Loader
Finden Sie uns
Werbung

Verdacht auf Lungenpest in Russland: Was bekannt ist und wie groß das Risiko für Europa ist

Russischer Forscher stirbt nach Infektion mit mutmaßlichen Pestbakterien.
Russischer Forscher stirbt nach Verdacht auf Infektion mit Pestbakterien. -  Copyright  Canva/Cleared
Copyright Canva/Cleared
Von Marta Iraola Iribarren
Zuerst veröffentlicht am •Zuletzt aktualisiert
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

Tod eines Mitarbeiters eines russischen Anti-Pest-Instituts nach Laborunfall rückt die Pest und ihre Verbreitung in den Fokus.

Eine Mitarbeiterin des Anti-Pest-Instituts im russischen Irkutsk ist gestorben, nachdem im Labor ein Reagenzglas zerbrochen war. Das berichten regionale Medien unter Berufung auf nicht namentlich genannte Quellen aus den Sicherheitsbehörden der Region.

WERBUNG
WERBUNG

Die russischen Behörden erklärten, sie hätten keine Hinweise gefunden, dass ihre Erkrankung durch Krankheitserreger ausgelöst wurde, mit denen sie im Labor arbeitete. Dennoch sorgt der Fall in Russland für große Unruhe. Medienberichte ohne offizielle Bestätigung legen nahe, dass die Frau an Lungenpest gestorben sein könnte – einer selteneren, aber schweren Form der Pest, die von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.

Russische Medien berichteten, dass rund 200 Personen, die Kontakt zu der Verstorbenen hatten, streng medizinisch überwacht werden. Mehrere Krankenhäuser in der Region sollen geschlossen und unter Quarantäne gestellt worden sein.

„Da sich die mögliche Ansteckungsquelle in einem Labor befand, das vermutlich gründlich desinfiziert wurde, und Menschen rasch in Quarantäne kamen, ist eine weitere Ausbreitung sehr unwahrscheinlich. Die Krankheit ist zwar ansteckend, sie dürfte aber kaum die Gelegenheit haben, sich zu verbreiten“, sagte Alice Hughes, Professorin für Naturschutzwissenschaft an der Universität Melbourne, gegenüber dem Science Media Centre.

Trotzdem verfolgen die Gesundheitsbehörden die Entwicklungen sehr genau.

Das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) teilte Euronews mit, es beobachte die Lage „sehr aufmerksam“ und stehe in Kontakt mit der Weltgesundheitsorganisation.

„Uns ist der Fall einer Lungenentzündung unbekannter Ursache im Osten Russlands bekannt, bei dem ein Pestverdacht besteht. Dieser Verdacht ist bisher nicht bestätigt“, erklärte eine Sprecherin des ECDC in einer schriftlichen Stellungnahme.

Die Sprecherin fügte hinzu, nach den bislang spärlichen Informationen gebe es keine Meldungen über weitere Fälle oder anhaltende Mensch-zu-Mensch-Übertragung. Zudem gebe es „wenig Reiseverkehr“ zwischen Irkutsk und Staaten der Europäischen Union sowie des Europäischen Wirtschaftsraums, „zumal derzeit wegen Russlands Krieg gegen die Ukraine“.

In Europa ist die Pest seit mehr als 50 Jahren nicht mehr aufgetreten. In Afrika werden jedoch immer wieder menschliche Fälle gemeldet, vor allem in der Demokratischen Republik Kongo und in Madagaskar.

Was sagen Fachleute zum Risiko?

Zu dem Verdachtsfall in Russland liegen nur wenige Informationen vor. Fachleute betonen jedoch, dass vereinzelte Fälle von Lungenpest keineswegs ungewöhnlich sind.

„Die Pest ist keine historische Krankheit“, sagte Zania Stamataki, außerordentliche Professorin für Virusimmunologie an der Universität Birmingham, im Gespräch mit dem Science Media Centre. „Sie ist in Nagetierpopulationen in Afrika, Asien und Amerika heimisch, und jedes Jahr kommt es zu menschlichen Infektionen, darunter auch Ausbrüche der Lungenpest.“

Nach Angaben von Brendan Wren, Professor für mikrobielle Pathogenese an der London School of Hygiene & Tropical Medicine, „sollte es nicht allzu große Besorgnis geben, da die Übertragung des Erregers Yersinia pestis zwischen Menschen im Allgemeinen gering ist“.

Was ist Lungenpest?

Von Lungenpest spricht man, wenn die durch Bakterien verursachte Infektionskrankheit Pest die Lunge befällt.

Die Lungenpest ist die schwerste Form der Krankheit und die einzige, die direkt von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Ohne Behandlung liegt die Sterblichkeit bei 30 bis 100 Prozent.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist sie besonders ansteckend und kann über Tröpfcheninfektion schwere Epidemien auslösen. Wird die Krankheit jedoch früh erkannt und behandelt, sind die Heilungschancen hoch.

Die Inkubationszeit kann nur 24 Stunden betragen. Infizierte Menschen können die Erreger über Atemtröpfchen an andere weitergeben.

Welche Symptome treten auf?

Die Lungenpest entwickelt sich, wenn sich die Bakterien bei unbehandelter Beulen- oder Blutpest in die Lunge ausbreiten oder wenn eine Person infektiöse Tröpfchen einatmet, die ein bereits infizierter Mensch oder ein Tier ausstößt.

Die Symptome setzen meist ein bis drei Tage nach der Ansteckung ein. Typisch sind schwere Atemprobleme wie Atemnot und Husten, oft mit blutigem oder wässrigem Auswurf.

Wie wird Lungenpest behandelt?

Unbehandelt kann die Lungenpest rasch tödlich verlaufen. Eine frühe Diagnose und Therapie ist entscheidend, um das Überleben zu sichern und Komplikationen zu verringern. Häufig eingesetzte Antibiotika gegen Enterobakterien können die Krankheit bei rechtzeitiger Gabe wirksam heilen.

„Die Pest ist eine schwere Infektionskrankheit. Sie lässt sich jedoch mit in Europa leicht verfügbaren Antibiotika diagnostizieren und behandeln“, betonte die ECDC-Sprecherin.

Bei Lungenpest sollten die Patienten isoliert werden. Kontakte müssen ermittelt und vorsorglich behandelt werden, heißt es auf der Website der Behörde.

Gibt es Impfstoffe?

Die WHO empfiehlt eine Impfung nur für Hochrisikogruppen, etwa Laborpersonal mit ständigem Kontakt zu Erregern und Beschäftigte im Gesundheitswesen.

Da menschliche Pestfälle in den meisten Regionen der Welt selten sind, sehen Gesundheitsbehörden keinen Bedarf, die breite Bevölkerung zu impfen. Eine Empfehlung gilt nur für Personen mit besonders hohem Expositionsrisiko.

Weitere Quellen • AP

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

Lungenpest in Russland: Experten sehen kaum Ansteckungsrisiko

Fitness in der Jugend: Neue Studie sieht Einfluss auf spätere Psyche

Wie Licht zur Fernbedienung fürs Gehirn wurde und den Nobelpreis gewann