Steigende Energiepreise schüren Inflationssorgen, Europas Börsen fallen, Kering bricht wegen schwacher Gucci-Verkäufe ein; eine KI-Verkaufswelle treibt Anleger in US-Anleihen, Frankreichs Zinsen bleiben über fünf Prozent.
Europäische Aktien haben am Freitag zum Handelsstart leicht nachgegeben. Die Ölpreise bewegten sich weiter in der Nähe von Fünf-Monats-Hochs, zugleich verdauten Anleger den kräftigen Ausverkauf von KI-Werten an der Wall Street. Der Luxuskonzern Kering verlor mehr als 10 %, nachdem ein weiterer Rückgang der Gucci-Umsätze den erhofften Turnaround des Konzerns in Frage stellte.
Die Ölpreise legten weiter zu, getrieben von Sorgen über einen möglichen Krieg mit Iran. Brent-Öl kostete am Freitagmorgen 114,73 Dollar je Barrel, ein Plus von 0,9 % nach einem Sprung von 4 % in der vorangegangenen Sitzung. Die US-Referenzsorte West Texas Intermediate stieg um 1,3 % auf 100,75 Dollar je Barrel.
Bereits am Donnerstag hatten tödliche Angriffe in Saudi-Arabien die Ölpreise nach oben getrieben. Anleger fürchten, ein umfassender regionaler Konflikt könnte die weltweite Energieversorgung weiter drosseln.
Zusätzlich zur eingebauten Risikoprämie treiben explodierende Frachtraten die Kosten für Öltransporte in die Höhe.
Laut MarketWatch kostete der Transport von Rohöl auf einem großen Tanker vom Persischen Golf nach Asien Mitte Oktober bereits mehr als 37 Dollar je Barrel – mehr als das Fünffache des Niveaus vor Kriegsbeginn.
Auch Gas verteuerte sich deutlich. November-Terminkontrakte auf den europäischen Referenzpreis, den niederländischen TTF, notierten am Freitagmorgen über 93 Euro je Megawattstunde.
Europäische Börsen geben nach: Kering bricht ein
Der europaweite Index Stoxx 600 verlor im frühen Handel 0,4 %. Gegen 9.45 Uhr MESZ lag der FTSE 100 in London 0,3 % im Minus, der französische CAC 40 büßte 0,8 % ein und der DAX in Frankfurt sank um 0,5 %.
Zu den größten Verlierern zählte Kering. Die Aktie brach zur gleichen Zeit um mehr als 11 % ein, weil Anleger kaum Anzeichen dafür sehen, dass sich die Verkäufe bei Gucci stabilisieren. Die Umsätze der wichtigsten Konzernmarke gingen im dritten Quartal im Jahresvergleich – bereinigt um Währungseffekte und Veränderungen im Geschäft – um 6 % zurück. Der Rückgang fiel etwas stärker aus als von Analysten erwartet.
In den USA schloss der S&P 500 am Donnerstag 1,2 % niedriger. Der technologieorientierte Nasdaq Composite rutschte um 2,6 % ab. Die Schwäche der Tech-Werte war so stark, dass sie die Gewinne in anderen Teilen des US-Marktes überdeckte, obwohl die Mehrheit der Aktien zulegte. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gewann weniger als 0,1 %.
Aktien mit KI-Bezug schwanken stark. Anleger sorgen sich, dass der Boom ins Stocken geraten könnte, weil Kredite für den Bau von Rechenzentren und den Kauf zusätzlicher KI-Chips deutlich teurer geworden sind. Viele fürchten, dass die Kurse in den vergangenen Jahren in einer Rally zu weit nach oben geschossen sind – selbst wenn die Unternehmen der Branche weiterhin Wachstum melden.
Meta Platforms, der Konzern hinter Facebook und Instagram, der seine KI-Assistentin Muse offensiv bewirbt, verlor 7 %. Das Unternehmen meldete zwar höhere Umsätze als von Analysten erwartet, verfehlte jedoch die Gewinnerwartungen. Meta kündigte zudem eine neue Aktiengattung ohne Stimmrecht an. Damit will der Konzern zusätzliche Mittel für KI-Investitionen und andere Projekte einwerben, ohne die Stimmrechte der bestehenden Aktionäre zu verwässern.
