In knapp 59 Prozent der russischen Haushalte lebt mindestens eine Katze. Nach der Mobilmachung 2022 blieben jedoch Hunderttausende Tiere zurück; bis zu 98 Prozent der Streuner waren früher Haustiere.
Russland ist weltweit das Land mit den meisten Katzenhaltern. In fast neunundfünfzig Prozent der Haushalte lebt mindestens eine Katze. Auf den Straßen streunen schätzungsweise 2,8 Millionen Katzen. Diese Zahl ist nach der Mobilmachung 2022 stark gestiegen: Damals flohen Tausende Tierhalter entweder ins Ausland oder wurden an die Front des anhaltenden russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine geschickt.
Laut einer Studie der Analyseplattform Seasia Stats für die Jahre 2024 bis 2026 liegt Russland beim Anteil von Katzen als Haustieren weltweit auf Platz eins. In Europa folgt Rumänien mit 48 Prozent, danach Polen mit 41 Prozent, Lettland mit 37 Prozent und Ungarn mit 35 Prozent. Außerhalb Europas zählen Indonesien, die Philippinen, Thailand, Neuseeland und die USA ebenfalls zu den Top Ten. Die Ergebnisse decken sich mit einer Untersuchung von 2023 des Versicherers Ingosstrakh und der Finanzuniversität, in der 58,8 Prozent der russischen Befragten angaben, eine Katze zu besitzen.
Die Zahlen zu Streunern stammen aus einer separaten Studie des Zentrums für Studien zu Tierernährung und Wohlbefinden, der Tierschutzorganisation Nika und des Marktforschungsunternehmens Ipsos.
Demnach lebten 2025 in Russland fast 3,6 Millionen herrenlose Tiere, davon 2,8 Millionen Katzen und 800.000 Hunde.
Rund 170.000 dieser Tiere befanden sich zum Zeitpunkt der Erhebung in Tierheimen, der Rest lebte auf der Straße. Nach Einschätzung der Forschenden waren bis zu 98 Prozent der Streunerkatzen und -hunde früher Haustiere; ihre Halter haben sie ausgesetzt.
Tierschutzorganisationen registrierten einen sprunghaften Anstieg von Aussetzungen, nachdem Russland im September 2022 die Teilmobilmachung angekündigt hatte.
Männer mit Einberufungsbescheiden verließen entweder das Land oder bereiteten sich auf den Fronteinsatz vor. Viele konnten keine Betreuung für ihre Tiere organisieren und fanden keinen Platz in einem Tierheim.
Auf Kleinanzeigenportalen drohten Halter, ihre Tiere einschläfern zu lassen, falls sie niemand übernahm. Ehrenamtliche in Tierheimen berichten von ähnlichen Ultimaten, wenn Menschen ihre Tiere persönlich abgaben.
In Russland gibt es 819 Tierheime, überwiegend in privater Hand, dazu Hunderte Hilfsorganisationen und Zehntausende Freiwillige. Gemeinsam kümmern sie sich um 170.000 bis 250.000 Tiere. Das sind höchstens fünf bis sieben Prozent der geschätzten Zahl an Streunern.
Die Beliebtheit von Katzen in Osteuropa hat historische Gründe. Vor der Industrialisierung der Landwirtschaft erfüllten sie auf Bauernhöfen eine praktische Aufgabe: Ihre Anwesenheit und ihr Geruch hielten Nagetiere fern.
In Südostasien führen Forschende den wachsenden Katzenbestand in Haushalten auf zunehmende Urbanisierung und eine wachsende Mittelschicht zurück.
Katzen leben seit rund 10.000 Jahren an der Seite des Menschen. Heute gehören sie – neben Hunden – zu den beliebtesten tierischen Begleitern.