Alarm im Osten Polens: für die Bewohner zweier Regionen gelten Luftangriffswarnungen, in Lublin und Rzeszów heulen Sirenen. Ministerpräsident Donald Tusk spricht nach einem russischen Angriff in der Westukraine nahe der Grenze von einer "massiven Explosion".
Bewohner mehrerer Landkreise in den polnischen Woiwodschaften Lublin und Karpatenvorland haben am Donnerstagmittag eine Warnmeldung des Regierungszentrums für Sicherheit erhalten. Sie warnte vor der Gefahr eines Luftangriffs.
Schon zuvor hatte das Operative Kommando der Teilstreitkräfte (DORSZ) mitgeteilt, dass die polnische Luftwaffe wegen russischer Angriffe auf das Gebiet der Ukraine gestartet ist.
Warn-SMS an Einwohner
An Bewohner ausgewählter Kreise in den Woiwodschaften Lublin und Karpatenvorland ging eine SMS mit folgendem Wortlaut: "ACHTUNG! ACHTUNG! ACHTUNG! Gefahr eines Luftangriffs. Suche einen sicheren Ort. Befolge die Anweisungen der Dienste. Warte auf weitere Mitteilungen".
Auch in Lublin und Rzeszów heulten die Luftschutzsirenen.
Gegen 12.50 Uhr gaben die Behörden Entwarnung. "Keine Gefahr auf dem Gebiet Polens", hieß es.
Nach Angaben des Operativen Kommandos reagierte die polnische Luftwaffe auf russische Angriffe im Westen der Ukraine. In der Mitteilung hieß es, der Einsatz von düsengetriebenen Kampfdrohnen über dem westlichen Teil der Ukraine habe dazu geführt, dass Militärflugzeuge im polnischen Luftraum operieren.
Das Kommando betonte, dass es sich um vorsorgliche Maßnahmen handelt. Sie sollen die Sicherheit des polnischen Luftraums gewährleisten, besonders über Regionen nahe den bedrohten Gebieten.
DORSZ erklärte außerdem, es verfolge die Lage laufend. Die unterstellten Kräfte und Mittel "bleiben in Bereitschaft für eine sofortige Reaktion".
Tusk: Russischer Angriff nahe polnischer Grenze
Über die Lage sprach auch Ministerpräsident Donald Tusk bei einer Pressekonferenz nach seinem Treffen mit dem österreichischen Kanzler Christian Stocker. Tusk ging auf den jüngst beendeten russischen Angriff auf den Westen der Ukraine ein und nannte ihn "massiv, sehr brutal".
Er berichtete, der Angriff habe sich in einem Gebiet ereignet, das sehr nahe an der polnischen Grenze liegt. "Unweit von Jahodyn, das ist bei Dorohusk, wurde wieder vermutlich eine Tankstelle angegriffen. Es kam zu einer sehr starken Explosion, unsere Flugzeuge sind ebenfalls zum Einsatz gestartet", sagte der Regierungschef.
Nach seinen Worten hatte es einen ähnlichen russischen Luftangriff bereits zwei Tage zuvor gegeben, ebenso in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag. Aus Tusks Sicht macht dies den 17. September, den Jahrestag der sowjetischen Aggression gegen Polen, "leider auch zu einem außergewöhnlichen Tag in Bezug auf die aktuelle Sicherheitslage".
Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz schrieb auf der Plattform X: "Russland lässt in seinen aggressiven Handlungen nicht nach. Heute hat es nur wenige Kilometer von der polnischen Grenze entfernt angegriffen. Es kam zu keiner Verletzung unseres Luftraums. Deshalb habe ich in den vergangenen Wochen beschlossen, den Schutz des polnischen Himmels zu verstärken – wir haben die Einsätze der F-16 und der Hubschrauber erhöht, stärken die Luftverteidigungs- und Schnellreaktionssysteme."
Flughäfen in Lublin und Rzeszów stoppen vorübergehend Flugbetrieb
Wegen der Einsätze der Militärluftfahrt war auch der Betrieb der Flughäfen in Lublin und Rzeszów zeitweise eingeschränkt. Die Polnische Agentur für Flugsicherung (PANSA) erklärte, dies sei nötig gewesen, um den Militärmaschinen freien Handlungsspielraum zu geben.
"Aufgrund der Notwendigkeit, die Handlungsfreiheit der Militärluftfahrt zu gewährleisten, haben die Flughäfen in Lublin und Rzeszów den zivilen Flugverkehr vorübergehend eingestellt", erklärte PANSA in einer auf X veröffentlichten Mitteilung.