Wladimir Putin hat Kasachstan bei seinem Staatsbesuch vier Amur-Tiger geschenkt. Sie sollen eine Raubkatzenart zurückbringen, die in Zentralasien seit mehr als 70 Jahren verschwunden ist.
Vier Amur-Tiger, auch Sibirische Tiger genannt, sind aus Russland in das Naturreservat Ile-Balkhash in Kasachstan gebracht worden. Zur Gruppe gehören ein erwachsenes Männchen und ein Weibchen im Alter von drei bis vier Jahren sowie zwei Jungtiere, die etwa sechs bis sieben Monate alt sind.
Fachleute haben die Tiere in freier Wildbahn in der russischen Region Chabarowsk gefangen und im Rahmen eines internationalen Programms nach Kasachstan gebracht, das die Rückkehr der Art nach Zentralasien ermöglichen soll.
„Die Tiger erhalten Satellitenhalsbänder mit GPS, damit Fachleute ihre Bewegungen und ihren Gesundheitszustand rund um die Uhr verfolgen können“, sagte Daniyar Turgambajew, Vorsitzender des Komitees für Forst- und Wildtierwesen im Umweltministerium Kasachstans.
„Das Programm ist auf einen langfristigen Zeitraum von 40 bis 50 Jahren angelegt“, fügte er hinzu.
Das Auswilderungsgebiet liegt im Süden der Balkhash-Region entlang des Flusses Ile. Das Gebiet gehörte einst zum historischen Verbreitungsgebiet der Tiger, bevor die Art dort verschwand.
Vor rund einem Jahrzehnt hat die kasachische Regierung dort ein Schutzgebiet eingerichtet und Kulane, also Wildesel, in die Steppe entlassen, um eine Beutetier-Population für die zurückkehrenden Tiger aufzubauen. Das Schutzgebiet umfasst rund 1,2 Millionen Hektar.
„In das Reservat wurden 119 Kulane ausgesetzt. Zudem leben dort Wildtiere wie Wildschweine und Rehe, deren Bestände sich vermehren. Heute bietet diese Beutegrundlage den Tigern ausreichend Nahrung“, sagte Kasachstans Umweltminister Jerlan Nyssanbajew.
Kasachstan kündigte seine Pläne zur Wiederansiedlung der Tiger erstmals 2010 auf dem ersten Internationalen Forum zum Tigerschutz in Sankt Petersburg an.
Im Jahr 2024 kamen zwei Amur-Tiger aus den Niederlanden in das Naturreservat Ile-Balkhash. Sie stammten aus dem auf Großkatzen spezialisierten Schutz- und Auffangzentrum Stichting Leeuw im Landgoed Hoenderdaell Zoo.
Im November 2025 unterzeichneten Kasachstan und Russland eine gemeinsame Roadmap, um Amur-Tiger nach Kasachstan zu bringen und sie bei der Eingewöhnung in ihren neuen Lebensraum zu unterstützen.
Amur-Tiger: Chance auf Rückkehr einer verschwundenen Tigerunterart?
Historisch war Zentralasien die Heimat des Turan- oder Kaspischen Tigers (Panthera tigris virgata), der Mitte des 20. Jahrhunderts verschwand. Das letzte bekannte wild lebende Tier in der Region wurde in den 1950er-Jahren in Usbekistan getötet.
Nach Angaben kasachischer Fachleute gehört der Amur-Tiger zu derselben kontinentalen Unterart wie der ausgestorbene Räuber. Dadurch gilt das Wiederansiedlungsprogramm aus wissenschaftlicher Sicht als machbar.
Der Amur-Tiger zählt zu den seltensten Großraubtieren der Welt und steht auf der Internationalen Roten Liste der bedrohten Arten. Fachleute schätzen, dass in Russland nur noch rund 750 Tiere in freier Wildbahn leben.
Die Rückkehr der Tiger in die Region Balkhash soll einen wichtigen Beitrag zum Globalen Programm zur Erholung der Tigerbestände leisten.