US-Außenminister Marco Rubio nimmt am sechsten Strategischen Dialog in Athen teil. Im Mittelpunkt stehen das östliche Mittelmeer, das griechische F-35-Programm und der geplante Stromverbund zwischen Griechenland und Zypern.
Energie, Verteidigung, regionale Sicherheit, Hochtechnologie und die geopolitischen Entwicklungen im östlichen Mittelmeer stehen im Mittelpunkt des Besuchs von US-Außenminister Marco Rubio in Athen.
Dort findet heute die sechste Runde des Strategischen Dialogs zwischen Griechenland und den USA statt. Der US-Außenminister war am Dienstagabend aus Reykjavík in der griechischen Hauptstadt eingetroffen. Heute steht ein dichtes Programm auf dem Plan, das mit einem Treffen mit Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis endet.
Rubios Tagesprogramm in Athen
Um neun Uhr trifft Marco Rubio im Außenministerium seinen griechischen Amtskollegen Giorgos Gerapetritis. Nach einem bilateralen Gespräch sind gemeinsame Erklärungen vor der Presse geplant. Um zehn Uhr eröffnen die beiden Minister gemeinsam die sechste Runde des Strategischen Dialogs zwischen Griechenland und den USA.
Anschließend folgt eine erste Plenarsitzung zu regionalen und internationalen Entwicklungen. Kurz nach elf Uhr fährt Rubio zur US-Botschaft, wo er an der Einweihung der renovierten Anlagen teilnimmt. Um zwölf Uhr wird der Strategische Dialog in einem zentralen Athener Hotel fortgesetzt. Auf der Agenda stehen Sicherheit und Rechtsdurchsetzung, Energie, Schifffahrt, Technologie, Handel und Investitionen sowie Verteidigung. Die Beratungen sollen gegen 17 Uhr enden. Um 18 Uhr spricht Rubio auf der Pnyka mit Blick auf die Akropolis. Nach Angaben der US-Seite geht es in seiner Rede um die Zukunft der westlichen Zivilisation. Dabei will er an Amerikaner und Europäer für eine „große Wiedergeburt des westlichen Geistes“ appellieren. Eine Stunde später, um 19 Uhr, trifft Rubio im Regierungssitz Megaro Maxímou Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis. Um 20 Uhr nimmt er an einem offiziellen Dinner teil, das der Ministerpräsident zu seinen Ehren ausrichtet.
Inhalte des Strategischen Dialogs
Washington nennt als zentrale Themen des Besuchs die verteidigungspolitische Zusammenarbeit, die regionale Sicherheit und die Energiesicherheit. Im Rahmen des Dialogs soll eine Absichtserklärung über die Zusammenarbeit zwischen den griechischen Streitkräften und der Nationalgarde des US-Bundesstaates Florida unterzeichnet werden. Erneuert werden soll außerdem das Kooperationsmemorandum zu Einfuhrbeschränkungen für bestimmte Kategorien archäologischen und ethnologischen Materials aus der Zeit bis zum 15. Jahrhundert nach Christus.
Darüber hinaus wird ein Memorandum of Understanding zur gegenseitigen Anerkennung von Befähigungszeugnissen für Seeleute unterzeichnet. Ziel ist es, die Beschäftigungsmöglichkeiten zu erleichtern und die Zusammenarbeit in der maritimen Ausbildung zu vertiefen. Der Strategische Dialog zwischen Griechenland und den USA wurde 2018 ins Leben gerufen. Die vorherige Runde fand im Februar 2024 in Washington statt.
Geopolitischer Rahmen des Besuchs
Die institutionelle Agenda fällt in eine Phase, in der die Themen rund um das östliche Mittelmeer wieder stärker in den Fokus rücken. Zu den offenen Fragen zählt der geplante Stromverbund zwischen Griechenland und Zypern, der sogenannte Great Sea Interconnector.
Hinweise deuten darauf hin, dass die Meeresbodenuntersuchungen östlich von Kasos und Karpathos später im Oktober wieder aufgenommen werden könnten. Das Projekt hatte im Sommer 2024 für Spannungen gesorgt, nachdem die Türkei die Zuständigkeit Griechenlands in dem Gebiet infrage gestellt hatte. Im militärischen Bereich verweist Euronews auf die Bedeutung der Fortsetzung des griechischen F-35-Programms.
Im Energiesektor ist die Debatte Teil einer Strategie, mit der Griechenland als Energie-Drehscheibe und Zugangstor zu den Balkanländern und Mitteleuropa positioniert werden soll.
Athen verschärft Sicherheitsvorkehrungen
Im Zentrum der Hauptstadt gelten besonders strenge Sicherheitsvorkehrungen. Tausende Polizisten aus den Bereichen Ordnung, Sicherheit, Verkehr und weiteren zuständigen Einheiten sind im Einsatz. Zusätzlich setzt die Polizei Drohnen zur Überwachung aus der Luft ein. Die Verkehrsbeschränkungen, die bereits am Dienstagnachmittag begonnen haben, bleiben bis in die frühen Morgenstunden des Donnerstags in Kraft und erreichen heute ihren Höhepunkt.
Vorübergehende Sperrungen und Umleitungen gibt es rund um den Syntagma-Platz sowie auf wichtigen Verkehrsachsen. Betroffen sind unter anderem die Boulevards Vasilissis Sofias, Vasileos Konstantinou und Vasilissis Amalias sowie die Straßen Panepistimiou und Stadiou. Die griechische Polizei empfiehlt Autofahrern, das Stadtzentrum zu meiden und auf öffentliche Verkehrsmittel auszuweichen. Von Mittwoch, 6 Uhr, bis Donnerstag, 6 Uhr, sind öffentliche Versammlungen im Freien und motorisierte Demonstrationszüge in einer festgelegten Sicherheitszone untersagt.
Dazu gehören unter anderem die Straßen Rizari, Ploutarchou, Kleomenous, Melinas Merkouri, Koniari, Tsocha und Michalakopoulou sowie Abschnitte der Boulevards Vasilissis Sofias und Vasileos Alexandrou. Nach Angaben der Polizei werden mögliche Schließungen von Metrostationen nur kurzfristig und bei Bedarf angeordnet. Der Bahnhof Evangelismos soll nach Möglichkeit geöffnet bleiben, da sich dort ein großes Krankenhaus befindet.