Die Nachfrage nach Flugrouten ohne Zwischenstopp im Nahen Osten oder am Golf steigt – und mit ihr die Ticketpreise für Reisende.
Reisende müssen sich auf höhere Ticketpreise und ausgedünnte Flugpläne einstellen. Der Konflikt im Nahen Osten lässt die Ölpreise in die Höhe schnellen.
Fachleute rechnen damit, dass Flugtickets noch monatelang teuer bleiben – selbst wenn sich der Krieg abschwächt.
Viele Reisende meiden derzeit Umstiege im Nahen Osten oder am Golf. Die Nachfrage auf Alternativrouten steigt – und damit auch die Preise.
Rigas Doganis, früher Chef von Olympic Airways in Griechenland und heute Vorsitzender der Londoner Beratungsfirma Airline Management Group, sagte Reuters (Quelle auf Englisch), die Fluggesellschaften stünden „vor einer existenziellen Herausforderung“.
„Sie müssen die Preise senken, um die nachlassende Nachfrage zu beleben. Zugleich zwingen die höheren Treibstoffkosten eigentlich zu Preiserhöhungen. Das ist ein perfekter Sturm.“
Korean Air schaltet auf „Notfallmodus“
Eine Quelle sagte Reuters (Quelle auf Englisch), dass die südkoreanische Fluggesellschaft Korean Air ab April in einen „Notfall-Managementmodus“ geht, weil die steigenden Ölpreise die Kosten nach oben treiben.
Nach Angaben aus Branchenkreisen, über die die Nachrichtenagentur Yonhap (Quelle auf Englisch) berichtet, veröffentlichte Vizechef Woo Kee-hong eine interne Mitteilung. Demnach führt die Airline ab Mittwoch, dem 1. April, ein Notfall-Managementsystem ein.
„Die Maßnahmen sind keine einmalige Sparrunde, sondern Teil umfassender struktureller Schritte, um die Grundlagen des Unternehmens zu stärken“, sagte Woo.
Diese Airlines erhöhen ihre Ticketpreise
Der Krieg mit Beteiligung der USA, Israels und Irans hat die Ölpreise in die Höhe getrieben. Angriffe auf Raffinerien in der Region und blockierte Öltransporte durch die Straße von Hormus lassen auch Kerosin deutlich teurer werden.
Cathay Pacific, AirAsia und Thai Airways gehören zu einer wachsenden Zahl von Fluggesellschaften, die ihre Tarife anheben, um die Mehrkosten auszugleichen, wie Berichte zeigen.
Cathay-Pacific-Chef Ronald Lam sagte in einer Medienrunde, die Treibstoffkosten lägen in diesem Monat bislang etwa doppelt so hoch wie im Durchschnitt der beiden Vormonate.
Die Airline hat daraufhin die Treibstoffzuschläge angepasst. Betroffen sind ab dem 18. März alle Strecken.
AirAsia kündigte an, Ticketpreise und Treibstoffzuschläge vorübergehend zu erhöhen, und versprach, die Tarife zu überprüfen, sobald sich die Marktlage ändere.
Vertreter von Thai Airways erklärten, sie rechneten mit einem Anstieg der Flugpreise um zehn bis fünfzehn Prozent. Qantas teilte mit, man habe die Tarife je nach Strecke unterschiedlich stark angehoben.
Skandinaviens SAS sprach von einer „vorübergehenden Preisanpassung“.
Air New Zealand hat die Preise ebenfalls angehoben. In einer E-Mail-Antwort an Reuters (Quelle auf Englisch) erklärte die Fluggesellschaft, sie habe die Economy-Tarife für einfache Inlandsflüge um zehn neuseeländische Dollar (5,10 Euro) erhöht, auf Kurzstrecken um zwanzig neuseeländische Dollar (10,20 Euro) und auf Langstrecken um 90 neuseeländische Dollar (45,90 Euro).
Andere Airlines mit Treibstoff-Absicherungsgeschäften – darunter Lufthansa und Ryanair – konnten sich laut Reuters einen Teil ihres Bedarfs zu festen Preisen sichern.
Tausende Flüge fallen aus
Die vietnamesische Luftfahrtbehörde erklärte, die durch den Nahost-Konflikt eingeschränkte Versorgung mit Flugbenzin (Jet A‑1) setze die einheimischen Airlines dem Risiko einer Treibstoffknappheit aus.
