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Iran-Krise: IEA beschließt Rekordfreigabe von 400 Millionen Barrel Ölreserven

ARCHIV: Auf diesem Foto vom acht. Juni 2011 geht die Sonne hinter einer Ölpumpe in den Wüstenölfeldern von Sakhir in Bahrain unter.
ARCHIV: Aufnahme vom achten Juni zweitausendelf: Die Sonne geht hinter einer Ölpumpe in den Wüstenölfeldern von Sakhir in Bahrain unter. Copyright  AP Photo
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Von Una Hajdari & Quirino Mealha mit AP
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Die 32 Staaten der Internationalen Energieagentur wollen einstimmig insgesamt vierhundert Millionen Barrel Öl aus Notreserven freigeben. So sollen Lieferengpässe durch den Iran-Krieg vermieden und die Märkte beruhigt werden.

Die Internationale Energieagentur (IEA) hat am Mittwoch mitgeteilt, dass sich ihre Mitgliedstaaten auf die Freigabe von 400 Millionen Barrel Öl geeinigt haben. Anlass ist der Krieg mit Iran. Es wäre die größte Notfallaktion in der Geschichte der Agentur und mehr als doppelt so viel wie die Freigabe nach dem russischen Angriff auf die Ukraine.

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„Die Herausforderungen auf dem Ölmarkt sind von bislang unbekanntem Ausmaß. Umso mehr freut es mich, dass die IEA-Mitgliedsländer mit einer kollektiven Notmaßnahme von beispielloser Größe reagieren“, sagte IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol.

„Der Ölmarkt ist global, deshalb muss auch die Antwort auf schwere Störungen global sein. Energiesicherheit ist der Gründungsauftrag der IEA. Es ist ein gutes Signal, dass die Mitglieder mit entschlossenem Handeln ihre Solidarität zeigen.“

Mit der Entscheidung wollen die Staaten die Ölpreise drücken. Der Konflikt mit Iran und die blockierten Transporte durch die Straße von Hormus bringen die Energiemärkte weltweit durcheinander.

Der Zeitraum der Freigabe richtet sich nach den jeweiligen nationalen Gegebenheiten. Weitere Details zur Umsetzung sollen folgen.

Die vereinbarte Menge entspricht ungefähr zwanzig Tagen Öltransport durch die Straße von Hormus. Dort passieren im Schnitt rund 20 Millionen Barrel pro Tag.

G7 zeigt geschlossene Front

Schon vor der Ankündigung hatten Deutschland und Österreich zugesagt, auf Bitte der IEA Teile ihrer Ölreserven auf den Markt zu bringen.

Auch Japan will ab dem kommenden Montag Reserven freigeben.

Deutschland und Japan gehören zur Gruppe der Sieben, kurz G7. Dem wirtschaftspolitischen Forum gehören außerdem die USA, das Vereinigte Königreich, Italien, Kanada und Frankreich an. In den vergangenen zwei Tagen berieten ihre Vertreter in einer Krisensitzung über die stark gestiegenen Ölpreise.

Die G7 selbst beschloss zunächst keine eigene Freigabe von Reserven.

Stattdessen bat sie die IEA, die Lage zu bewerten und Optionen für ein koordiniertes Vorgehen mit strategischen Beständen auszuarbeiten.

Die IEA berief daraufhin eine außerordentliche Sitzung ihrer 32 Mitgliedsregierungen ein, um über das weitere Vorgehen zu entscheiden.

Aus diesem Treffen, das am Mittwoch enden sollte, ging nun der Vorschlag hervor, 400 Millionen Barrel auf den Markt zu geben.

Die G7 setzte damit vor allem den politischen Rahmen und verlangte einen Plan. Die IEA übernimmt die technische Umsetzung: Sie genehmigt die Freigabe formal und koordiniert sie so, dass das Öl tatsächlich in den Markt fließt.

Die Entscheidung fiel zu einem Zeitpunkt, an dem der Preis für Brent-Öl, die internationale Referenzsorte, noch immer rund 20 Prozent über dem Niveau zu Kriegsbeginn lag – trotz eines deutlichen Rückgangs gegenüber den Höchstständen vom Montag.

Verbraucherinnen und Verbraucher weltweit spüren die Entwicklung bereits an den Zapfsäulen.

Die bislang größte gemeinsame Freigabe von Notreserven durch IEA-Staaten lag bei 182,7 Millionen Barrel. Sie folgte auf den Energieschock nach der umfassenden russischen Invasion der Ukraine im Jahr 2022.

Die IEA-Mitglieder halten derzeit mehr als 1,2 Milliarden Barrel an öffentlichen Notölreserven. Hinzu kommen weitere 600 Millionen Barrel an Industriereserven, die Unternehmen auf Grundlage staatlicher Vorgaben bereit halten.

Die Energieminister der G7 erklärten am Dienstag, sie unterstützten „grundsätzlich die Umsetzung proaktiver Maßnahmen, um auf die Lage zu reagieren, einschließlich des Einsatzes strategischer Reserven“. Damit bereiteten sie den Boden für die koordinierte Reaktion aus Berlin und Wien am Mittwoch.

Als Antwort auf US-amerikanische und israelische Luftangriffe hat Iran Handelsschiffe im gesamten Persischen Golf attackiert. Die Führung in Teheran verschärft damit ihre Kampagne, die ölreiche Region unter Druck zu setzen, während weltweit die Sorge um die Energieversorgung wächst.

Iran hat den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus weitgehend zum Erliegen gebracht. Durch diese Meerenge wird rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels aus dem Persischen Golf in Richtung Indischer Ozean verschifft.

Das US-Militär teilte am Dienstag mit, es habe in der Nähe der Meerenge 16 iranische Minenleger zerstört. Präsident Donald Trump schrieb jedoch in sozialen Netzwerken, es gebe keine bestätigten Hinweise darauf, dass Iran die Passage vermint habe.

Sollte die Straße tatsächlich vermint werden, dürfte es nach Einschätzung von Expertinnen und Experten mindestens mehrere Wochen dauern, sie nach einem Ende der Kämpfe zu räumen.

Dunkle Flotten?

Trotz der Störung läuft ein Teil des Schiffsverkehrs weiter.

Die Sicherheitsfirma Neptune P2P Group meldete am Mittwoch, seit dem achten März seien sieben Schiffe durch die Meerenge gefahren, fünf davon mit Verbindungen zu iranischen Reedereien.

Normalerweise passieren täglich mehr als 100 Schiffe die Straße von Hormus.

Einige Tanker sind auf sogenannten „dunklen“ Fahrten unterwegs. Sie schalten ihr automatisches Identifikationssystem AIS ab – ein Vorgehen, das sonst vor allem bei Schiffen üblich ist, die sanktioniertes iranisches Rohöl transportieren.

Das Rohstoffanalysehaus Kpler berichtet, Iran habe unterdessen den Export von Rohöl über das Terminal Jask am Golf von Oman wieder aufgenommen. Dort habe am siebten März ein Tanker rund zwei Millionen Barrel geladen. Das deutet darauf hin, dass Teheran weiterhin einen Teil seiner Öllieferungen an der Straße von Hormus vorbei lenken kann.

Teheran greift zudem Ölquellen und Raffinerien in Golfstaaten an. Das Regime will den weltweiten wirtschaftlichen Schaden so weit erhöhen, dass die USA und Israel ihre Luftangriffe einstellen.

Nach Angaben der IEA liegen die Exportmengen von Rohöl und Ölprodukten derzeit bei weniger als zehn Prozent des Niveaus vor Ausbruch des Kriegs.

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