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Ohne Hände unterwegs: Euronews fährt im ersten Robotaxi Europas in Zagreb

Der Elektro-Crossover BAIC Arcfox Alpha T5 fährt im fahrerlosen Uber-Taxidienst in Zagreb, Kroatien, zusammen mit Fahrzeugen von Verne und Pony.ai.
Uber setzt den Elektro-Crossover BAIC Arcfox Alpha T5 in Zagreb, Kroatien, in seinem fahrerlosen Taxidienst ein, zusammen mit Verne und Pony.ai. -  Copyright  Source: Uber
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Von Jonathan Benton
Zuerst veröffentlicht am •Zuletzt aktualisiert
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Der Robotaxi-Dienst des US-Unternehmens fährt in Zagreb, gemeinsam mit Verne und Pony.ai und mit Ausbauplänen für Europa. Euronews testete ihn vor Ort in Kroatien.

Uber hat Anfang dieses Jahres in Zagreb in Kroatien einen Taxidienst ohne Fahrer gestartet. Nun hat das Unternehmen Pläne vorgestellt, gemeinsam mit Partnern überall in Europa einen vollständig autonomen Fahrdienst in mehreren Städten aufzubauen – den Anfang macht Manchester.

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Im April setzte der US-Technologiekonzern in Zagreb erstmals fahrerlose Robotaxis auf die Straßen. Partner sind der lokale Dienstbetreiber Verne und das chinesische KI-Unternehmen Pony.ai. Aus diesem Geschäftsmodell soll nun ein Angebot für den gesamten Kontinent entstehen.

Die Konstellation wirkt ungewöhnlich: Europa, die USA und China verfolgen sehr unterschiedliche Philosophien, Europa gilt dabei als besonders vorsichtig. Die drei Unternehmen sind dennoch überzeugt, dass das Bündnis funktioniert – getragen von der gemeinsamen Vision, autonome Taxifahrten weltweit einzuführen.

Die Kooperation ist eine von mehr als 30 Partnerschaften, die Uber in Europa verfolgt. Zusammen mit Verne und Pony.ai testet Uber das Angebot bereits in Manchester, zudem bereiten Pony.ai und Uber einen Start in London vor. Weitere Städte stehen auf der Liste.

Am weitesten ist das Projekt in Zagreb, das im März offiziell angekündigt wurde. Dort sollen fahrerlose Taxis erstmals den Schritt aus dem Testbetrieb auf den europäischen Markt schaffen.

Zagreb war für Uber besonders attraktiv, denn hier sitzt der Elektro-Hypercar-Hersteller Rimac. Dessen Gründer Mate Rimac ist mit Verne bereits ins Robotaxi-Geschäft eingestiegen. Verne selbst plant einen „Business-Class“-Dienst für autonome Mobilität.

Im April nahm der gemeinsame Robotaxi-Dienst den regulären Betrieb auf. Nutzerinnen und Nutzer in Zagreb können seither für ihre Fahrten ein Fahrzeug ohne Fahrerin oder Fahrer bestellen. Im Wagen sitzt jedoch noch eine Person auf dem Fahrersitz, der sogenannte Sicherheitsoperator. Er oder sie überwacht die Fahrt als zusätzliche Schutzmaßnahme – häufig handelt es sich um ehemalige Taxifahrerinnen und Taxifahrer.

Seit dem Start haben die Fahrzeuge rund 200.000 Kilometer auf Zagrebs Straßen zurückgelegt.

Nun fühlt sich das Bündnis sicher genug für den nächsten Schritt: Der Sicherheitsoperator soll aus dem Auto verschwinden, übrig bleibt nur die Passagierin oder der Passagier im Fahrzeug.

Europas erste vollständig fahrerlosen Fahrten starteten am zehnten September. Zunächst dürfen nur ausgewählte eingeladene Nutzerinnen und Nutzer einsteigen, auf einer 22 Kilometer langen Strecke zwischen der Firmenzentrale von Verne und dem Flughafen Franjo Tuđman in Zagreb.

Ohne Hände am Steuer

Eine Fahrt mit dem derzeit verfügbaren Dienst zu bestellen, funktioniert in der Uber-App wie jede andere Buchung. Wer UberX oder Comfort auswählt, kann sich entscheiden, ob ein Mensch fährt oder ein von KI gesteuertes Robotaxi.

Die Fahrgäste öffnen das Auto mit ihrem Smartphone, steigen ein und machen es sich bequem – so gut das eben geht in einem Wagen ohne Fahrerin oder Fahrer. Bei Problemen haben sie wie gewohnt Zugriff auf den Support von Uber.

In Zagreb fahren die Kundinnen und Kunden im BAIC Arcfox Alpha T5, einem chinesischen Elektro-SUV. Ein menschlicher Sicherheitsoperator sitzt auf dem Fahrersitz, der vordere Beifahrersitz wurde ausgebaut, um mehr Platz für Gepäck zu schaffen.

