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Ausgrabung in Jerusalem: Haben Archäologen das echte Grab von Jesus gefunden?

 Ein als Jesus Christus verkleideter Darsteller stellt den Kreuzweg entlang der Via Dolorosa in Richtung der Grabeskirche nach
Ein als Jesus Christus verkleideter Darsteller stellt den Kreuzweg entlang der Via Dolorosa in Richtung der Grabeskirche nach -  Copyright  Copyright 2018 The Associated Press. All rights reserved.
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Von Kevin Koehrmann
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Ist es tatsächlich das Grab Jesu? Italienische Forscher haben unter der Jerusalemer Grabeskirche eine antike Begräbnislandschaft entdeckt. Die Funde stimmen mit den biblischen Überlieferungen von Jesus Grablegung überein.

Ob es Gott nun gibt oder nicht, darüber ist sich die Welt uneins. Eine große Mehrheit der heutigen Geschichtswissenschaftler ist sich aber sicher, dass Jesus von Nazareth als historische Person im 1. Jahrhundert tatsächlich gelebt hat und unter dem römischen Statthalter Pontius Pilatus gekreuzigt wurde. Christen auf der ganzen Welt glauben schon lange, dass sich das Grab des jüdischen Wanderpredigers unter der Grabeskirche befindet.

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Christliche Pilger halten Kerzen in der Hand, während sie sich in der Grabeskirche in der Altstadt von Jerusalem zur Zeremonie des "Heiligen Feuers“ versammeln.
Christliche Pilger halten Kerzen in der Hand, während sie sich in der Grabeskirche in der Altstadt von Jerusalem zur Zeremonie des "Heiligen Feuers“ versammeln. Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved.

Die Grabeskirche, von orthodoxen Christen auch als Auferstehungskirche bezeichnet, liegt im christlichen Viertel der Altstadt von Jerusalem. Sie zählt zu den bedeutendsten Heiligtümern des Christentums, da sie nach Überlieferung an der Stelle der Kreuzigung, der Grablegung und der Auferstehung Jesu Christi errichtet wurde. Auf Veranlassung des römischen Kaisers Konstantin des Großen wurde sie an der Stelle errichtet.

Die erste Kirche wurde im Jahr 335 n. Chr. eingeweiht. Im Laufe ihrer Geschichte wurde das Gotteshaus mehrfach zerstört und wieder aufgebaut. Besonders schwer traf sie die Zerstörung im Jahr 1009 unter dem fatimidischen Kalifen al-Hakim. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Kirche teilweise wiederhergestellt.

Eine christliche Pilgerin betet vor den Türen der Grabeskirche in der Jerusalemer Altstadt.
Eine christliche Pilgerin betet vor den Türen der Grabeskirche in der Jerusalemer Altstadt. KEVIN FRAYER/AP

Nach der Eroberung Jerusalems durch die Kreuzfahrer im Jahr 1099 erfolgten umfangreiche Umbauten. Das heutige Erscheinungsbild ist daher das Ergebnis zahlreicher Bau- und Restaurierungsphasen.

Lange Zeit durften kaum Umbauten, Renovierungsarbeiten oder Ausgrabungen stattfinden, weil sich mehrere christliche Konfessionen die Kirche teilen und jede befürchtete, durch Veränderungen ihre Rechte und ihren Einfluss zu verlieren. Nun haben sich die verschiedenen Parteien geeinigt. Seit 2016 wird die Grabeskirche restauriert – zum ersten Mal seit über 200 Jahren.

Antike Gräber und ein Garten unter Kirchenboden gefunden

Im Jahr 2022 war zunächst eine umfassende Restaurierung des Fußbodens der Grabeskirche vorgesehen. Im Zuge der Arbeiten folgte ein ausgedehntes Grabungsprojekt. Dabei entdeckten die Forscher unter der im vierten Jahrhundert erbauten Kirche einen aufgegebenen Steinbruch, landwirtschaftlich genutzte Flächen, einen Garten sowie Felsengräber.

Ein Mitglied des Restaurierungsteams arbeitet auf dem Fußboden der Grabeskirche, wo viele Christen glauben, dass Jesus gekreuzigt, begraben und von den Toten auferstanden ist.
Ein Mitglied des Restaurierungsteams arbeitet auf dem Fußboden der Grabeskirche, wo viele Christen glauben, dass Jesus gekreuzigt, begraben und von den Toten auferstanden ist. Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved

Besondere Bedeutung kommt dem Garten zu, da das Johannesevangelium einen Garten am Ort der Kreuzigung Jesu erwähnt. Laut Bibel ereignete sich die Kreuzigung nahe bei, aber außerhalb von Jerusalem. Im Hebräer-Brief wird erwähnt, dass Jesus außerhalb des Stadttors gelitten habe. Auch dies stimme mit den Funden der Archäologen überein.

Die leitende Archäologin Francesca Romana Stasolla von der römischen Universität "La Sapienza" wertete die archäologischen Funde als Hinweise auf eine Begräbnislandschaft. Die Ausgrabungen legten nahe, dass sich dort einst bewirtschaftete Flächen zwischen Golgatha und dem Grab befanden, berichtet die Nachrichtenseite "Times of Israel“ unter Berufung auf Stasolla.

Zudem stießen die Archäologen auf Spuren von Olivenbäumen und Weinreben, die auf die Zeit um 33 n. Chr. datiert werden – den Zeitraum, in dem der Tod Jesu üblicherweise angesetzt wird.

 Christliche Gläubige beten an dem Stein, auf dem Jesus Christus – so der Glaube – nach seiner Kreuzigung gewaschen wurde.
Christliche Gläubige beten an dem Stein, auf dem Jesus Christus – so der Glaube – nach seiner Kreuzigung gewaschen wurde. Copyright 2006 AP. All rights reserved.

Laut Stasolla weisen auch die Gräber, die in den Fels gehauen sind, auf eine frühere Begräbnisstätte hin. Die Evangelien von Matthäus, Markus und Lukas schildern das Grab Jesu als eine in den Fels gehauene Grabanlage - also auch das passt.

Kein abschließender Beweis

Einen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass Jesus in der Grabeskirche bestattet wurde, liefern die Funde nicht. Weder gibt es eine entsprechende Inschrift noch lässt sich nachweisen, dass die Grabkammer unbenutzt war oder Joseph von Arimathäa gehörte, der Jesus laut den Evangelien in sein neues Felsengrab legte. Auch die Pflanzenreste konnten bislang nicht exakt auf die Zeit der Kreuzigung datiert werden.

Die Ausgrabungen beantworten damit nicht die Frage nach Jesu tatsächlicher Grabstätte. Sie zeigen jedoch, dass der von Christen seit Jahrhunderten verehrte Ort geografische und archäologische Merkmale aufweist, die mit den Beschreibungen des Neuen Testaments übereinstimmen.

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