Vietnam Airlines reagiert mit einem ausgedünnten Flugplan. Ab dem 1. April setzt die Gesellschaft vorübergehend mehrere Verbindungen aus, darunter Flüge von Hai Phong nach Buon Ma Thuot, Cam Ranh, Phu Quoc und Can Tho sowie von Ho-Chi-Minh-Stadt nach Van Don, Rach Gia und Dien Bien. Auf diesen Strecken entfallen insgesamt 23 wöchentliche Flüge, um das Angebot an die angespannte Treibstoffversorgung anzupassen.
In einer an die Mitarbeitenden gerichteten Botschaft auf der Website (Quelle auf Englisch) von United Airlines kündigte Konzernchef Scott Kirby an, die Airline werde kurzfristig rund fünf Prozent der für dieses Jahr geplanten Flüge streichen.
„Die Realität ist: Der Preis für Flugbenzin hat sich in den vergangenen drei Wochen mehr als verdoppelt“, schrieb er. „Bliebe es bei diesem Niveau, müssten wir allein für Kerosin jährlich rund elf Milliarden Dollar mehr ausgeben. Zum Vergleich: In unserem bisher besten Jahr hat United weniger als fünf Milliarden Dollar Gewinn erzielt.
Das mag beunruhigend klingen, aber die erste gute Nachricht ist: Die Nachfrage ist derzeit so stark wie nie zuvor. Die zehn umsatzstärksten Buchungswochen unserer Geschichte waren die vergangenen zehn Wochen. Doch es dürfte schwierig werden, die gestiegenen Treibstoffkosten weiter in diesem Ausmaß an die Kundschaft weiterzugeben, falls der Ölpreis noch länger so hoch bleibt.“
Unterdessen will die skandinavische Fluggesellschaft SAS im April wegen der explodierenden Treibstoffpreise mindestens tausend Flüge streichen.
„Im März streichen wir einige Hundert Flüge, versuchen unsere Verbindungen aber so weit wie möglich zu schützen“, sagte Vorstandschef Anko van der Werff der Wirtschaftszeitung Dagens Industri. Nach Ostern, wenn das Verkehrsaufkommen üblicherweise sinkt, rechnet er mit weiteren Streichungen.
Insgesamt sind laut ihm „mindestens tausend“ Flüge betroffen. Angesichts von rund 800 täglichen Verbindungen bei SAS sei der Umfang jedoch begrenzt.
Als Reaktion auf die Ankündigung von SAS stockt der Konkurrent Norwegian seine Kapazitäten in der Region auf, um umgebuchte Passagiere aufzunehmen. Laut NKR kommen zwischen dem 25. März und dem 12. April 120 zusätzliche Abflüge hinzu.
Auch Air New Zealand fährt ihr Angebot um fünf Prozent zurück. Zwischen dem 16. März und dem 3. Mai streicht die Airline rund 1.100 Flüge; voraussichtlich sind davon etwa 44.000 Passagiere betroffen.
Kreuzfahrtanbieter erhebt Treibstoffzuschlag für Gäste
Von den höheren Öl- und Treibstoffkosten im Nahost-Krieg sind nicht nur Fluggesellschaften betroffen. Auch Kreuzfahrtunternehmen spüren den Preissprung.
StarDream Cruises teilte mit, dass Gäste für Buchungen ab dem 20. März einen Zuschlag von 15 Dollar pro Person und Nacht zahlen müssen, berichtete die Zeitung The Straits Times (Quelle auf Englisch).
„Aufgrund der jüngsten geopolitischen Entwicklungen im Nahen Osten sind die Ölpreise deutlich gestiegen, was bei der Star Voyager zu höheren Treibstoff- und damit verbundenen Kosten führt“, hieß es in der Erklärung.
„Daher führen wir für neue Buchungen ab dem 20. März 2026 einen Treibstoffzuschlag ein. Die Höhe richtet sich nach den betrieblichen Anforderungen des jeweiligen Schiffs und der Route und kann innerhalb unserer Flotte variieren.
Dieser Zuschlag wird regelmäßig an die Entwicklung der Treibstoffpreise angepasst und kann sinken, wenn die Preise nachgeben, oder für neue Buchungen steigen, falls die Preise weiter anziehen.“