Ehemalige Hauptstadt Kasachstans feiert ihren Geburtstag mit Musik, Märkten und Apfelfesten. Bergefrühstücke, bunte Architektur und versteckte Kunst laden zum Bleiben ein.
Wer zum ersten Mal nach Almaty kommt, blickt zuerst auf die Skyline. Hinter den Dächern steigen die schneebedeckten Gipfel des Trans-Ili-Alatau auf. Sie liegen so nah, dass sie den Alltag prägen. Sogar Wegbeschreibungen richten sich danach. Die Stadt ist weitgehend im Schachbrettmuster angelegt. Viele Einheimische sagen dann, man solle „nach oben“ gehen – also in Richtung Berge – oder „nach unten“, von ihnen weg.
Man kann morgens im Zentrum einen Kaffee trinken und anschließend zu den Ausläufern der Berge fahren, für einen Spaziergang oder ein spätes Frühstück. Die Berge liegen so nah, dass sie Teil eines gewöhnlichen Vormittags sind – nicht nur ein Ziel fürs Wochenende.
Wer die Berge erkunden will, fährt zur Medeu-Talstation und nimmt die Seilbahn hinauf zum Shymbulak Mountain Resort. Im Winter kommen Skifahrerinnen, Skifahrer und Snowboarder wegen der Pisten. Doch auch ohne Ski lohnt sich der Ausflug: wegen der Aussicht oder eines Essens in den Bergen. Spaziergänge und Wanderungen sind das ganze Jahr über möglich.
Kunst an den Wänden: Stadt von ihrer Geschichte geprägt
Almaty war bis 1997 Hauptstadt Kasachstans, und sein Ruf als Kulturzentrum ist bis heute stark. Wer ältere Häuser genauer anschaut, entdeckt Schichten der künstlerischen Geschichte der Stadt: leuchtend bunte Mosaike in den Fassaden.
Viele stammen aus den 1960er- bis 1980er-Jahren, als monumentale Künstlerinnen und Künstler aus der gesamten Sowjetunion in der Stadt arbeiteten. Einige Werke wurden seitdem beschädigt oder sind verschwunden, deshalb lohnt es sich, die erhaltenen besonders zu suchen.
Auch andere Gebäude erzählen Geschichten. Die farbenfrohe hölzerne Himmelfahrtskathedrale, 1907 fertiggestellt, überstand vier Jahre später ein schweres Erdbeben.
Einen klaren Gegenpol bietet das Almaty Museum of Arts, das im vergangenen Jahr eröffnet hat. Entworfen hat es das britische Architekturbüro Chapman Taylor. Die zwei ineinander greifenden Baukörper stehen für Berge und Stadt, einer mit Kalkstein verkleidet, der andere mit Aluminium. Im Inneren vereint die Sammlung moderne und zeitgenössische Kunst aus Kasachstan, Zentralasien und weiteren Regionen.
Kulinarische Entdeckungen: Hungrig kommen
Der Grüne Basar ist ein guter Ort, um eine andere Seite Almatys kennenzulernen. Zwischen den Ständen liegen Äpfel neben Trockenfrüchten, Nüssen und regionalen Produkten. Rundherum reicht das Angebot von klassischen kasachischen Speisen bis zu Gerichten, die in ganz Zentralasien verbreitet sind.
Probieren Sie Beshbarmak, ein Gericht aus Fleisch auf flachen Pastastücken, oder Kazy, eine traditionelle Wurst aus Pferdefleisch. Auch die Milchprodukte lohnen sich: Kurt, salzige getrocknete Quarkkugeln, und Kumys, vergorene Stutenmilch mit leicht säuerlichem Geschmack.
Dann sollte noch Platz sein für Plov, einen Reis-Pilaw, für Lagman-Nudeln oder gedämpfte Manty-Teigtaschen. Die Vielfalt der Aromen gibt einen Eindruck von den unterschiedlichen Gemeinschaften und Traditionen, die die Stadt geprägt haben.
Almaty zeigt je nach Jahreszeit ein anderes Gesicht: Im Winter lockt der Skiurlaub, in den warmen Monaten die Bergwanderungen. Museen, Märkte und die abwechslungsreiche Gastronomie bieten das ganze Jahr über genug Stoff für Entdeckungen.
Die Stadt eignet sich auch als Ausgangspunkt für längere Reisen. Dank Flugverbindungen nach Europa und Ostasien sowie der Nähe zu den Nachbarstädten Bischkek in Kirgistan und Taschkent in Usbekistan bietet sich Almaty als Zwischenstopp auf einer größeren Zentralasienroute an. Bevor es weitergeht, sollte man der Stadt jedoch noch ein paar Tage widmen.