
Deutschland weltweit Schlusslicht
Deutschland landet im Vergleich aller 48 untersuchten Jurisdiktionen auf dem letzten Platz. Beim Kriterium Steuerstruktur, das den Umgang mit Auslandseinkünften und wegziehenden Personen misst, erreicht das Land nur 17 von 100 Punkten.
Der Bericht verweist auf die Besteuerung des weltweiten Einkommens von Steuerpflichtigen, die Erbschaftsteuer und eine Wegzugsbesteuerung als Gründe für die schwache Platzierung.
Dänemark (30,4), Spanien (36,9), Frankreich (37,7) und Norwegen (38,4) liegen ebenfalls am unteren Ende der europäischen Rangliste.
Danach folgt im europäischen Vergleich das Vereinigte Königreich mit 50,9 Punkten; ein höherer Wert signalisiert günstigere Steuerbedingungen für Menschen, die ins Ausland ziehen.
Unter den fünf größten Volkswirtschaften Europas schneidet Italien mit 56,9 Punkten am besten ab. Unter Einbeziehung der EU-Beitrittskandidaten Türkei und Georgien belegt das Land Rang neun in Europa und Rang 26 weltweit.
Mehrere andere europäische Jurisdiktionen liegen dicht beieinander: Die Spannweite reicht von 58,2 Punkten in der Schweiz bis 51,2 Punkten in den Niederlanden. In diesem Bereich bewegen sich auch die Türkei (56,9), Ungarn (54,9), Schweden (54,1) und Irland (53,1).
Monaco, Bulgarien und Andorra mit geringster Steuerlast
Ein anderes Bild ergibt sich, wenn man die drei Teile des Rankings getrennt betrachtet.
Die Kennzahl zur Steuerlast umfasst die Einkommensteuer für Privatpersonen, die Kapitalertragsteuer auf börsennotierte Wertpapiere, die Netto-Vermögensteuer und die Erbschaftsteuer.
Monaco (93), Bulgarien (92) und Andorra (89) erzielen hier die höchsten Werte. Es folgen Malta (82) und Zypern (82).
Spanien (25), Frankreich (26) und Dänemark (30) bilden bei dieser Kennzahl das Schlusslicht in Europa. Deutschland kommt trotz seines letzten Gesamtplatzes auf 40 Punkte.
Wie Staaten Auslandseinkünfte besteuern
Die Steuerstruktur bewertet, wie ein Land im Ausland erzielte Einkünfte und wegziehende Personen besteuert. Malta und Zypern erreichen hier den europäischen Höchstwert von 63 Punkten.
Deutschland liegt mit 17 Punkten am Ende, gefolgt von Ungarn (25), Andorra (26), Estland (27) und Bulgarien (29). Die Türkei erzielt ebenfalls 29 Punkte, wird im Bericht aber gesondert geführt.
Ein Land kann also in einer Kategorie gut abschneiden und trotzdem insgesamt schwach bewertet werden. GCS formuliert es so: „Zentraler Befund ist, dass Steuersätze und Struktur eines Steuersystems weitgehend unabhängig voneinander sind.“
Steuerlast und Steuerstruktur machen zusammen 85 Prozent des Index aus und gehen mit gleichem Gewicht ein.
Wie Europa im Weltvergleich abschneidet
Die Vereinigten Arabischen Emirate stehen mit einem Wert von 82,7 an der Spitze des Gesamtindex. Es gibt dort keine Einkommensteuer für Privatpersonen, eine Verbrauchsteuer von fünf Prozent und keine Wegzugssteuer.
Antigua und Barbuda folgt mit 82,2 Punkten auf Rang zwei, dahinter Paraguay (77,2), Hongkong (76,9) und die Bahamas (76,2).
Am unteren Ende des weltweiten Rankings stehen die Vereinigten Staaten mit 33,5 Punkten auf Platz 46. Nur Dänemark und Deutschland schneiden noch schlechter ab. Japan belegt mit 36,4 Punkten Rang 45.
Bedeutet ein gutes Steuerranking auch bessere Lebensqualität?
Der Bericht vergleicht die Ergebnisse zudem mit den Lebensqualitäts-Rankings des Global Passport Index 2026. Länder mit hoher Lebensqualität landen beim Thema Steueroptimierung oft nur im Mittelfeld.
Schweden steht weltweit auf Platz zwei bei der Lebensqualität, beim Thema Steueroptimierung aber nur auf Rang 32. Deutschland liegt auf den Plätzen drei und 48, Dänemark auf Rang vier und 47, Norwegen auf fünf und 40.
Der Bericht identifiziert jedoch sieben Ausnahmen, die bei der Steueroptimierung zur besseren Hälfte gehören und zugleich unter den Top 50 bei der Lebensqualität rangieren: Malta, Zypern, Portugal, die Schweiz, Uruguay, Costa Rica und Mauritius. Portugal liegt auf Rang 23 bei der Steueroptimierung und Rang elf bei der Lebensqualität, Malta auf Rang sechs und 28.
Keines dieser sieben Länder verzichtet vollständig auf die Einkommensteuer. Sie behandeln Auslandseinkünfte jedoch oft günstiger – etwa durch Ausnahmen, Sonderregime oder Regeln, nach denen solche Einkünfte erst bei Überführung ins Land besteuert werden. So ziehen sie Menschen an, die ins Ausland gehen, und erzielen trotzdem Steuereinnahmen zur Finanzierung öffentlicher Leistungen.
Die 48 betrachteten Jurisdiktionen wählte GCS nach ihrer Bedeutung für Auswanderung und Steuerplanung aus, nicht nach der Größe ihrer Volkswirtschaften.