Personalausweis, Führerschein und Bankkonto auf dem Smartphone: Die EU startet ihre digitale Brieftasche. Italien ist mit fast acht Millionen Nutzern längst dabei, Deutschland startet erst 2027.
Die EU verpflichtet ihre Mitgliedstaaten, bis Ende 2024 mindestens eine zertifizierte digitale Brieftasche bereitzustellen. Im Rahmen von EU-finanzierten Pilotprojekten haben bereits 350 Organisationen mehr als 1.500 digitale Berechtigungsnachweise ausgegeben und über 8.000 grenzüberschreitende Transaktionen abgewickelt.
Die kostenlose Brieftasche kann Personalausweise, Führerscheine, Zeugnisse, Krankenversicherungsdaten und Bankinformationen speichern. Drei Schutzmechanismen sollen die Privatsphäre der Nutzer sichern: selektive Offenlegung, Nicht-Verknüpfbarkeit und Ausstellerblindheit. Die Nutzung bleibt freiwillig, und Papierdokumente behalten weiterhin ihre Gültigkeit.
Wie schnell die Wallet eingeführt wird, unterscheidet sich von Land zu Land erheblich. Italien liegt vorn und zählt inzwischen fast acht Millionen monatliche Nutzer. Deutschland plant den Start für Januar 2027. Die Niederlande haben ihren Rollout auf Ende 2027 verschoben, nachdem an einem Pilotprojekt nur 57 Personen teilgenommen hatten. Bulgarien arbeitet noch an der notwendigen Gesetzgebung.
Unternehmen müssen die digitale Brieftasche spätestens ab dem 24. Dezember 2027 akzeptieren. Banken unterliegen wegen der Vorschriften zur Bekämpfung von Geldwäsche schon ab Juli 2027 strengeren Vorgaben. Die Digitalrechtsorganisation EDRi äußert unterdessen Bedenken gegenüber Entwürfen, die eine verpflichtende Gesichtserkennung vorsehen und den Schutz der Privatsphäre einschränken könnten.