Uber und Verne betreiben derzeit rund 30 autonome Fahrzeuge in der Stadt. Nach jedem Einsatztag kehren sie in einen zentralen Hub zurück, der von dem kroatischen Start-up als „Mothership“ bezeichnet wird, und werden dort gereinigt und gewartet.

Das aktuelle System entspricht einem Level‑4‑Programm für fahrerlose Autos. Die Fahrzeuge können also ohne Eingriff durch Menschen fahren, jedoch nur in klar abgegrenzten Bereichen. Ein Level‑5‑Betrieb mit uneingeschränktem Zugang zu allen Straßen existiert weltweit noch nicht.

Eine Frau sitzt während der Taxifahrt am Fenster und blickt hinaus.
Eine Frau sitzt während der Taxifahrt am Fenster und blickt hinaus. Source: Uber.

Es fühlt sich zunächst befremdlich an, wenn ein Auto zum ersten Mal selbst fährt. Vom hinteren Sitz aus sieht man, wie sich das Lenkrad ruhig und präzise dreht, während der Wagen in die Kurve geht und gleichzeitig den Gegenverkehr berücksichtigt.

Die Fahrt verläuft sanft, das beruhigt. Nach einiger Zeit vergisst man fast, dass nicht ein Mensch, sondern eine KI das Fahrzeug steuert.

„Wir nennen das ein bisschen ‚magisch langweilig‘“, sagt Annie Duvnjak, globale Leiterin für autonome Mobilitätsoperationen bei Uber. „Man steigt ein und denkt zuerst: ‚Oh, niemand hat die Hände am Lenkrad.‘ Und plötzlich fühlt es sich an wie eine ganz normale Autofahrt.“

Ganz ohne Unterbrechungen läuft die Fahrt allerdings nicht. Das Auto hält an jedem Stoppschild komplett an, auch wenn die Straße leer ist, und fährt zur Seite, wenn menschliche Fahrerinnen oder Fahrer beim Überholen zu aggressiv werden.

Für die Partner ist das Projekt eine Lernphase. Sie testen die vollständig fahrerlosen Fahrzeuge, ihr eigentliches Ziel, zunächst in einem begrenzten Gebiet von Zagreb.

Eine einzigartige Partnerschaft

Die im April gestartete Kooperation vereint ein amerikanisches Mobilitätsunternehmen, ein europäisches Start-up und eine chinesische KI-Firma – Akteure aus Regionen, die beim Thema Mobilität und KI sehr unterschiedliche Wege gehen.

Angesichts dieser Unterschiede und der aktuellen geopolitischen Spannungen über Handel, Verbraucherrechte, technologische Souveränität und Lieferketten wirkt das Bündnis zunächst überraschend.

Uber betont jedoch, das Modell funktioniere, weil alle drei Unternehmen das gleiche Ziel verfolgen: autonome Taxis in weiteren Märkten zu etablieren.

Duvnjak erklärt: „Sie haben Verne, ein beeindruckendes lokales Unternehmen in Zagreb mit großer Erfahrung beim Flottenmanagement und beim Betrieb der Fahrzeuge. Dazu kommt Pony.ai mit seiner weltweit führenden Technologie für autonome Fahrzeuge. Und dann gibt es Uber, das alles auf einer Mobilitätsplattform zusammenbringt und für das Nutzererlebnis sorgt.“

„Alle bringen also das Beste aus ihrem Bereich ein und verbinden es miteinander.“

Verne, der europäische Partner in dem Projekt, wurde von Mate Rimac mitgegründet und trägt den Namen des Science-Fiction-Autors Jules Verne. Das Unternehmen arbeitet seit 2019 an Robotaxis und hat im April seinen eigenen Dienst gestartet.

Verne fungiert als lokaler Dienstbetreiber und Flotteneigentümer und organisiert den täglichen Betrieb der Robotaxis. Zugleich übernimmt das Start-up die Rolle des Regulierungsansprechpartners: Es verhandelt mit lokalen, regionalen und nationalen Behörden, um die rechtliche Genehmigung für autonome Fahrzeuge auf den Straßen zu erhalten.

Annie Duvnjak, globale Leiterin für autonome Mobilitätsoperationen bei Uber, stellt Journalistinnen und Journalisten die Partnerschaft vor.
Annie Duvnjak, globale Leiterin für autonome Mobilitätsoperationen bei Uber, stellt Journalistinnen und Journalisten die Partnerschaft vor. Source: Uber.

Das ist womöglich die größte Hürde für das Projekt. Europas zersplitterter Rechtsrahmen für fahrerlose Autos hat den Kontinent deutlich hinter die USA und China zurückfallen lassen, wo Robotaxis seit mehreren Jahren kommerziell unterwegs sind.

Durch die Zusammenarbeit mit Uber kann Verne seinen Dienst über die App einem größeren Publikum anbieten und im Zuge des Rollouts in weitere europäische Städte expandieren.

