In den kühleren Monaten leuchten die Ufer des Flusses Gauja wie ein Meer aus Orange; dichte Wälder färben die Landschaft in warmen Tönen.
Neuengland gilt als Inbegriff des Herbstes, doch viele suchen ihr Laub-Highlight inzwischen anderswo – es gibt genug Orange im Weißen Haus.
Zum Glück liegt ein Paradies in Goldtönen viel näher: Sigulda.
Die lettische „Herbsthauptstadt“ liegt gut eine Stunde mit dem Zug von der Hauptstadt Riga entfernt. Rund um die Stadt stehen unzählige Bäume, die sich bei den ersten kalten Tagen gelb, orange und rot färben.
Das Beste: Die Kulisse gehört Ihnen meist fast allein. Touristenmassen gibt es kaum – abgesehen von den Leserinnen und Lesern der Herbst-Bucket-List von Euronews Travel, in der Sigulda als Pflichtziel auftauchte.
Ich war vergangenen Sommer zum ersten Mal in Sigulda. Damals nahm ich mir fest vor, im Herbst zurückzukehren, um die Stadt in voller Farbenpracht zu erleben. Genau das habe ich zu Beginn dieses Monats getan.
Das sollten Sie vor Ort nicht verpassen.
Was Sie in Sigulda unternehmen können
Die Stadt selbst wirkt im Herbst sehr malerisch. Die spektakulärsten Ansichten finden Sie jedoch am Fluss Gauja, den Sie per Seilbahn überqueren können.
Die Fahrt dauert etwa sieben Minuten und führt über das Tal der Gauja. Unterwegs entdecken Sie mehrere Burgen.
Auf der anderen Seite des Flusses beginnt ein kurzer Spaziergang durch den Wald zur Gutmanis-Höhle.
Sie ist die größte Höhle im Baltikum. Ihre Wände sind mit Inschriften von Liebespaaren übersät, die hier seit Jahrhunderten vorbeikommen.
Mit der Höhle verbindet sich die Legende von der „Rose von Turaida“, einem Mädchen namens Maija. Sie blieb während des schwedisch-polnischen Krieges allein zurück und wuchs auf der Burg Turaida auf (dazu gleich mehr).
Maija verliebte sich in den Gärtner der Burg, Victor Heil. Die beiden trafen sich regelmäßig in der Höhle. Doch auch der desertierte Soldat Jakubowsky begehrte Maija. Er lockte sie dorthin, indem er sich als Victor ausgab, und ermordete sie, nachdem sie ihn mit einer List dazu gebracht hatte, sie anzugreifen: Maija behauptete, ein magischer Schal schütze sie vor jeder Verletzung.
Von der Gutmanis-Höhle führt ein weiterer kurzer Weg hinauf zur Burg Turaida. Vom Turm aus blicken Sie in alle Richtungen, jedes Fenster rahmt ein noch schöneres Panorama.
Die Burg stammt aus dem Jahr 1214. Mehrere Ausstellungen vor Ort erzählen ihre Geschichte. Im Burggarten stehen zahlreiche Skulpturen des Künstlers Indulis Ranka.
Rund um Sigulda liegen mehrere weitere Burgen, darunter das Neue Schloss. In den ehemaligen Herrenhausgebäuden haben heute kreative Betriebe ihren Sitz.
Dort können Sie auch einen typischen Sigulda-Spazierstock kaufen. Die bunt gemusterten Stöcke gelten als Symbol der Stadt.
Sigulda gilt als Tor zum Nationalpark Gauja. Entsprechend viele Wanderwege beginnen oder enden hier – ideal, um den neuen Stock gleich auszuprobieren. Die beste Übersicht über die Routen bietet Enter Gauja (Quelle auf Englisch), die offizielle Tourismus-Website der Region.
Ein weiteres beliebtes Ziel im Gauja-Gebiet ist Cēsis. Die Stadt beherbergt eine mittelalterliche Burg aus dem 13. Jahrhundert.
Anreise nach Sigulda und Cēsis
Sowohl Sigulda als auch Cēsis erreichen Sie bequem mit dem Zug. Nach Sigulda sind es rund eine Stunde und zehn Minuten ab Riga, nach Cēsis etwa eine Stunde und 20 Minuten.
Tickets können Sie am Bahnhof kaufen oder über die Website von Vivi (Quelle auf Englisch) buchen.
Wer nicht zu Fuß gehen möchte, nimmt ab Sigulda den Bus zur Burg Turaida. Er fährt nur einmal pro Stunde, deshalb kann es zu Wartezeiten kommen. Fahrkarten gibt es direkt beim Fahrer, bar oder mit Karte.