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Ölpreise steigen über 110 Dollar: Märkte kalkulieren Risiken im Nahen Osten

Archivbild: Schwarzer Rauch und Flammen steigen aus einer Ölanlage im Industriegebiet im Süden von Riad, Saudi-Arabien, am Samstag, dem dritten Oktober 2026.
Archivbild: Schwarzer Rauch und Flammen steigen aus einer Öl-Anlage in einem Industriegebiet im Süden von Riad, Saudi-Arabien, am Samstag, dem dritten Oktober 2026. -  Copyright  AP Photo
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Von Doloresz Katanich
Zuerst veröffentlicht am •Zuletzt aktualisiert
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Der Preis für Brent-Öl bleibt auf einem fünfmonatigen Hoch. Der Krieg mit Iran und unsichere Energieversorgung treiben die Ölpreise weiter nach oben.

Die Ölpreise bewegten sich am Dienstagmorgen weiter in der Nähe eines Fünf-Monats-Hochs. Händler bewerteten das Risiko weiterer iranischer Angriffe in der Straße von Hormus, obwohl derzeit vergleichsweise viel Rohöl aus dem Persischen Golf fließt.

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Die internationale Referenzsorte Brent lag vor Handelsbeginn in Europa bei rund 110 US-Dollar je Barrel. Die US-Sorte WTI zur Lieferung im kommenden Monat kostete mehr als 104 US-Dollar je Barrel.

Nach Einschätzung der Rohstoffstrategen von ING deuten die hohen Preise trotz starker Lieferströme darauf hin, „dass der Markt angesichts der angespannten Lage eine deutlich erhöhte Risikoprämie einpreist“. Bislang gibt es keine Hinweise, dass diese Prämie bald wieder verschwindet.

Die Experten verwiesen zudem darauf, dass Rekord-Frachtraten für Öltanker die Kosten weiter nach oben treiben. Die USA prüfen, den Verkauf sanktionierter Tanker zu erlauben. Diese Schiffe könnten dann auf den regulären Markt zurückkehren, die Transportkapazität erhöhen und die Lieferkosten für Öl senken. Noch ist jedoch offen, wie viel zusätzliche Kapazität dadurch tatsächlich entsteht und wie rasch sich dies in spürbarer Entlastung bei den Preisen niederschlagen würde.

US-Energieminister Chris Wright erklärte bei Fox News, die Rohöllieferungen aus dem Golf hätten sich auf rund 80 Prozent des Vorkriegsniveaus erholt. Bei raffinierten Produkten seien die Engpässe dagegen deutlich größer.

Unterdessen stiegen die asiatischen LNG-Spotpreise am Montag auf 30,4 US-Dollar je eine Million britische Wärmeeinheiten – den höchsten Stand seit Dezember 2022 –, berichtete Bloomberg unter Berufung auf Händler. Zugleich meldete die britische Marinebehörde UK Maritime Trade Operations, dass am Samstag vor Jemen ein LNG-Tanker aus einem kleinen Boot heraus beschossen wurde. Das schürt zusätzliche Sorgen um die Sicherheit von Energielieferungen in der Region.

Auch die europäischen Gaspreise bewegten sich nahe ihren höchsten Ständen seit Jahren. Die niederländischen TTF-Gastermine zur Lieferung im kommenden Monat lagen am Dienstagmorgen knapp unter 88 Euro je Megawattstunde, nachdem sie laut ICE-Daten kurz vor sechs Uhr noch über 89 Euro notiert hatten.

Börsen rutschen ins Minus

Die europäischen Aktienmärkte starteten am Dienstag mit leichten Verlusten, nachdem sie bereits am Montag unter Druck geraten waren. Französische Aktien und Anleihen hatten die Abwärtsbewegung angeführt. Proteste in Frankreich belasteten die Stimmung und rückten die angespannte Finanzlage der zweitgrößten Volkswirtschaft Europas in den Fokus.

