Ungarn will den Euro einführen, möglichst bis 2032. Die Ratingagentur Fitch hält den Haushaltskurs der Regierung dafür für passend. Kritisch bleibt die hohe Staatsverschuldung.
Der ungarische Haushaltsentwurf für 2027 und die mittelfristigen Defizitziele passen nach Einschätzung der Ratingagentur Fitch zum Ziel, bis 2030 die Voraussetzungen für den Beitritt zur Eurozone zu erfüllen. Das geht aus einer neuen Länderanalyse zu Ungarn hervor.
Laut dem Entwurf, den Péter Magyar am Montag vorgestellt hat, will die Regierung das Defizit des Staatshaushalts von den für dieses Jahr erwarteten 7,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf 4,9 Prozent senken. Fitch geht davon aus, dass die für kommendes Jahr geplanten Ausgabenkürzungen rund 1,5 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmachen. Das Auslaufen befristeter und einmaliger Ausgabenprogramme bringt nach Berechnung der Agentur weitere 1,4 Prozent des BIP an Einsparungen. Zugleich drückt die bessere Stimmung an den Finanzmärkten die Renditen ungarischer Staatsanleihen, wodurch die Zinslast um etwa 0,2 Prozent des BIP sinkt.
Fitch-Prognose für Defizit und Schulden
Die eigene Prognose von Fitch liegt etwas anders: Das Defizit soll dieses Jahr bei 7,3 Prozent des BIP liegen, 2027 bei 5,4 Prozent und bis 2030 unter drei Prozent. Die Schuldenquote steigt der Agentur zufolge 2027 und 2028 auf einen Höchststand von 77,7 Prozent des BIP. Das liegt deutlich über dem Median von 57,5 Prozent bei vergleichbaren Volkswirtschaften mit der Note "BBB". Wie sich die Schulden danach entwickeln, hängt laut Fitch vor allem vom Forint-Kurs und vom Wirtschaftswachstum ab.
Bei den Wachstumsprognosen liegt Fitch weitgehend auf Linie mit der Regierung. Erwartet wird für kommendes Jahr ein reales Plus von rund zweieinhalb Prozent, für 2028 eine Beschleunigung auf etwa drei Prozent. Grundlage ist die Annahme, dass mit dem Anlaufen der EU-Mittel sowohl Investitionen als auch privater Konsum anziehen und die Auslandsnachfrage stärker wächst.
Weg zum Euro
Auch andere große Analysehäuser in London, darunter die Eurasia Group, halten es für wahrscheinlich, dass Ungarn bis zum Beginn des nächsten Jahrzehnts die Euro-Kriterien erfüllt und in den frühen 2030er-Jahren der Währungsunion beitreten kann. Gelingt 2030 der Eintritt in den Wechselkursmechanismus ERM II, könnte der Weg für einen Beitritt 2032 offen sein. Im ERM II muss ein Land vor der Aufnahme mindestens zwei Jahre verbringen.