Lettland konzentriert sich auf eine technologische Nische: Glasfasertechnik Das Land exportiert mehr als 90 % seiner Produktion. Diese vielseitige Technologie aus synthetischem Quarz ist flexibel und kann ultraviolette sowie infrarote Strahlung übertragen.
Dr. Ints Ūdris, Gefäßchirurg und Phlebologe, nutzt bei seinen Operationen täglich Glasfasertechnik. Die Fasern sind flexibel und leiten Licht, UV- und Infrarotstrahlung. Seit 2016 arbeitet Ūdris mit einem der führenden lettischen Unternehmen der Branche, Lightguide, an der Entwicklung von Kathetern. „Sie sind sehr dünn und flexibel. Die Hitze konzentriert sich nicht auf einen einzigen Punkt. Dadurch ist der Eingriff weniger invasiv und die Genesung verläuft schneller“, sagt er und hält einen Glasfaserkatheter hoch.
Die Region Latgale, die an Litauen, Russland und Belarus grenzt, ist das Zentrum der lettischen Glasfaserindustrie. In der Stadt Līvāni sind dank des europäischen Projekts zahlreiche spezialisierte Unternehmen entstanden: Optical Fiber Valley, das Glasfasertal. Lightguide produziert jährlich rund 20 Millionen Meter Glasfaser, passt die Produkte individuell an die Wünsche der Kunden an und exportiert in mehr als fünfzig Länder. Laut Santa Vucina, der Qualitätsmanagerin, haben die dort gefertigten Produkte ein breites Einsatzspektrum.„Wir fertigen jährlich rund eine Million einfache medizinische Geräte, die aus einer einzelnen Faser und einem einfachen Anschluss bestehen“, sagt sie. „Glasfasern übertragen Licht nahezu verlustfrei von Punkt A nach Punkt B, wodurch sich energiereiche oder hochpräzise Signale transportieren lassen. Manche unserer Glasfasern sind so dünn wie ein Haar“, sagt sie. „Wir arbeiten hier mit Fasern, deren Kern einen Durchmesser von rund 50 Mikrometern hat, vielleicht sogar etwas weniger, jedoch nicht mit den winzigen Fasern, wie sie etwa in der Telekommunikation üblich sind. Uns liegen derzeit keine Hinweise vor, dass unsere Produkte in der Militärtechnik eingesetzt wurden, möglich wäre es aber“, erklärt sie.
Das Gesamtbudget von „Optical Fiber Valley“ beläuft sich auf mehr als 5,4 Millionen Euro; 40,4 % stammen aus der europäischen Kohäsionspolitik, 59,6 % von Unternehmen und Organisationen, die an dem Projekt beteiligt sind.
Bis 2036 soll der Glasfasersektor 10 % des lettischen BIP ausmachen
Die Nachfrage nach Glasfasern in der Medizin und anderen Bereichen boomt in Europa. Die Lettische Investitions- und Entwicklungsagentur (LIAA) fördert diese Geschäftstätigkeit, betont Vita Balode Andrews, Leiterin der Abteilung für Export- und Innovationsdienstleistungen.
In der Medizin kommt diese Art von Glasfaserinstrument „in der Proktologie, der plastischen Chirurgie, der Fettabsaugung, der Urologie, der Augenheilkunde und der Kardiologie“ zum Einsatz, erklärt Dr. Ints Ūdris. Diese medizinischen Geräte verbessern nicht nur die Lebensqualität der Patienten, sondern verbrauchen heute auch „nur noch etwa ein Viertel der Energie im Vergleich zu vor fünfundzwanzig Jahren“.