Rekordregen setzt Istanbul unter Wasser: Zwei Menschen sterben, Hunderte Gebäude werden überflutet. Die Behörden warnen vor weiteren Niederschlägen und Überschwemmungen.
Heftige Regenfälle haben in Istanbul in einigen Vierteln Niederschlagsmengen erreicht, wie sie seit 1985 nicht mehr gemessen wurden. In Beykoz fielen 255,8 Liter Regen pro Quadratmeter. Überschwemmungen und Hochwasser beeinträchtigten das öffentliche Leben in weiten Teilen der Millionenmetropole.
Nach Angaben des Katastrophenzentrums AKOM der Istanbuler Stadtverwaltung war vor allem das Gebiet rund um den Bosporus sowie der Norden und die zentralen Teile der europäischen Stadtseite betroffen. In Eyüpsultan wurden 195,9 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen, in Sarıyer waren es 195,6 Liter. In anderen Bezirken fielen zwischen 35 und 110 Liter.
Der Regen setzte zahlreiche Wohnungen und Geschäfte unter Wasser, auf Straßen und in Unterführungen bildeten sich großflächige Wasserläufe. In einem überfluteten Kellergeschoss saß eine Person fest, die Feuerwehr holte sie ins Freie. Eine Frau, die von den Fluten mitgerissen wurde, wurde von Umstehende aus der Strömung gerettet.
Nach Angaben der Provinzverwaltung Istanbul wurden in der ganzen Stadt 1.277 Überflutungen und 15 Erdrutsche gemeldet. Zudem registrierten die Behörden 47 Fälle von Menschen in Notlagen, 13 umgestürzte Bäume und zwei abgedeckte Dächer. In den Berichten tauchen auch 76 beschädigte Fahrzeuge sowie Hinweise zu 808 Wohnungen und 280 Geschäften auf.
Starkregen in Istanbul: Zwei Menschen getötet
Im Viertel Ayazağa im Istanbuler Stadtteil Sarıyer wollte der 34-jährige S.Y. vor einem Gästehaus die Wassermassen überqueren, die über die Straße strömten. Dabei rutschte er aus und schlug mit dem Kopf auf dem Bordstein auf. Der Mann konnte sich nicht mehr selbst aus dem tiefen Wasser auf der Fahrbahn befreien. Passanten eilten ihm zu Hilfe. Im Krankenhaus versuchten Ärzte, seinen Zustand zu stabilisieren. Trotz aller Bemühungen starb der Mann. Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen zu dem Vorfall aufgenommen.
Auch ein 14-Jähriger kam bei den Überschwemmungen ums Leben. Am Mittwoch erlitt er im Çukurbostan-Park im Istanbuler Bezirk Fatih, im Viertel Balat, einen Stromschlag, als er in eine Wasserpfütze trat. Rettungskräfte brachten ihn bewusstlos ins Krankenhaus, wo er jedoch nicht mehr gerettet werden konnte. Die Provinzverwaltung Istanbul bestätigte den Tod des Jugendlichen und teilte mit, dass ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden sei. In einigen Gegenden rissen die Wassermassen Autos und Fußgänger mit sich.
Eine Frau, die von der Strömung mitgerissen worden war, konnten Anwohner rechtzeitig retten. Auch das Gebäude der Phoenix-Studios im Viertel Ayazağa in Sarıyer stand vollständig unter Wasser. Dort saßen der Sänger Murat Boz, die Schauspielerin Demet Özdemir und Hunderte weitere Menschen fest. Einsatzkräfte brachten die Eingeschlossenen mit Schlauchbooten in Sicherheit.
Schulen in Istanbul: Unterricht für einen Tag ausgesetzt
Die Istanbuler Stadtverwaltung (İBB) ist mit 8.392 Mitarbeitenden sowie 2.246 Fahrzeugen und Baumaschinen im Dauereinsatz. Seit Mittwoch um 3 Uhr gingen bei den zuständigen Stellen 8.203 Notrufe ein. Gemeldet wurden unter anderem Überschwemmungen, aus den Kanälen gedrückte Deckel, Straßeneinbrüche, Menschen in Notlagen und umgestürzte Bäume.
Die städtischen Einsatzkräfte arbeiten eng mit der Provinzverwaltung und der Katastrophenschutzbehörde AFAD zusammen. Wegen des Starkregens fällt der Unterricht am Donnerstag in der gesamten Stadt aus. Das teilte die Provinzverwaltung mit. Beschäftigte mit Behinderungen im öffentlichen Dienst sowie bestimmte Beschäftigte mit kleinen Kindern sind vom Dienst freigestellt.
Die Behörden raten der Bevölkerung dringend, nur in Notfällen das Haus zu verlassen. Wer in einem Kellergeschoss wohnt, sollte die Nacht nach Möglichkeit an einem anderen Ort verbringen. Auch Motorräder dürfen vorerst nicht mehr am Straßenverkehr teilnehmen.
Die Stadt verlängerte den Betrieb auf 15 Schienenverkehrslinien bis 2 Uhr nachts. Die Metrobüsse verkehren die ganze Nacht. Auch kommunale Sozialeinrichtungen und sechs Standorte des Gastronomiebetreibers BELTUR bleiben rund um die Uhr geöffnet. Das Katastrophenzentrum AKOM erwartet, dass der Regen vor allem auf der asiatischen Seite Istanbuls und rund um den Bosporus anhält.
Bis Donnerstag um 10 Uhr könnten dort weitere 50 bis 75 Liter Regen pro Quadratmeter fallen. Die Windgeschwindigkeiten könnten 50 bis 80 Kilometer pro Stunde erreichen. Die Behörden raten dazu, Bachläufe und Gebiete mit hohem Überschwemmungsrisiko zu meiden.