Die Insel Kea setzt sich dafür ein, die „Kathikies“, die traditionellen bunten Steinhäuser zu bewahren, die früher von Bauern und Hirten der Insel bewohnt wurden.
Jeden Sommer ziehen die griechischen Inseln Millionen Besucher aus aller Welt an. Seit einigen Jahren werden aber besonders die Kykladen auch von Reisenden entdeckt, die nicht nur Sonne und Meer suchen.
Viele kommen lieber im Herbst oder Frühling. Es sind Menschen, die gern wandern und sich für Archäologie und Architektur interessieren.
Kea, auch als Tzia bekannt (lateinisch Cea) ist eine Insel der westlichen Kykladen. Neben ihrer Geschichte und ihrer natürlichen Schönheit hat sie einen entscheidenden Vorteil.
Kea ist nur eine Stunde von Athen entfernt
Sie gilt als „Tor der Kykladen“, denn sie liegt sehr nah bei Athen. Sie ist nur sechzehn Seemeilen vom Hafen von Lavrio entfernt.
Ioulida ist die Chora, also die Hauptstadt und eine der vier historischen Städte der Insel. Sie ist die einzige, die im Inselinneren liegt. Früher war sie das Handelszentrum von Kea. Die Architektur von Ioulida unterscheidet sich von den typischen Bauten der Kykladen. Sie zeigt Elemente städtischer und neoklassizistischer Architektur. Das historische Rathaus, das 1092 gebaut wurde, entwarf Ernst Ziller.
Rena Velissaropoulou ist seit 2019 Bürgermeisterin von Kea.
„Wir sehen die kleinen Gassen, die Torbögen und die Steingebäude, und wir sehen auch Farben an den Wänden. In Wirklichkeit hatte Tzia immer Farben. Unter der Metaxas-Diktatur (1936-1940) wurden Weiß und Blau verordnet, vor allem Weiß aus hygienischen Gründen. Tzia aber hat Farbe, und das entdecken wir jedes Mal, wenn wir ein altes Gebäude sehen, bei dem der Putz freiliegt. Dort finden wir fast immer Farbe“, sagt die Bürgermeisterin.
Kea hat rund 2.500 ständige Einwohner. Trotz des touristischen Wachstums hat die Insel ihren traditionellen Charakter bewahrt. Ioulida liegt wie ein Amphitheater an den Hängen zweier Hügel, des Kastro und des Mühlenhügels. 1978 wurde der Ort als geschützter traditioneller Siedlungskern ausgewiesen.
Ihre besondere architektonische Identität verdankt die Insel auch einem einzigartigen Gestein, das sich hier bildet.
„Es gab auch den Miltos, ein Gestein, das man in den Trypospiliés, einer beeindruckenden Höhle in der Gegend von Otzia, abbaute. Diese Farbe ist ein tiefes Rot, ein Bordeauxton, wie die Farbe, die wir in Knossos sehen , und früher exportierte man dieses Gestein von Kea nach Athen“, erklärt Rena Velissaropoulou.
Wer die Chora von Kea verlässt und über die Hänge der Insel fährt, stößt auf traditionelle Steinhäuser. Die meisten sind heute unbewohnt. Einige wurden renoviert und dienen inzwischen als touristische Unterkünfte.
Ihre Erhaltung ist wichtig, um das kulturelle Erbe und die Geschichte von Kea zu schützen.
„Die Kathikia ist der Sitz, der Aufenthaltsort des Bauern und Viehzüchters der Insel, sie liegt draußen im Feld. Denn sein Wohnhaus stand in Ioulida. Alle Bauern, die eine Kathikia hatten, besaßen auch ein Haus in der Hauptstadt. Meist war das Wohnhaus die Mitgift der Ehefau, und die Kathikia gehörte dem Ehemann“, erläutert Steinmetz und Viehzüchter Dinos Vrettos Euronews.
In der Regel bauten die Bauern ihre Häuser nicht auf die Hügelkuppen, um den starken Nordwinden auszuweichen. Sie siedelten aber auch nicht unten in den Schluchten, damit sie unter der Sommerhitze nicht litten.
Heute arbeitet Dinos Vrettos als Viehzüchter. Zuvor war er 25 Jahre lang als Steinhauer tätig und gehörte fünf Jahre zur Ausgrabungsmannschaft des antiken Theaters von Karthaia.
Die traditionellen Steinhäuser und Mühlen
Mit seiner Hilfe haben wir eines der traditionellen Häuser kennengelernt, das zwar nicht mehr genutzt wird, aber alle typischen Merkmale einer Kathikia der Insel Kea bewahrt.
„Indem sie Steine aus antiken Bauten nahmen, bauten sie die Kathikies. Mit den Jahren wurde diese Kunst weitergegeben, so habe ich sie auch gelernt. Leider hat alles, was noch in dieser ursprünglichen Form war, den Besitzer gewechselt, es wurde verkauft. Meist kaufen die Kathikies Ausländer, nicht Griechen, vor allem Ausländer, die aber versuchen, sie so zu erhalten, wie sie sie vorgefunden haben“, sagte Dinos Vrettos zu Euronews.
In der Gegend von Mylopotamos standen entlang der Schlucht nahe der Quelle Fles elf Wassermühlen. Eine dient heute als Wohnhaus, eine andere arbeitet nur noch für die Besucher der Insel.
Die Wassermühlen entstanden vermutlich in der Zeit der osmanischen Herrschaft. Sie waren bis zum Zweiten Weltkrieg in Betrieb, bis in die 1980er Jahre wurden sie nach und nach aufgegeben**.** Savvas Michail sieht es als seine Pflicht, die Geschichte des Ortes lebendig zu halten.
„Die Technologie ist enorm vorangekommen. Die junge Generation und die Kinder, die heute geboren werden, haben keine Vorstellung vom Leben früher. Also versuchen wir, die Jugend an die Tradition heranzuführen, damit sie weiß, was wir geerbt haben. Auch wenn wir die Mühlen nicht mehr nutzen, ist es wichtig, wenigstens eine ‚lebendig‘ zu erhalten“, sagt Savvas Michail, pensionierter Angehöriger der Luftwaffe.
Auf den meisten Kykladeninseln dominieren Weiß und Blau. In Ioulida begegnet man jedoch kräftigen Tönen wie Gelb und natürlich dem roten Miltos von Kea, einer mineralischen roten Farbe, die in der Antike sehr kostbar war. Wenn Sie die Insel besuchen, suchen Sie nach den Kathikies, den traditionellen Steinhäusern, die der Zeit trotzen.