Gute Fitness im Jugendalter schützt laut neuer Studie vor Depressionen im Erwachsenenalter.
Körperliche Aktivität steht seit Langem mit besserer psychischer Gesundheit in Verbindung. Doch lässt sich aus der Fitness im Kindes- oder Jugendalter vorhersagen, wie es einem seelisch viele Jahre später geht?
Jugendliche mit guter Ausdauerfitness haben später ein geringeres Risiko, eine Depression zu entwickeln, zeigt eine neue Studie.
Ein Forschungsteam in Australien hat dazu Daten von mehr als 1.000 Menschen ausgewertet. Die Teilnehmenden gehören zu einer landesweiten Kohorte, die erstmals 1985 befragt wurde und seither über mehr als drei Jahrzehnte hinweg in diagnostischen Interviews zu ihrer psychischen Gesundheit begleitet wird.
Die Fitness der Kinder wurde mit körperlichen Tests erfasst, darunter ein 1,6-Kilometer-Lauf zur Beurteilung der Herz-Kreislauf-Leistungsfähigkeit und ein Standweitsprung zur Messung der Muskelkraft. Eine kleinere Gruppe absolvierte zusätzlich Tests auf dem Fahrradergometer sowie Messungen der Handgriffstärke.
Die im Journal of Affective Disorders (Quelle auf Englisch) veröffentlichte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass junge Menschen, die schneller laufen und damit eine bessere Herz-Kreislauf-Fitness haben, im Erwachsenenalter ein um 15 % geringeres relatives Risiko für Depressionen tragen.
Im Schnitt liefen die Teilnehmenden die Strecke in etwa acht Minuten und 27 Sekunden. Wer rund eine Minute und 15 Sekunden schneller war als der Durchschnitt, hatte demnach ein deutlich geringeres Risiko für eine spätere Depression.
Am stärksten war der schützende Effekt der Herz-Kreislauf-Fitness fünf bis zehn Jahre nach den ersten Tests, also in der Phase unmittelbar nach der Kindheit. Danach nahm der Nutzen langsam ab. Die Zusammenhänge blieben jedoch über die gesamte Nachbeobachtungszeit von 34 Jahren hinweg bestehen.
Über alle Messungen der Herz-Kreislauf-Fitness hinweg stellten die Autorinnen und Autoren fest, dass der schützende Effekt bei Frauen durchweg stärker war als bei Männern. Frauen litten im Verlauf ihres Lebens auch häufiger unter Depressionen.
„Wir können nicht mit Sicherheit sagen, dass mangelnde Fitness in der Kindheit Depressionen im Erwachsenenalter verursacht“, sagte Kyle Smith, der Hauptautor der Studie. „Die Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass körperliche Leistungsfähigkeit in jungen Jahren über Vorteile für die reine körperliche Gesundheit hinausgeht.“
„Zu einer Depression führen viele verschiedene Faktoren, kein einzelner erklärt das Risiko vollständig. Fitness könnte ein Teil dieses Puzzles sein.“
Die Zahl der Menschen mit psychischen Erkrankungen hat sich in den vergangenen 30 Jahren fast verdoppelt, vor allem wegen stark gestiegener Angststörungen und Depressionen weltweit. Schätzungen zufolge leben rund 322 Millionen Erwachsene mit Depressionen, etwa jede zwanzigste Person.
Da die Zahlen weiter steigen, richten Forschende den Blick zunehmend auf Lebensstilfaktoren, die helfen können, Depressionen zu verhindern oder hinauszuzögern.
„Wichtig ist: Fitness können wir beeinflussen. Sie könnte ein zentraler Ansatzpunkt sein, um die psychische Gesundheit langfristig zu verbessern“, sagte Grant Tomkinson, Forscher an der Universität Adelaide.