Von der Leyen blockt Forderungen nach EU-Sanktionen gegen Serbien ab, das wie andere Westbalkan-Staaten weiterhin Beitrittskandidat ist.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte dem Europäischen Parlament am Mittwoch, sie sei "entsetzt über die Bilder" von der Beerdigung des verurteilten Kriegsverbrechers Ratko Mladić in Belgrad Anfang des Monats. Konkrete Strafmaßnahmen gegen Serbien kündigte sie jedoch nicht an.
"Die Verherrlichung von Kriegsverbrechern hat in der Europäischen Union schlicht keinen Platz", sagte von der Leyen in ihrer jährlichen Rede zur Lage der Europäischen Union. Direkte Kritik an Serbien vermied sie, obwohl es in der EU Rufe nach einem härteren Vorgehen gibt.
Mladić, bekannt als der "Schlächter von Bosnien", starb im August. Er verbüßte in Den Haag eine lebenslange Haftstrafe wegen Völkermords, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen während des Bosnienkriegs in den neunziger Jahren.
Sein Leichnam wurde mit einer Staatsmaschine nach Belgrad gebracht. Ein Ehrenkommando der serbischen Armee und verschiedener Sicherheitskräfte empfing den Sarg. Das Staatsfernsehen und die Serbisch-Orthodoxe Kirche widmeten ihm Gedenkfeiern. Der Sarg war in eine serbische Flagge gehüllt.
Vertreter in Belgrad hatten zuvor bestritten, dass Mladić ein Begräbnis mit staatlichen Ehren erhalten würde.
Die Bilder lösten europaweit Empörung aus. Kroatiens Regierungschef Andrej Plenković kritisierte die zurückhaltende Reaktion der EU.
Die von der Leyen geführte Kommission drängte darauf, Serbiens Bewerbung um eine EU-Mitgliedschaft voranzubringen und die Gespräche über Cluster drei zur wirtschaftlichen Entwicklung zu eröffnen.
Doch die Regierungen in den EU-Hauptstädten haben diesen Schritt mit Verweis auf anhaltende Sorgen über den Abbau demokratischer Standards blockiert. Dies gilt, obwohl die Venedig-Kommission festhielt, dass Belgrad die meisten ihrer Empfehlungen zur Justizreform umgesetzt hat.
Diplomaten sagten Euronews, das Begräbnis für Mladić habe Serbiens Beitrittskurs faktisch gestoppt. Einer formulierte es so: "Jeder, der überhaupt darüber nachdenkt, Cluster drei zu öffnen, wird es sich zweimal überlegen."
Henrik Dahl, dänischer Abgeordneter der Europäischen Volkspartei (EVP), sagte Euronews am Dienstag: "Serbien hat sich selbst ans Ende der Warteschlange gestellt, um der EU beizutreten, weil das Land einem Kriegsverbrecher ein Staatsbegräbnis ausgerichtet hat."
Mehrere Europaabgeordnete stellen inzwischen auch die Zugehörigkeit der Serbischen Fortschrittspartei von Präsident Aleksandar Vučić zur EVP infrage, der Mitte-rechts-Parteifamilie, der auch von der Leyen angehört.
Die EU-Kommissarin für Erweiterung, Marta Kos, hat als Reaktion auf das Begräbnis ihren geplanten Besuch in Belgrad verschoben. Das nährte Spekulationen darüber, dass von der Leyen ähnliche Konsequenzen ankündigen könnte.
Die Kommissionspräsidentin dürfte im Herbst mehrere Bewerberländer auf dem westlichen Balkan bereisen, darunter Serbien. Die EU-Behörde will bislang jedoch nicht bestätigen, ob das Programm für den Besuch bereits feststeht.