Kurz vor Witkoffs Reise zu Putin erhöht Trump den Druck auf Kyjiw: Die USA hätten für ihre Hilfe "nichts zurückbekommen". Selenskyj gibt sich in Oslo derweil optimistisch.
US-Präsident Donald Trump hat am Dienstag gefordert, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj "einen Deal" mit Russland schließt. Die USA hätten für ihre Unterstützung der Ukraine "nichts zurückbekommen", beklagte er.
Vor Journalisten im Weißen Haus sagte Trump: "Wir wollen, dass Selenskyj einen Deal macht. Er kann einen Deal machen." Und weiter: "Er hätte vor zwei Jahren einen Deal machen können, bei unserem kleinen Gespräch im Oval Office." Damit spielte er auf den hitzigen Wortwechsel der beiden Anfang 2025 an. "Er muss es wirklich wollen, denn ich glaube nicht, dass sein Volk das noch lange mitmacht."
Das Verhältnis zwischen Selenskyj und Trump ist seit Beginn von dessen zweiter Amtszeit im Januar vergangenen Jahres angespannt. In den vergangenen Wochen hat es sich weiter verschlechtert. Trump hatte ein Diesel-Abkommen mit Kremlchef Wladimir Putin vereinbart und kritisiert, ukrainische Angriffe auf Russlands Energiesektor trieben die weltweiten Kraftstoffpreise.
Trump bereitet sich derzeit auf die wichtigen Zwischenwahlen vor, die über die Mehrheiten im Kongress für seine letzten zwei Amtsjahre entscheiden. Am Dienstag machte er Selenskyj faktisch für den andauernden Krieg verantwortlich. Mehrfach behauptete er, Selenskyj habe Chancen auf einen Deal verstreichen lassen. Die USA hätten für ihre Hilfe "nichts zurückbekommen, außer Leid, Tod" und "gewaltigen finanziellen Verlusten".
"Wir haben der Ukraine enorme Summen gegeben, und wir haben nichts zurückbekommen. Außer hohen Dieselpreisen", sagte Trump. "Die amerikanischen Steuerzahler sind es leid." Sein Fazit: "Es ist Zeit für einen Deal."
Selenskyj in Oslo im Gespräch mit US-Delegation
Trumps Äußerungen fielen kurz nach einem Treffen Selenskyjs mit einer US-Delegation unter Leitung von Sondergesandtem Steve Witkoff. Dieser soll am Mittwoch zu Gesprächen mit Putin nach Russland reisen.
Nach den Beratungen in Oslo, an denen auch Finnlands Präsident Alexander Stubb und Norwegens Regierungschef Jonas Gahr Støre teilnahmen, wirkte Selenskyj vergleichsweise zuversichtlich. Er sprach von einem konstruktiven Telefonat mit US-Außenminister Marco Rubio und regte ein Dreiertreffen mit Trump und Putin an.
Auf einer Pressekonferenz mit den nordischen Staats- und Regierungschefs äußerte sich Selenskyj auch zu Berichten über Einschränkungen beim Austausch von US-Geheimdienstinformationen. Er sei "dankbar", dass "die Geheimdienste jetzt arbeiten". Es gehe um Frühwarnungen: "Das ist sehr wichtig für unsere Bevölkerung, für Kinder, Erwachsene, Zivilisten, weil wir hören können, wenn ballistische Raketen im Anflug sind."
Später am Abend schrieb Selenskyj in sozialen Netzwerken: "Es war konstruktiv, weil wir alle Frieden wollen: die Ukraine, Europa, die Vereinigten Staaten. Und wir werden sehen, was morgen passiert."