„Das ist ein wichtiger Meilenstein nicht nur für Verne, sondern auch für Kroatien“, sagt Marko Pejković, Geschäftsführer von Verne. „Ein Dienst, der hier in Zagreb entwickelt wurde, ist nun über die weltweit größte Mobilitätsplattform verfügbar. Die Erfahrungen, die wir täglich in Zagreb sammeln, helfen uns, Verne in andere europäische Städte zu bringen.“

Im Juni 2024 präsentierte das kroatische Unternehmen zudem sein eigenes Konzept eines autonomen Zweisitzers, der sich vor allem an Geschäftsreisende richtet.

„Wir wollen, dass die Leute beeindruckt sind, wenn sie in einem dieser Fahrzeuge ankommen“, sagt Pejković.

Das Fahrzeug ist lang und elegant, innen gibt es genügend Platz, damit die Sitze während der Fahrt vollständig in Liegeposition gehen können. Ein großer Bildschirm im Armaturenbereich informiert und unterhält die Fahrgäste.

Trotz der luxuriösen Ausstattung sollen die Fahrten nach Unternehmensangaben nicht teurer werden. Da der Fahrende wegfällt, sinken die Kosten deutlich.

„Wir führen eine völlig neue Vision des Fahrzeuginnenraums ein – nicht als Konzept für eine ferne Zukunft, sondern als etwas, das im realen Betrieb funktionieren kann“, sagt Pejković. „Sie ermöglicht es den Menschen, ihre Zeit produktiver, angenehmer und entspannter zu nutzen.“

Das Unternehmen will das neue Fahrzeug künftig einsetzen, nutzt derzeit aber weiterhin den BAIC Arcfox.

Fahrschule für KI-Agenten

Der dritte Partner in dem Projekt ist die chinesische KI-Firma Pony.ai, die die Technologie liefert, mit der die Fahrzeuge gesteuert werden.

Das Unternehmen bringt viel Erfahrung mit. Pony.ai verweist darauf, als erstes Unternehmen für autonome Fahrzeuge in China eine Taxilizenz erhalten zu haben und weltweit zu den wenigen Anbietern zu gehören, die vollständig fahrerlose kommerzielle Fahrzeuge betreiben.

In Zagreb sind die Arcfox-Fahrzeuge mit dem Gen‑7-Autonomiefahrpaket von Pony.ai ausgerüstet, dem neuesten Level‑4-System des Unternehmens.

Dieses Paket umfasst 34 einzelne Sensoren: darunter neun LiDAR-Sensoren, 14 Kameras und vier Millimeterwellen-Radare sowie vier Mikrofone, zwei Wassersensoren und einen Kollisionssensor. Zusammen verschaffen sie dem Fahrzeug ein gutes Bild seiner Umgebung und genügend Redundanz, um das Unfallrisiko zu verringern.

Der virtuelle Fahrer von Pony.ai steuert das autonome Fahrzeug.
Der virtuelle Fahrer von Pony.ai steuert das autonome Fahrzeug. Source: Uber.

Im Mittelpunkt steht der „Virtual Driver“ von Pony.ai, der das Auto wie einen physischen KI-Agenten behandelt. Bevor ein solcher Agent jedoch tatsächlich auf die Straße darf, fährt er zunächst in einer virtuellen Umgebung.

„Das ist wie ein virtueller Trainingsplatz, der der KI zeigt, wie man fährt“, erklärt Dr. Ludi Wang, Direktor für globale Kommunikation bei Pony.ai. „So wie Menschen das Fahren lernen, lernen auch die KI-Fahrer in dieser Umgebung. Erst wenn sie die ‚virtuelle Fahrschule‘ bestanden haben, übernehmen sie das Steuer – ohne dass wir auf eine Fernsteuerung zurückgreifen müssen.“

Nächste Schritte

Uber hat in dieser Woche bekanntgegeben, dass Manchester im Vereinigten Königreich die nächste Stadt für das Projekt sein wird. Dort laufen bereits Tests, ein Dienst nach dem Vorbild von Zagreb soll in den kommenden Monaten folgen.

Insgesamt prüft das Unternehmen mehr als 30 Städte und entwickelt Projekte in unterschiedlichen Stadien in London, Madrid, München und Zürich.

„Wir wollen dieses Modell auch auf andere Städte ausweiten“, sagt Duvnjak. „Manchester haben wir als nächstes Ziel mit dieser Partnerschaft angekündigt – und weitere Städte werden folgen.“

Und kommt als nächstes Brüssel?

„Wir sprechen tatsächlich mit Brüssel, insgesamt reden wir mit 30 Städten, und Brüssel gehört dazu“, sagt Pejković. „Wir wollen aber keine Tests in einer Stadt starten, wenn wir dort nicht auch die Chance sehen, am Ende einen vollständig fahrerlosen Dienst aufzubauen. Brüssel ist auf jeden Fall auf unserer Landkarte.“

Cutter • Roselyne Min

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