Tesla gab 3,1 % nach. Der Elektroautobauer übertraf im dritten Quartal zwar die Gewinnerwartungen der Analysten, blieb beim Umsatz jedoch hinter den Prognosen zurück.
Der weltweite Ausverkauf bei KI-Werten drückte die Aktie von Nvidia um 4,4 % nach unten. Der Chipriese ist gemessen am Börsenwert das wertvollste Unternehmen an der Wall Street. Kursbewegungen bei Nvidia wirken daher stärker auf den S&P 500 als die jeder anderen Aktie und belasteten den Index diesmal besonders.
Besonders unter Druck stand der Cloud-Anbieter CoreWeave. Das Unternehmen hat Kredite aufgenommen, um Nvidia-KI-Chips zu kaufen und sie über seine Dienste zu vermieten, und gilt wegen seiner Schuldenlast seit Wochen als anfällig. Die Aktie brach um 10,1 % ein.
Technologiewerte stehen in der kommenden Woche vor neuen Belastungsproben, wenn Microsoft, Amazon und Alphabet ihre Quartalszahlen vorlegen. Ebenfalls für die kommende Woche ist die nächste Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed angesetzt – am Mittwoch, dem 28. Oktober.
Anleihemärkte: Sorgen um Staatsverschuldung
Sorgen über hohe Staatsschulden und strapazierte Haushalte lasten auf vielen Industrieländern. In Frankreich erhöhen landesweite Proteste den Druck auf die Regierung, mehr Geld auszugeben – mit der Gefahr, dass sich die Verschuldung weiter aufbläht.
Die Rendite für zehnjährige französische Staatsanleihen lag am Freitagmorgen bei rund 5,07 %. Deutsche Papiere gleicher Laufzeit warfen 3,33 % ab. Damit weitete sich der Renditeabstand auf mehr als 170 Basispunkte aus. Die Rendite italienischer Zehnjahresanleihen fiel knapp unter 4,6 %.
Angst vor Schulden und Inflation hatte zuvor zu einem großen Ausverkauf am weltweiten Anleihemarkt beigetragen und die Renditen von US-Staatsanleihen auf den höchsten Stand seit Jahrzehnten getrieben.
Am Donnerstag gaben die US-Renditen jedoch deutlich nach. Anleger griffen zu US-Staatsanleihen, um angesichts der Verluste bei KI-Aktien in sichere Anlagen auszuweichen. Die Rendite der zehnjährigen Treasuries fiel um 16 Basispunkte auf 4,97 %, nach 5,13 % am späten Mittwoch. Anfang des Monats hatte sie zeitweise über 5,30 % gelegen. Der Rückgang um 16 Basispunkte an einem Tag gilt für die Benchmark-Rendite als heftige Bewegung.
Der Renditerückgang erfolgte, obwohl neue Konjunkturdaten auf eine robustere US-Wirtschaft hindeuten. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sank in der vergangenen Woche um 6.000 auf 194.000 und erreichte damit den niedrigsten Stand seit Juli. Das signalisiert, dass Entlassungen weiter auf niedrigem Niveau bleiben.
Anleger blicken zudem auf die am Freitag erwarteten Frühindikatoren zur Unternehmensaktivität im Euroraum, im Vereinigten Königreich und in den USA. Sie erhoffen sich Hinweise darauf, wie stark höhere Energiepreise und Finanzierungskosten das Wachstum bremsen.
Am Devisenmarkt stieg der US-Dollar am frühen Freitag auf 156,93 japanische Yen, nach 156,77 Yen. Der Euro gab leicht nach auf 1,1205 Dollar. Das britische Pfund wurde bei 1,3381 Dollar gehandelt.
Terminkontrakte auf Gold gaben gegen 10.00 Uhr MESZ um 0,8 % nach und fielen auf 4.027,40 Dollar je Feinunze.