In London gab der Leitindex FTSE 100 zum Handelsstart um null Komma zwei Prozent nach, ebenso der CAC 40 in Paris. Der DAX in Frankfurt verlor mehr als null Komma vier Prozent.

Im Vereinigten Königreich stützten Meldungen die Anlegerstimmung, wonach Finanzminister John Healey beim Haushalt in der kommenden Woche die Steuer auf Kapitalerträge nicht anheben will. Der Satz liegt derzeit bei 18 Prozent für Steuerzahler mit Grundtarif und bei 24 Prozent für Personen mit höherem Steuersatz; die Einkommensteuer reicht im Vergleich von 20 bis 45 Prozent.

Zudem zeigte sich der britische Arbeitsmarkt robuster als erwartet. Die Arbeitslosenquote sank in den drei Monaten bis August von vier Komma neun auf vier Komma sieben Prozent. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg um 13.000 – der stärkste Zuwachs seit einem Jahr. Die besseren Daten verschaffen der Bank of England mehr Spielraum, ihren Leitzins im Kampf gegen die Inflation unverändert zu lassen.

In Asien standen vor allem Technologiewerte unter Druck. Anleger ignorierten die Erholung an der Wall Street und reagierten auf wachsende Sorgen über den Boom bei KI-Investitionen vor wichtigen Quartalsberichten.

Der Nikkei 225 in Tokio fiel um eins Komma drei Prozent, nachdem der Speicherchiphersteller Kioxia fast zwei Prozent verlor und Tech-Investor SoftBank mehr als fünf Prozent einbüßte. Der Shanghai Composite erholte sich und schloss um null Komma eins Prozent höher. In Hongkong gab der Leitindex eins Komma eins Prozent nach, während Südkoreas Kospi bis zur Öffnung der europäischen Märkte um mehr als drei Komma sieben Prozent abrutschte.

Die südkoreanische KI-Infrastrukturfirma Elice brach bei ihrem Börsendebüt am Kosdaq zeitweise um bis zu 33 Prozent ein. Hintergrund sind Sorgen über Finanzierungskosten, den starken Wettbewerb und die langfristigen Renditen von KI-Investitionen.

Auch der Chiphersteller TSMC aus Taiwan notierte im Minus, obwohl der Landesindex Taiex leicht zulegte.

Verluste verzeichneten zudem die Börsen in Sydney, Singapur, Wellington und Manila.

Die Abgaben erfolgen, obwohl die Wall Street einen positiven Handelstag verbuchte. Der Nasdaq legte dank kräftiger Kursgewinne bei Amazon, Microsoft und Nvidia deutlich zu.

Der Blick der Anleger richtet sich nun auf die Unternehmenszahlen. SpaceX, Meta und Tesla legen im Laufe dieser Woche ihre Ergebnisse vor.

Seit die Börsen im Juni Rekordstände erreicht haben, stellen Investoren immer häufiger infrage, ob Technologiekonzerne ihre hohen Bewertungen rechtfertigen – und wann sich die massiven Ausgaben für KI überhaupt auszahlen werden.

Steigende Zinsen nähren außerdem die Sorge um hoch verschuldete Unternehmen, denn höhere Finanzierungskosten belasten ihre Bilanzen.

Am Anleihemarkt gaben die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen aus den USA, Deutschland und Frankreich leicht nach. Die US-Rendite lag kurz nach Börsenstart in Europa bei rund fünf Komma eins zwei drei Prozent, die französische bei vier Komma neun null drei Prozent und die deutsche bei etwa drei Komma vier drei neun Prozent.

Am Devisenmarkt gab der US-Dollar leicht nach und notierte bei 158,45 japanischen Yen nach zuvor 158,46 Yen. Der Euro kostete eins Komma eins zwei zwei fünf US-Dollar und lag damit kaum unter dem Vortagsniveau von eins Komma eins zwei zwei sieben Dollar.

Der Goldpreis lag zum europäischen Börsenstart leicht niedriger bei rund 4.152,80 US-Dollar je Feinunze.

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