Finden Sie uns
Werbung

Ghanas Fotograf James Barnor erhält Spitzenpreis der Sony World Photography Awards

James Barnor, Medway College in Rochester, Großbritannien, etwa 1960 bis 1963
James Barnor, Medway College in Rochester, Großbritannien, um 1960–1963 -  Copyright  James Barnor / Courtesy Galerie Clémentine de la Féronnière
Copyright James Barnor / Courtesy Galerie Clémentine de la Féronnière
Von Craig Saueurs
Zuerst veröffentlicht am •Zuletzt aktualisiert
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

Zwischen seinem Studio in Accra und den Seiten des Magazins „Drum“ hielt Barnor den Alltag und die Schwarze Kultur in einer Zeit tiefgreifender Umbrüche fest.

Große Momente sind James Barnor nicht fremd.

WERBUNG
WERBUNG

Als Ghana 1957 seine Unabhängigkeit erklärte, war er mit seiner Kamera dabei. Im London der 1960er Jahre stellte er mit Fotos für das Magazin Drum gängige Klischees über schwarze Models und Künstler in Frage. 1970 richtete er Ghanas erstes Labor für Farbentwicklung ein.

Heute ist er 97 Jahre alt und erhält eine der höchsten Auszeichnungen der Fotografie.

Die World Photography Organisation hat bekanntgegeben, dass Barnor bei den 2027 Sony World Photography Awards (Quelle auf Englisch) den Preis Outstanding Contribution to Photography erhält.

James Barnor, Untitled #2, zwei Freunde festlich gekleidet zu einer kirchlichen Feier, Accra, 1970er Jahre
James Barnor, Untitled #2, zwei Freunde festlich gekleidet zu einer kirchlichen Feier, Accra, 1970er Jahre James Barnor / Courtesy Galerie Clémentine de la Féronnière

„Als ich mein Studio in Accra eröffnete, hätte ich mir nie vorgestellt, dass mich meine Arbeit so weit tragen würde: durch Ghanas Unabhängigkeit, nach London und wieder zurück“, sagte Barnor in einer Mitteilung.

„Meine Kamera wurde zu meinem ständigen Begleiter, und ich habe es nie bereut.“

Von Ghana nach Großbritannien und wieder zurück

Barnor, Jahrgang 1929, lernte die Fotografie bei seinem Cousin J. P. D. Dodoo, einem prominenten Fotografen, der in Accra während der Kolonialzeit der Goldküste arbeitete.

Mit 21 Jahren wurde Barnor erster festangestellter Fotograf der ghanaischen Zeitung Daily Graphic. Er fotografierte politische Kundgebungen, Straßenparaden und Ghanas Weg zur Unabhängigkeit 1957.

Dazu gehört auch der Moment, als der Anführer der Unabhängigkeitsbewegung Kwame Nkrumah Ghanas Freiheit von der britischen Herrschaft verkündete, auch wenn seine Bilder wegen Verzögerungen bei der Filmentwicklung nie in die Zeitungen gelangten (Quelle auf Englisch).

Barnors Porträts hielten das Leben im Accra der Mitte des 20. Jahrhunderts fest
Barnors Porträts hielten das Leben im Accra der Mitte des 20. Jahrhunderts fest James Barnor / Courtesy Galerie Clémentine de la Féronnière

1953 eröffnete Barnor das Studio Ever Young im Jamestown-Viertel von Accra. Dort ließen sich alle ablichten, von Studenten und Ladenangestellten bis hin zu Politikern und Richtern, während Barnor begann, den Alltag in einem Land zu dokumentieren, das sich rasant veränderte.

1959 zog er nach Großbritannien, wo er am Medway College of Art studierte und später mit Farbabzügen arbeitete. Er arbeitete auch für Drum, das südafrikanische Magazin, das für seine Anti-Apartheid-Berichterstattung bekannt ist, und hielt in den 1960er Jahren das Leben der afrikanischen Diaspora in London fest.

Barnor verlegte seine Modefotografie regelmäßig auf die Straßen Londons. Er fotografierte schwarze Models und Prominente mit einem Stil und Selbstbewusstsein, das man in der britischen Presse damals selten sah. Seine Porträts erschienen auf den Titelseiten und Modeseiten von Drum und gaben schwarzen Londonern eine Sichtbarkeit, die ihnen Mainstream-Magazine oft verweigerten.

Nach einer Ausbildung beim Filmhersteller Agfa-Gevaert in Belgien und Deutschland kehrte Barnor 1970 als Firmenvertreter nach Ghana zurück und half dabei, das erste kommerzielle Labor für Farbentwicklung des Landes aufzubauen.

Ein globales Vermächtnis

Frankreich feiert derzeit 200 Jahre (Quelle auf Englisch) Fotografie mit mehr als 1.000 Veranstaltungen bis September 2027. Vor diesem Hintergrund erinnert die Würdigung Barnors an ein weiteres wichtiges Kapitel der Geschichte dieses Mediums, von den letzten Jahren der britischen Kolonialherrschaft in Ghana bis zum Entstehen eines multikulturellen Vereinigten Königreichs.

Heute gilt er weithin als einer der Pioniere der afrikanischen Fotografie.

Der legendäre Schwergewichtsboxer Muhammad Ali, umringt von seinen Fans, London, 1966
Der legendäre Schwergewichtsboxer Muhammad Ali, umringt von seinen Fans, London, 1966 James Barnor/Courtesy Galerie Clémentine de la Féronnière

Barnors Fotografien wurden rund um den Globus ausgestellt, darunter in der Serpentine Gallery in London, im Detroit Institute of Arts und im Museum of Modern Art in New York. Sie sind außerdem Teil bedeutender Sammlungen sowohl des Tate Museum und der National Portrait Gallery in London als auch des Centre Pompidou in Paris.

Barnor erhält die Auszeichnung am 15. April 2027 bei einer Zeremonie in London. Außerdem ist im Somerset House vom 16. April bis 3. Mai 2027 eine Retrospektive zu sehen, mit mehr als 50 Fotografien und Archivmaterialien aus seiner gesamten Karriere.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

Ellen von Unwerth: wie eine deutsche Fotografin den weiblichen Blick prägt

Über 430.000 Einsendungen: Sony World Photography Awards 2026 küren Sieger

Ghanas Fotograf James Barnor erhält Spitzenpreis der Sony World Photography Awards